Ob die Bergische Kaserne in Düsseldorf, die Hardthöhe in Bonn oder die Aachener Lützow-Kaserne. Sie gehören zur Militärgeschichte in Nordrhein-Westfalen und stehen unter Denkmalschutz. Doch im Zuge der "Zeitenwende" will die Landesregierung einige Militäranlagen für den Krisenfall aufrüsten.
Denkmalschützer und Archäologen warnen
Damit das schneller geht, soll der Denkmalschutz für Anlagen des Bundes und des Landes aufgeweicht werden. Doch Denkmalschützer und Archäologen warnen. Sie sehen auch bislang keine Konflikte zwischen Denkmalschutz und Baumaßnahmen. Die geplante Novelle der Landesbauordnung schaffe Ungleichheit und mache den Denkmalschutz zum Papiertiger.
Übergeordnetes Ziel der neuen Landesbauordnung ist es, durch Entbürokratisierung mehr Tempo beim Bauen zu ermöglichen. Wer bauen will, soll es künftig leichter haben, weil viele Vorschriften gestrichen werden sollen. 90 Prozent der DIN-Normen etwa fallen weg. Zum Beispiel gibt es dann keine Vorgabe mehr dafür, wie viele Steckdosen in welchem Raum zu sein haben.
Neue Widerspruchsregel geplant
Bei der Stärkung der Bundeswehr führt laut Landesregierung kein Weg daran vorbei, auch denkmalgeschützte Kasernen zu nutzen. Da ist zum Beispiel die Lützow-Kaserne in Aachen. Dort ist die Technische Schule des Heeres untergebracht. Bislang sind dort rund 650 Soldaten stationiert. Im Zuge der "Zeitenwende", also der massiven Aufrüstung in Deutschland, soll der Standort deutlich vergrößert werden.
Um die Kasernen moderner zu machen, sollen nach dem geplanten Gesetz zum Beispiel keine Baugenehmigungsverfahren mehr für militärische Bauten nötig sein. Und künftig soll gelten: Wenn die Obere Denkmalbehörde nicht innerhalb eines Monats widerspricht, sollen die Arbeiten beginnen können.
"Mit großer Sorge" wendet sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn in ihrer Stellungnahme an den Landtag. Durch private Spenden finanziert, hat die Stiftung Denkmalschutz allein in NRW 896 Denkmale mit über 84,7 Millionen Euro gefördert.
Warnung vor "Schäden an Baudenkmalen"
Mit dem Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung ziehe sich das Land Nordrhein-Westfalen "nach unserer Einschätzung aus einer fachlich fundierten, qualitätvollen Denkmalpflege zurück", erklärt die Stiftung. Sie fürchtet die "konsequente Ausschaltung der qualifizierten Fachbehörden bei Bundes- und Landesliegenschaften". Genehmigungsfristen würden "willkürlich verkürzt". "Mittel- und langfristige Schäden an Baudenkmalen werden billigend in Kauf genommen", heißt es in einer Stellungnahme weiter.
Mit der geplanten Änderung würden Denkmale in Friedenszeiten quasi schon unter Kriegsrecht gestellt, kritisiert Steffen Skudelny von der Stiftung Denkmalschutz. Ähnlich scharfe Kritik kam auch von kommunalen Denkmalbehörden, Landschaftsverbänden und Heimatvereinen.
Auch Archäologen befürchten negative Folgen für Bodendenkmäler - etwa für historische Deiche. Archäologen erforschen gerade beispielsweise auch ehemalige Kriegsgefangenenlager in Mönchengladbach und Weeze. Da gibt es immer noch wichtige Funde, die viel über das Schicksal der Opfer erzählen. Forscher fordern, dass sie da auch weiter eingebunden bleiben.
Änderungen weiter möglich
Nach der Anhörung, bei der es auch um alle anderen Aspekte des Gesetzes ging - also nicht nur den Denkmalschutz - hat das Parlament wie immer die Gelegenheit, die Novelle noch zu ändern.
Laut Landesregierung werden mit dem Gesetz die bundesweiten sogenannten Rahmenrichtlinien Gesamtverteidigung umgesetzt. "Wir halten uns an unsere denkmalrechtlichen Pflichten, verschlanken aber die Genehmigungsverfahren auch hier", betonte NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) Anfang 2026. "Zentrale Vorhaben der Verteidigungs- und Sicherheitsinfrastruktur sollen künftig schneller umgesetzt werden können", so Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU).
Unsere Quellen:
- eigene Recherchen
- Expertenanhörung im Landtag
- Skudelny im WDR-Interview
- Schriftliche Vorab-Stellungnahmen
Sendung: WDR 3, Weniger Denkmalschutz für die Verteidigung?, 14.04.2026, 08:08 Uhr

