Als ich am Dienstag mit Freunden im Auto saß, hatten wir viel Zeit zu reden. So ungefähr anderthalb Stunden. Was haben wir gemacht? Wir sind vom WDR-Funkhaus Düsseldorf nach Mönchengladbach gefahren. Zum Pokalspiel der dortigen Borussia gegen St. Pauli. Das war blöderweise auf 18.00 Uhr angesetzt.
Nun muss man wissen: Die Autobahn in das 30 Kilometer entfernte Stadion liegt direkt vor der Tür. Feierabendverkehr, ein kleiner Unfall auf der Strecke und ein Mangel an verlässlichem ÖPNV lassen die Anfahrt als Tortur erscheinen.
Noch bestehen logistische und politische Probleme
Was hat das mit der NRW-Bewerbung für Olympia zu tun? Eine Menge. Auch wenn nämlich der richtige Schritt erfolgt ist und mit Köln ein Zugpferd benannt wurde: Ohne die ganze Region zwischen Köln und Dortmund geht es nicht. Es bleibt eine Rhein-Ruhr-Bewerbung, selbst unter dem Label "Köln".
Und diese Idee stellt das Land vor große logistische und politische Probleme. Fangen wir mit dem Einfachsten an. Wenn 95 Prozent der Sportler und Sportlerinnen in Köln untergebracht sind, dann steht zwischen ihnen eine Menge Verkehr. Der Anspruch, dass die Sportler und Sportlerinnen vom Olympischen Dorf aus in einer Stunde am Wettkampfort sein sollen: Wie soll das gelingen? Mit der heutigen Infrastruktur sicher nicht.
München macht es (aktuell) besser
Und so weit ist Olympia zeitlich nicht weg. Man stelle sich vor, NRW bekäme den Zuschlag für 2036? Zehn Jahre sind für eine echte Verkehrswende zu wenig. Und mindestens die braucht es für Olympia. Nur sieht man von dieser "Verkehrswende" in der aktuellen Bewerbung wenig.
Und dann ist da noch eine Sache: Olympia geht nur gemeinsam. Die übliche Kleinstaaterei, die NRW auch ausmacht, muss aufhören. Warum läuft denn die Bewerbung von München so viel besser? Weil sie eben keine One-Man-Show des Markus Söder ist. Genau hier setzt der selten eitle CSU-Ministerpräsident auf Team-Play: Die SPD-geführte Stadt zieht mit der CSU-Staatskanzlei und den Grünen an einem Strang.
Es braucht deutlich mehr Geld
Davon ist Nordrhein-Westfalen weit entfernt. Bei der Einreichung der Bewerbung standen neben Hendrik Wüst fast ausschließlich CDU-Leute auf der Bühne. Bei der Änderung des Konzepts hin zu Köln waren im Vorfeld nicht alle SPD-Stadtoberhäupter eingeweiht. Aus Duisburg kam zum Beispiel laute Kritik an der Kommunikation des Ministerpräsidenten. Auch zurecht: Man muss diverse Städte einbinden und bei der Stange halten. Selektive Kommunikation durch die Regierungszentrale hilft da nicht unbedingt.
Zudem sollte jetzt auch der Investitions-Turbo gezündet werden. Bisher sind tatsächlich nur 50.000 Euro in die Bewerbung geflossen. Wer mit einem solch diffizilen aber durchaus spannenden Konzept wie Köln/Rhein-Ruhr antreten will, der muss mehr Gas geben als die Wettbewerber. Nicht "Wir in NRW" müssen das Konzept verstehen, sondern die Mitglieder des IOC in aller Welt. Und das kostet ne Menge Geld - nicht nur fürs einfache Marketing.
Sendung: WDR Hörfunk, WDR 5 Westblick, Der lange Weg zu Olympia, 03.12.2025, 17:05 Uhr
