Familien- und Fluchtministerin Verena Schäffer wird vereidigt | Aktuelle Stunde

00:45 Min. Verfügbar bis 28.01.2028

Verena Schäffer: Wer ist die neue Ministerin?

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Klare Sprache, selten polemisch: Als neue Ministerin genießt Verena Schäffer parteiübergreifend Respekt. Neben Innenpolitik sind Familie und Antidiskriminierung erklärte Herzensthemen der grünen Politikerin.

Von Nina Magoley

Er wünsche ihr "eine glückliche Hand" bei der vor ihr liegenden verantwortungsvollen Aufgabe - das waren die Worte von Landtagspräsident André Kuper am Mittwochmorgen, als er die neue Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration im Saal des Düsseldorfer Landtags vereidigte.

Die Grüne Verena Schäffer hat das Amt quasi über Nacht von ihrer Parteikollegin Josefine Paul geerbt, die wegen nicht enden wollender Kommunikationsfehler am Dienstag zurückgetreten war.

Von Jugend an politisch

Verena Schäffer im NRW-Landtag. Sie steht am Rednerpult und spricht. Hände aufgestützt.

Verena Schäffer im NRW-Landtag

1986 geboren und in Witten aufgewachsen, blickt Schäffer bereits auf eine steile politische Karriere zurück. Politikinteressiert schon als Jugendliche, trat sie mit 18 bei den Grünen ein. Ein Jahr später, 2005, war sie bereits Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend NRW. 2010, mit gerade mal 24, schaffte Schäffer es über ihren Wahlkreis Ennepe-Ruhr-Kreis II als jüngste Abgeordnete in den Landtag Nordrhein-Westfalens. Nebenher legte sie einen Bachelor-Abschluss in Geschichte und Jüdische Studien an der Uni Düsseldorf ab.

Auch im Wittener Stadtrat hat Schäffer mal eine Wahlperiode lang gesessen - kennt also auch das tägliche Brot der Kommunalpolitik. Seit 2020 ist sie Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag und Sprecherin für Innenpolitik und Strategien gegen Rechtsextremismus.

Vereinbarkeit von Kindern und Politik

Daneben gilt die heute 39-Jährige als Kämpferin für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - das hat Schäffer immer wieder betont. Ihre zwei Kinder sahen schon als Babys den Plenarsaal im Düsseldorfer Landtag von innen.

"Ich bin überzeugt davon, dass Eltern mit kleinen Kindern in die Politik gehören, um dort ihre Erfahrungen, Perspektiven und Bedarfe einbringen zu können."  Verena Schäffer, neue Familien- und Fluchtministerin NRW
Verena Schäffer (Grüne), Vorsitzende der Grünen-Fraktion, am Mikrofon

"Klarer Kompass": Schäffer bei ihrer Amtseinführung

Bei ihrer Ernennung am Dienstag sagte sie es noch einmal: "Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen die Interessen von Familien mit Kindern, ihre Sorgen, ihre Nöte, ihre tagtäglichen Herausforderungen." Schäffer ist übrigens auch die Einrichtung eines "Kinderzimmers" im Landtag zu verdanken.

Klare Rede ohne Diffamierungen

Schäffers Kritik in öffentlichen Reden klingt fast immer sachlich und konstruktiv. Ihre Reden und Statements sind von klarer Sprache und können durchaus kämpferisch klingen. Anders, als viele andere Politiker im Landtag verzichtet sie aber auf Polemik oder unsachliche Diffamierungen ihrer Kontrahenten. Sie wirkt offen dafür, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Das verschafft ihr Glaubwürdigkeit - und Respekt über Parteigrenzen hinaus.

Beitrag zum Erfolg der schwarz-grünen Koalition

Verena Schäffer  wird im Landtag von Andre Kuper , und Hendrik Wüst vereidigt.

Verena Schäffer wird im NRW-Landtag vereidigt

Bei ihrer Ernennung am Dienstag fasste Vizeministerpräsidentin Mona Neubaur - ebenfalls Grüne - es dann auch so zusammen: "Politische Erfahrung, Führungsstärke und einen klaren Kompass" zeichneten die neue Ministerin aus. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) lobte: Als Fraktionschefin habe Schäffer "maßgeblich zum Erfolg der Koalition in Nordrhein-Westfalen beigetragen".

Softere Töne bei den Grünen, seit sie mit regieren

Klarer Kompass einerseits - allerdings hat sich auch bei Verena Schäffer die Tonalität erkennbar verändert, seit die Grünen in NRW mitregieren: Noch in der Opposition war es gerade Schäffer, die sich als Innenpolitikerin scharfe Debatten mit Innenminister Herbert Reul (CDU) lieferte - unter anderem zu den umstrittenen Veränderungen im Polizei- und im Verfassungschutzgesetz. Heute, Seite an Seite mit dem Koalitionspartner CDU, klingt auch sie öfter mal auffallend soft bei Themen, zu denen ihre Partei einst klar kritische Positionen vertrat.

In einer Landtagsrede im September vergangenen Jahres zum Entwurf des Landeshaushalts 2026 sagte sie: "Wir sind zwei sehr unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Perspektiven, aber wir finden immer wieder einen gemeinsamen Weg." Später hieß es dann: "In unserem Koalitionsvertrag haben wir festgeschrieben: Unsere Innenpolitik ist faktenbasiert, nicht schlagzeilengetrieben. Das Ziel ist klar – alle Menschen in unserem Land sollen sicher leben können."

"Minderheiten schützen"

Als Ministerin unter anderem zuständig für Flüchtlinge und Integration, hat Schäffer ihre Leitplanken definiert. Auch bei ihrer Ernennung stellte sie klar: Eine Demokratie müsse sich daran messen lassen, "ob sie Minderheiten wirksam vor Ausgrenzung und Diskriminierung schützt". Das sei für sie selbst "und für die schwarz-grüne Koalition ein zentrales Anliegen".

Viel Zeit, sich einzuleben in ihrer neuen Rolle bleibt Verena Schäffer nicht. Am Mittwoch war die Tagesordnung im Plenum lang, und schon kurz nach ihrer Vereidigung stand Schäffer als Ministerin auf der Rednerliste.

Nachfolgerin Paul: Verena Schäffer - Ein Portrait

Aktuelle Stunde 27.01.2026 38:00 Min. UT Verfügbar bis 27.01.2028 WDR Von Bernd Neuhaus

Unsere Quellen:

  • Homepage Verena Schäffer bei den Grünen NRW
  • Vereidigungszeremonie und anschließende Rede im Plenum des Landtags am 28.01.2026
  • Rede von Verena Schäffer im Landtag am 17.09.2025

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 27.01.2026, 18.45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 28.01.2026, 18:45 Uhr

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