Auf den ersten Blick ist die Revolution der Radikalen gescheitert. Das ist für die AfD fast schon eine ungewöhnliche Nachricht. Immer dann, wenn in der Partei ein Vorstand gestürzt werden soll, gab es eine Faustregel: Es wird radikaler!
So war es (fast) auch dieses Mal. Seit 2022 ist Martin Vincentz Landeschef der Partei - er gibt den brav-biederen Allgemeinmediziner vom Niederrhein. Damit hält er zumindest den gesamten Landesverband vom Verfassungsschutz fern. Er hat jedoch einige Wegbegleiter enttäuscht.
Da ist zum Beispiel die Affäre um vermeintlich gefälschte Zeugnisse seines Vertrauten Landtagskollegen Klaus Esser. Diesen habe er geschont, sagen nicht wenige in der Partei.
Zwei Lager - zwei ungewöhnliche Bündnisse
Und genau diese Enttäuschten verbündeten sich zuletzt mit Matthias Helferich. Dem rechtsextremen Bundestagsabgeordneten aus Dortmund, den Vincentz aus der Partei werfen ließ; zumindest vorläufig. Helferichs Interesse war seitdem immer, Vincentz aus dem Amt zu drängen, um wieder in die Partei zu kommen.
So bildeten sich zwei Lager, die auch intern unterschiedlicher nicht sein konnten. Vincentz setzte zusätzlich zu seinen Vertrauten auch auf eher ultrarechte Unterstützer, denen das Auftreten Helferichs jedoch zu schmuddelig ist.
Die andere Seite nutzte die Lage aus und unterstützte eine radikale Aufstellung der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland. Mit dem Ergebnis, dass die für den NRW-Verfassungsschutz direkt zum Verdachtsfall wurde.
Es musste also auf dem Parteitag knallen. Und das tat es auch. Über Stunden schrie man sich zeitweise bei einer Aussprache an. Es ging kaum um Inhalte, sondern um Indiskretionen, persönliche Enttäuschung und teilweise schimmerte sogar gegenseitiger Hass durch.
Kein Vertrauensbeweis für Vincentz
Dass Vincentz dann überhaupt noch wiedergewählt wurde - das ist dann schon beachtlich. Doch zur Wahrheit gehört auch: Rund 55 Prozent gegen einen blassen Gegenkandidaten wie Fabian Jacobi? Das ist kein Vertrauensbeweis.
Am Ende musste Vincentz seinen Gegnern sogar noch einige Posten im Vorstand einräumen. Jede Seite hat somit jetzt Leute in dem Gremium. Einfach dürfte dessen Arbeit dadurch nicht werden. Und in rund einem Jahr ist in Nordrhein-Westfalen Landtagswahl. Einen auf Anhieb kampagnenfähigen Vorstand hat die Partei nicht gewählt.
So gibt es eigentlich nur Verlierer. Matthias Helferich bleibt aus der Partei vorerst ausgeschlossen. Seine Leute mussten sich auf Absprachen mit Vincentz einlassen. Der wiederum auch irgendwie Verlierer ist: Im schlimmsten Fall ist auch er nur noch Fassade für einen scheinbar gemäßigten AfD-Kurs.
Unsere Quellen:
- Eigene Recherche
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR 5, Morgenecho, Kommentar zum AfD-Landesparteitag, 08.03.2026, 06:05 Uhr
