Anpacken und kreativ sein: Wie Kommunen erfolgreich werden können
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Das "Kommunalranking NRW 2025" des Arbeitgeberverbands zeigt, welche Orte sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich entwickelt haben - und warum. Die Botschaft: Kommunen haben ihr eigenes Wohlergehen oft selber in der Hand.
Städte oder Gemeinden, denen es wirtschaftlich nicht gut geht, beklagen oft mangelnde Unterstützung zum Beispiel durch das Land. In einer Studie hat der Verband Unternehmer NRW analysiert, wo die Stärken und die Schwächen jeder einzelnen Kommune in NRW liegen. Und wie sie sich in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben.
Die Kernbotschaft des "Kommunalrankings NRW 2025", die Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft am Montag bei der Vorstellung mitbrachte: "Ob sie als Standort für Unternehmen attraktiv sind, können Kommunen im hohen Maße selbst entscheiden."
Bund und Land auch in der Pflicht, aber ...
Zwar sei unstrittig, dass Gemeinden angesichts einer mancherorts desolaten Finanzlage von Bund und Land "nicht allein gelassen werden dürften". Dennoch zeige die Untersuchung: Ob es gelinge, "die eigene Kommune wirtschaftlich voranzubringen, hängt entscheidend davon ab, was vor Ort geschieht".
Jede Kommune in NRW hat die Möglichkeit, mit einer gezielten Politik erfolgreich zu sein. Schlussfolgerung der Studie "Kommunalranking 2025"
Bardt nannte einige Faktoren, die aus Sicht der Studienmacher dazu beitragen: Zum einen seien die Kommunen erster Ansprechpartner für Unternehmen und fungierten "bestenfalls als Kümmerer". Die kommunalen Verwaltungen seien es auch, die über die Vergabe von Flächen oder den Ablauf von Genehmigungsverfahren entschieden.
Entscheidend: Gutes Kita-Angebot
Unternehmer NRW: Präsident Arndt Kirchhoff
Unternehmer-Präsident Arndt Kirchhoff fügte einen weiteren wichtigen Aspekt hinzu, der ebenfalls in der Hand der Kommunen liege: Für die Anwerbung von Fachkräften, die wiederum für eine florierende Wirtschaft nötig sind, sei es wichtig, als Wohnort attraktiv zu werden. Dazu gehöre ganz besonders auch ein gutes Kita-Angebot.
Er wisse um die Misere fehlender Kitaplätze, sagte Kirchhoff. Aber auch hier könne sich eine Kommune mit Pragmatismus und Kreativität selber helfen, ist der Unternehmer-Präsident überzeugt: Unternehmen könnten beispielsweise eigene Kitas organisieren, die auch flexible Betreuungszeiten anbieten. "Sowas kann man nur vor Ort gestalten", sagte Kirchhoff.
Die 396 NRW-Kommunen wurden anhand von vier Themenbereichen bewertet:
- Wirtschaft: Höhe der Gewerbesteuer, Breitbandversorgung, Patentanmeldungen
- Arbeiten: Zahl der Arbeitsplätze, Beschäftigungsrate von Frauen und Menschen Ü55
- Wohnen: Baugenehmigungen, Wohnungsneubau, Internetanbindung
- Lebensqualität: Kaufkraft, Durchschnittsalter, Erreichbarkeit der nächsten Autobahn, naturnahe Flächen, Arztpraxen-Dichte
Die Studie zeigt nicht nur das aktuelle "Niveau" einzelner NRW-Kommunen im bundesweiten Vergleich. Besonders interessant ist das Ranking nach "Dynamik": Wie und wodurch hat sich eine Kommune seit der letzten Studie 2020 in punkto Wirtschaftsfreundlichkeit verändert - positiv oder negativ.
Die Region Westfalen zeichnet sich demnach besonders durch ihre Industriestärke aus. Die Rheinschiene in NRW sei bekannt für ihre Forschungsstärke, aber auch für ihre guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Viele Kommunen seien hier durch niedrige Gewerbesteuer und gute Finanzkraft besonders wettbewerbsfähig. Zu diesen Städten gehören Leverkusen, Monheim und Ratingen.
Das Ruhrgebiet befindet sich aus Sicht der Wirtschaftsverbände in einem anhaltenden Transformationsprozess, gleichzeitig zeigten die Kommunen hier sehr unterschiedlich starke Entwicklungen. Während Bochum, Essen und Recklinghausen zur Gruppe mit einer stärkeren Dynamik zählen, konnten andere Kommunen aus dem Ruhrgebiet keine vergleichbare Entwicklung umsetzen.
Dynamische Verbesserung trotz Problemen
Dabei zeige sich, dass auch Kommunen, denen es mal schlecht ging, und die nach wie vor nicht auf der Sonnenseite stehen, sich entwickelt hätten. Die meisten "starken" Kommunen finden sich mittlerweile im Münsterland. Mit Schöppingen, Heiden und Heek nennt die Studie drei Beispiele.
Schöppingen: Beschaulich und dynamisch
Schöppingen verzeichnet NRW-weit die beste Entwicklung bei Frauenbeschäftigung und Kaufkraft, unter anderem durch die Großschlachterei Tummel. Auch habe die Kommune aktiv in Kinderbetreuung investiert, indem sie dafür Landesmittel beantragte. Heiden punktete im Bereich Wohnen: Mit schnellen Baugenehmigungen und relativ vielen Neubauten.
Allerdings hat keine dieser drei Top-Gemeinden mehr als 10.000 Einwohner. Sie stehen damit vor unvergleichlich geringeren Herausforderungen als viele große NRW-Städte. Das lässt die Vergleichsstudie außer acht.
Niederzier schreitet voran, Nachbarort Inden stagniert
Auch die Gemeinde Niederzier im Rheinischen Revier bekam hohe Werte für "Dynamik" - vor allem durch die Rekultivierung ehemaliger Tagebauflächen. Die Nachbargemeinde Inden dagegen landete deutlich weiter hinten im Ranking. Das zeige die "kommunal differenzierten Standortqualitäten", so der Bericht: Wo Engagement, da Entwicklung.
Im Ruhrgebiet beobachtet die Studie besonders bei den Städten Bochum, Hamm und Recklinghausen eine positve Entwicklung. Aber auch in Südwestfalen und entlang der Rheinschiene schneiden viele Städte und Gemeinden gut ab - mit ganz unterschiedlichen Stärken.
So ist die Lebensqualität im Großraum Köln sehr hoch, diese Dynamik strahle aus ins Umland. Aber auch im Ruhrgebiet attestiert die Studie aufgrund vieler naturnaher Flächen eine hohe Lebensqualität.
Hier könnt Ihr die Ergebnisse für alle Kommunen im Einzelnen nachlesen:
Aus der Analyse ergäben sich mehrere To-dos für Kommunen, sagte Unternehmer-Präsident Kirchhoff:
- Die Gewerbesteuer "wettbewerbsfähig" machen. Dort, wo die Hebesätze für diese Steuer gesenkt wurden, habe sich eine positive Entwicklung beobachten lassen. Zwar nähmen die Kommunen dann weniger Gewerbesteuern ein, würden aber insgesamt von besser florierenden Unternehmen profiteren.
- Genehmigungsprozesse vereinfachen und beschleunigen. Auch hier hätten die Kommunen selber noch Handlungsspielräume, dennoch stünde im Denken häufig "Rechtssicherheit vor allem".
- Mehr als Dienstleister und Partner der ansässigen Unternehmen wahrgenommen werden anstatt als misstrauische Prüfer.
- Mehr eigenen Pragmatismus entwickeln bei der Lösung von Engpässen etwa im Verkehr, bei der digitalen Infrastruktur, bei bezahlbarer Energieversorgung oder der Flächenvergabe. Dazu gehöre auch eine kundenfreundliche Taktung des ÖPNV oder die tatkräftige Sanierung von Brücken und Tunneln.
- Kreativ Kitaplätze schaffen. Wer hier Engpässe beseitige, habe "gute Karten bei Unternehmen".
- Jobcenter sollten bei der Vermittlung in Arbeit "näher dran bleiben an den Menschen".
- Die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte auch aus dem Ausland unterstützen, "eine echte Willkommenskultur" in der Kommune schaffen.
- "Mehr schauen, was vor Ort wirklich getan werden muss, weniger Verwaltung vom Schreibtisch aus."
Dauerthema Altschulden
An das Land NRW appellierte Kirchhoff allerdings auch, eine Altschuldenlösung endlich anzugehen. Hohe Schulden lähmen viele Kommunen in NRW seit Jahren. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte zuletzt gesagt, das Land sei bereit, einen Teil davon zu übernehmen, er warte nun auf die Beteiligung des Bundes.
Quellen:
- Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie am 16.06.25
- Studie "Kommunalranking NRW 2025"