Ein Arztkittel und ein Stetoskop hängen an einer Garderobe

Krankenhausreform

Krankenhausreform: Verdi warnt vor wachsendem Personalmangel

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Der Umbau der Krankenhäuser in NRW geht zulasten vieler Mitarbeitenden, aber auch von Patienten. Das zeigt sich nach einem Jahr.

Ines Josten ist seit 39 Jahren Krankenschwester in Bedburg-Hau. Sie arbeitet mit viel Herzblut in der Psychiatrischen Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), engagiert sich auch im Personalrat. Im Zuge der NRW-Krankenhausreform musste der LVR die Neurologie in Bedburg-Hau schließen. Die Abteilung, in der Ines Josten die letzten 25 Jahre im Einsatz war. Künftig müssen neurologische Patienten zur Behandlung nach Kleve in ein katholisches Krankenhaus gehen.

Umbau der Krankenhauslandschaft mit Problemen

Eigentlich wollte der Träger die Abteilung samt Personal einfach nach Kleve übergeben, erzählt Ines Josten. Die Möglichkeit, auf einer anderen Station in Bedburg-Haus eingesetzt zu werden, habe zunächst nicht bestanden, obwohl Pflegepersonal fehlen würde.

Stattdessen sei gedroht worden, entweder in einer weit entfernten LVR-Klinik zu arbeiten oder gekündigt zu werden. Der größte Teil der Belegschaft sei nach Kleve gewechselt. Als aktives Mitglied der Gewerkschaft Verdi hatten Ines Josten und einige andere sich gewehrt.

Personal lässt sich nicht einfach verschieben

Ines Josten, Krankenschwester vor dem LVR-Klinik Bedburg-Hau

Ines Josten, Krankenschwester vor dem LVR-Klinik Bedburg-Hau

"Personal ist keine Verschiebemasse, die man von A nach B verschiebt, sondern die Pflegekräfte sind örtlich gebunden, die haben halt ihre Familie, ihren Freundeskreis", sagt Ines Josten im WDR-Interview, die sich auch im Personalrat engagiert. Der Widerstand hat sich für sie gelohnt: Sie arbeitet jetzt weiter in Bedburg-Hau, kümmert sich um ältere Patienten auf der geriatrischen Station.

Ihr Arbeitgeber, der LVR, verteidigt die strukturellen Veränderungen. Dem LVR sei dabei transparente Kommunikation wichtig gewesen und die Zusage, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde.


"Den personellen Übergang haben wir gemeinsam mit dem neuen Träger so gestaltet, dass für die Mitarbeitenden verlässliche und faire Lösungen gefunden wurden.”
LVR-Klinikverbund

Mehr Berufsaussteiger und Ausbildungsabbrüche befürchtet

Die Gewerkschaft Verdi hält es für einen Konstruktionsfehler in der Krankenhausplanung, dass Tatsachen geschaffen würden, bevor das Neue funktioniert. "Wir haben dann die Auswirkungen zu spüren als Patienten und Beschäftigte", stellt Susanne Hille, zuständige Fachabteilungsleiterin bei Verdi NRW fest. Und sie warnt: "Wenn die Kolleginnen und Kollegen überwiegend Negatives wahrnehmen, ist die Gefahr groß, dass noch mehr sowohl aus der Ausbildung aussteigen als auch aus dem Berufsleben."

Land wollte Krankenhauslandschaft stärken

Krankenhausreform führt zu weniger Geburtsstationen

Doch die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser insgesamt bleibt angespannt. Und wenn diese durch die Krankenhausreform in NRW lukrative Behandlungen nicht mehr mit den Krankenkassen abrechnen können, stellen sie andere kostenintensive Versorgungen ganz ein. "Bevor sie in Insolvenz gehen, müssen sie ganz schnell eine Entscheidung treffen", beobachtet Verdi-Frau Susanne Hille.

Das betrifft zunehmend die Geburtshilfe. Offen zugeben wollen das viele Krankenhausträger aber nicht. Auch Gesundheitsminister Laumann beobachtet den Trend, das kleinere Geburtshilfen aufgegeben, aber das sei nicht aufzuhalten - auch wenn es ihm um jede Geburtenstation leid tue, die geschlossen wird.

NRW-Krankenhausreform: Verdi warnt vor wachsendem Personalmangel

WDR Studios NRW 17.04.2026 00:45 Min. Verfügbar bis 16.04.2028 WDR Online

Kreißsaal in Kempen schließt

Ein Kreissaal Hospital zum Heiligen Geist Kempen

Das Hospital zum Heiligen Geist in Kempen macht zum 30. Juni die Entbindungsstation dicht. Werdende Mütter sollen dann nach Viersen zur Geburt fahren. Dort gibt es auch eine Kinderklinik. Vor dem Hintergrund rückläufiger Geburtenzahlen mache die Bündelung der Kompetenzen am Standort Viersen Sinn, erklärt Maria Henk, Geschäftsführerin der Kempener Klinik im WDR-Interview. Medizinische Qualität und Versorgungssicherheit für Mutter und Kind würden absolut im Vordergrund stehen.

Fördergelder retten Geburtshilfe nicht

Die Klinik gehört zur Artemed-Gruppe, die im Sommer auch die Geburtshilfe in Düren schließen wird. Beide Kliniken haben durch die Krankenhausreform zum Beispiel Hüft- und Knie-Operationen verloren. Das sei schmerzlich, so Artemed-Geschäftsführer Andreas Grbic. Jetzt müsse man überlegen, wie man diese Leistungen kompensieren könne.

Dass die Schließung der Geburtshilfe auch eine Folge sei, bestreitet er im WDR-Interview nicht. Perspektivisch bräuchte Deutschland mehr Geriatrie als Geburtshilfen, so Grbic. Dabei hat der Träger gerade Fördergelder von der Landesregierung für beide Geburtshilfen bekommen. Aber auch eine Verdreifachung der Mittel hätte an der Entscheidung nichts geändert, so der Geschäftsführer.

Hebammen überlegen aus der Geburtshilfe auszusteigen

Das Pflegepersonal der Geburtshilfe soll nach Angaben der Geschäftsführung auf andere Stationen in der Klinik wechseln. Teile der Ärzteschaft auch oder nach Viersen gehen. Für die Hebammen sieht es anders aus. Sie sind nicht angestellt, sondern arbeiten frei als Kooperationspartner wie Claudia Brieske.

Für sie kommt die Schließung überraschend und sei für sie und ihre Familie eine Katastrophe. Nach Viersen zu pendeln sei für die Duisburgerin zu weit. Und da immer mehr Geburtshilfen schließen, fürchtet Brieske in der Nähe nichts zu finden. Einige Kolleginnen würden bereits überlegen, ganz aus der Geburtshilfe auszusteigen. "In meinen Augen darf es nicht sein, dass Kreißsäle weiterhin wie Wirtschaftsunternehmen einfach geschlossen werden", findet Brieske.

Auch in Herne, Heinsberg und Bad Oeynhausen stehen nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums die Geburtshilfen aktuell zur Disposition. Nur in Regionen, wo die Versorgung gefährdet wäre, will Gesundheitsminister Laumann "auf Biegen und Brechen" für die Erhaltung kämpfen: etwa in Bad Berleburg oder der Eifel.

Unsere Quellen:

  • Gesundheitsministerium NRW
  • Interview mit dem NRW-Gesundheitsminister Laumann
  • LVR-Klinikverbund
  • Verdi NRW
  • Geschäftsführung Artemed Kliniken Kempen und Düren
  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Eigene Recherchen

Sendung: WDR.de, NRW-Krankenhausreform: Verdi warnt vor wachsendem Personalmangel, 17.04.2026, 12:55 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 19.04.2026, 19.30 Uhr

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