Die Neuen in den Rathäusern | WDR aktuell
02:06 Min.. Verfügbar bis 03.11.2027.
Die Kommunalwahlen in NRW in diesem Jahr glichen zeitweise echten Krimis: Es gab denkbar knappe Stichwahlen - so viele, wie noch nie. Mancherorts musste sogar neu ausgezählt werden. Dazu politische Beben in der ehemaligen SPD-Hochburg Ruhrgebiet, parteilicher Kurswechsel nach vielen Jahren auch in anderen Regionen. Zwei Bürgermeister sind sogar unter 30.
Politischer Neuanfang
In Münster tritt nach 16 Jahren CDU-Regierung der Grüne Tilman Fuchs das Amt des Oberbürgermeisters an. Er kündigte an, sich vor allem um die Themen Wohnraum, Klimaschutz und sozialer Zusammenhalt zu kümmern. Fuchs übernimmt den Stab von Markus Lewe (CDU), der nicht mehr zur Wahl angetreten war.
Der sagte dem WDR, er habe in 16 Jahren große Momente erlebt: Das Außenminister-Treffen der G7-Staaten, die Westfälische Friedenskonferenz und zuletzt der Besuch des niederländischen Königs in Münster. Jetzt sei es "Zeit, Verantwortung abzugeben".
Krasse Veränderung auch in Dortmund: Dort, in der traditionellen Hochburg der Sozialdemokraten, tritt mit Alexander Kalouti nach mehr als 75 Jahren erstmals ein CDU-Politiker an die Stadtspitze. Er hatte die Stichwahl knapp gegen den bisherigen SPD-OB Thomas Westphal gewonnen. Für die SPD war die Kommunalwahl in Dortmund ein politisches Erdbeben.
Als "Bubi-Bürgermeister" betitelte ihn die Boulevardpresse vor 16 Jahren, als Daniel Zimmermann Bürgermeister von Monheim wurde. 27 Jahre alt war er da, angetreten mit der von ihm selbst gegründeten lokalen Partei Peto. Sein erster großer Erfolg: die Senkung der Gewerbsteuer, wodurch sich viele große Unternehmen in Monheim ansiedelten.
Die kleine Stadt am Rhein wurde zur wohlhabendsten in NRW. Zimmermann schaffte Kita-Gebühren ab, ließ alle Schulen der Stadt sanieren und machte den ÖPNV für alle kostenlos. Was als nächstes für ihn kommt, wisse er noch nicht, sagte der heute 43-Jährige dem WDR. In Monheim übernimmt nun die parteilose, von CDU, Grünen, SPD und FDP gestützte Sonja Wienecke. Sie ist bereits Beamtin in der Kommunalverwaltung.
Alte Hasen treten ab
In Köln übergibt die parteilose Henriette Reker nach zwei Amtszeiten den Staffelstab an Torsten Burmester von der SPD. Reker war einerseits geachtet, vor allem, weil sie nach einem lebensgefährlichen Messerangriff auf sie während des ersten Wahlkampfs 2015 trotzdem das Amt angetreten hatte.
Zuletzt aber gab es auch viel Kritik: Zu unentschlossen sei Reker, zu wenig tatkräftig angesichts der vielen Probleme, mit denen die Stadt Köln zu kämpfen hat.
Reker kritisierte ihrerseits, dass Oberbürgermeister in NRW höchste Repräsentanten der Stadt sein sollen und gleichzeitig Chef der Verwaltung. "Zumindest in einer Millionenstadt wie Köln ist das sehr, sehr schwierig", sagt sie dem WDR, sie sei selber unzufrieden damit.
Der neue OB Burmester will nun ran: Mehr Sauberkeit, mehr Sicherheit und den Kampf gegen die ausufernde Drogenszene hat er angekündigt. Dabei wolle er auch als OB "nahbar bleiben und für die Menschen ansprechbar".
Ebenfalls ein Veteran ist der scheidende Landrat im Kreis Gütersloh: 25 Jahre war Sven-Georg Adenauer dort im Amt. Ihm sei immer die Nähe zu den Bürgern wichtig gewesen, sagte er im WDR-Interview. Nun hat der Enkel von Konrad Adenauer ein neues Ziel: Präsident des 1. FC Köln zu werden. Seine Nachfolgerin im Amt ist Parteikollegin Ina Laukötter.
Thomas Hendele (CDU) war 26 Jahre lang Landrat im Kreis Mettmann. Der heute 72-Jährige war einer der Dienstältesten an den Verwaltungsspitzen in NRW. Zur Kommunalwahl trat er nicht mehr an. Die Kommunen stünden immer mehr unter Druck, sagte er im Gespräch mit dem WDR - und es sei gut, wenn die Leute "ihren Sheriff selber wählen" können.
Die Jüngsten
In Burbach gewann der 27-jährige Jonas Becker von der CDU die Kommunalwahl. Er plane "innovative Wohnkonzepte" für Burbach, sagte er vorab dem WDR. Ehrenamtler sollen mehr unterstützt werden.
Eine Nervenprobe gab es für den anderen sehr jungen neuen Bürgermeister: Der 28-jährige Tristan Vitt (SPD) gewann die Stichwahl in Siegen mit zunächst zehn Stimmen Vorsprung gegen die CDU-Kandidatin. Seine erste Reaktion nach dem Wahlsieg: "Ehrlicherweise ziemlich grandios."
Eine Überprüfung ergab dann, dass sein Vorsprung gegen den bis dato amtierenden Bürgermeister Steffen Mues (CDU) nicht zehn Stimmen, sondern nur sieben betrug. Nach einer Sitzung beschloss der Wahlausschuss in Siegen aber, dass es keine Neuauszählung brauche. Konkurrent Mues, der 18 Jahre lang Bürgermeister der größten Stadt Südwestfalens war, machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: "Das war für mich immer ein Traumjob."
Schon zum zweiten Mal als jüngster Oberbürgermeister NRWs tritt der 36-jährige Felix Heinrichs (SPD) in Mönchengladbach die nächste Amtszeit an. Er hatte bereits 2025 - damals erst 31 Jahre alt - die Kommunalwahl in seiner Stadt gewonnen.
Eine Oberbürgermeisterin startet
Westpol. 09.11.2025. 16:16 Min.. UT. DGS. Verfügbar bis 09.11.2030. WDR.
Unsere Quellen:
- WDR-Interviews mit ehemaligen oder antretenden Stadtoberhäuptern und Landräten
- WDR-eigene Wahlberichterstattung am 14. und 28.09.2025
- WDR Kandidatencheck