Die CDU-Mittelstandsunion sieht Teilzeit "ohne besonderen Begründung" als "zunehmendes Problem, das unsere Volkswirtschaft belastet". Menschen, die weniger arbeiten, sich nicht fortbilden und keine Angehörigen versorgen, fehlten, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit solle deshalb eingeschränkt werden – weniger Arbeit nur noch mit "besonderer Begründung". Der Begriff dafür: "Lifestyle-Teilzeit". Inzwischen offiziell zurückgezogen, inhaltlich aber weiter handlungsleitend.
Warum Ökonomen das für den falschen Weg halten
Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Julia Backmann widerspricht: Der Anteil solcher freiwilligen Teilzeitmodelle sei gering. Die meisten Menschen arbeiteten kürzer, weil Betreuung, Pflege oder Gesundheit es anders nicht zuließen.
Prof. Dr. Julia Backmann lehrt an der Universität Münster
Entscheidend sei außerdem die Produktivität – und die liege in Deutschland pro Stunde auf hohem Niveau. "Die Arbeitszeit jetzt einfach zu erhöhen, heißt ja nicht, dass wir dann pro Stunde auch noch die gleiche Leistung bringen." so Backmann.
NRW-CDU geht auf Distanz
Auch innerhalb der Union gibt es deutliche Kritik. Ina Scharrenbach, Vorsitzende der Frauen Union NRW und Ministerin in der Landesregierung, hält wenig von der Debatte. Die Zahl derjenigen, die in Teilzeit sein müssen, weil sie zu Hause Kinder betreuen und/oder Angehörige pflegen, sei viel größer als die, derjenigen, die freiwillig ihre Stunden reduzierten.
Ina Scharrenbach (CDU), Vorsitzende der Frauen Union NRW
"Es gibt so viele Frauen, die noch nie in ihrem Leben Lifestyle gehabt haben und die sich das vielleicht gerne mal wünschen würden." so Scharrenbach. Eine Debatte über die Nachteile von Teilzeit, etwa die Gefahr von Altersarmut, sei deutlich sinnvoller.
Auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann wies die Forderungen mit der klaren Botschaft zurück, die Deutschen seien nicht faul, und mahnte einigen in seiner Partei im Interview mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" mehr Fingerspitzengefühl an.
Infolge des massiven Drucks auch aus dem NRW-Landesverband ruderte die Mittelstandsunion bereits ein Stück weit zurück: das Wort "Lifestyle" wurde aus dem offiziellen Antragsentwurf gestrichen. Für ein Interview war die Vorsitzende des NRW-Landesverbands der Mittelstandsunion, Angela Erwin, nicht zu erreichen.
Kurs der Mitte in NRW
Dass Hendrik Wüst sich nicht persönlich in die Debatte einmischt, zeigt, wie die Christdemokraten in NRW an diese Art von aufgeheizten Debatten herangehen. Der Ministerpräsident versuchte sich schon in der Vergangenheit als Vermittler zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.
Forderungen in Richtung Berlin formulierte Wüst im vergangenen Jahr etwa mit Unternehmerverband und Gewerkschaften gemeinsam. Dabei ging es um Entlastungen und Bürokratieabbau für Unternehmen, aber eben auch um eine starke Sozialpartnerschaft mit guten Tarifabschlüssen.
Verbote oder bessere Bedingungen?
Für Expertin Backmann ist klar: Mit Druck lasse sich niemand zu mehr Arbeit bewegen. "Ich glaube, mit Verboten und Druck bekommen wir die Leute nicht zu mehr Arbeit, sondern mit besseren Bedingungen", so die Wirtschaftswissenschaftlerin. Dazu brauche es strukturelle Reformen, verlässliche Betreuung, flexible Modelle und ein Steuersystem, in dem sich Mehrarbeit lohnt.
Unsere Quellen:
- CDU-Mittelstandsunion
- Interview mit Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Julia Backmann
- Redaktionsnetzwerk Deutschland
- Interview mit der Vorsitzenden der Frauen Union NRW Ina Scharrenbach
Sendung: WDR 5, Westblick, Ina Scharrenbach zur Teilzeitdebatte, 03.02.2026, 17:05 Uhr

