Die Debatte um den Auftritt von Basma al-Sharif hat sich längst verlagert. Weg von der Frage, ob man eine Künstlerin, die sich in Social Media-Postings antisemitisch positioniert, einladen darf. Weg von der Frage, ob ihr Auftritt durch die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit gedeckt ist oder ob al-Sharifs Antisemitismus die Menschenwürde in Frage stellt. Längst muss die Frage lauten: War sich die Kunstakademie der Tragweite der Veranstaltung bewusst? Die Antwort muss lauten: Nein, nicht im Entferntesten, davon zeugen viele, viele Fehlentscheidungen.
War es richtig, die Öffentlichkeit an dem Abend auszuschließen? Nein! War es richtig, dass Fioretti den Dialog mit dem Demonstrierenden gescheut hatte? Nein. War die Kommunikationsstrategie der Kunstakademie und ihrer Rektorin richtig, weitgehend abzutauchen?
Nein. All das hat schließlich einen Dialog mit der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf und eine De-Eskalation verunmöglicht. Es lässt eine fehlende Sensibilität für das Thema Antisemitismus vermuten.
Viel Kritik, wenig Reue
In der Sondersitzung im Kulturausschuss im Landtag hatte Donatella Fioretti einen schweren Stand. Unisono wurde sie kritisiert: von den Vertretern der Landtagsfraktionen CDU, SPD, Grüne und FDP besonders, etwas leiser auch von der AfD.
Kritik kam auch von der Antisemitismusbeauftragten des Landes, Sylvia Löhrmann, und von der Jüdischen Gemeinde sowieso. Wie vor einem Tribunal sollte sich Fioretti rechtfertigen. Ob eine verfahrene Debatte so wieder in Gang kommt, ist zweifelhaft.
Zwar gestand Fioretti persönliche Fehler ein. Sie hätte in Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde treten sollen. Ihr Verhalten habe zu einem Missverständnis beigetragen, wofür sie sich entschuldige. Was genau gemeint war, blieb unklar. Eine aufrichtige Bitte um Entschuldigung sieht anders aus.
Fioretti argumentiert widersprüchlich
Insgesamt war Donatella Fiorettis Auftritt schwach. Sie argumentierte, dass Hochschulen Diskursräume seien. Studierende hätten das Recht, mit unterschiedlichen Positionen konfrontiert zu werden. Ihre Aufgabe sei es, einen Austausch zu ermöglichen und zu schützen. Dennoch bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Fioretti distanzierte sich erst auf Nachfrage von den Positionen al-Sharifs.
Sie nutzte den Kulturausschuss nicht, um sich mit Nachdruck gegen die antisemitischen Thesen auszusprechen und jedweden Interpretationsspielraum zu beseitigen. Eine früh erfolgte und klare Positionierung hätte vielleicht eine Annäherung erleichtert.
Stattdessen argumentierte die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie im Kulturausschuss widersprüchlich. Zum Beispiel führte sie an, es habe im Vorfeld Drohungen gegeben, weswegen die Veranstaltung nicht öffentlich durchgeführt wurde. Auf der anderen Seite sagte sie aber auch, dass nur sachliche Gründe wie eine Gefährdungslage eine Absage gerechtfertigt hätten. Hier waren wohl "Schrödingers Sicherheitsbedenken" handlungsleitend.
Auch schilderte den Mitgliedern im Kulturausschuss auch, dass die Kunstakademie überfordert gewesen sei. Man habe viele Entscheidungen unter Zeitdruck treffen müssen. Auch das ist nur schwer nachvollziehbar, denn die Debatte spann sich über Wochen.
Sie gestand ein, dass das Kommunikationsteam der Kunstakademie dem Ansturm "nicht gewachsen" gewesen sei. Ein schwaches Argument, hätte doch Fioretti selbst als Wegweiserin durch diesen Sturm fungieren müssen.
Wird Donatella Fioretti deswegen zurücktreten? Wohl kaum. Die Verantwortung für schlechte Führung zu übernehmen, ist aus der Mode gekommen. Auch ihr Auftritt im Kulturausschuss lässt vermuten, dass die Kunstakademie die Reihen schließen und den Sturm aussitzen wird. Dabei kann sie sich auf die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit berufen und die umfasst offensichtlich auch die Freiheit, an Hochschulen schlechte Entscheidungen zu treffen.
Unsere Quellen:
- Sondersitzung Kulturausschuss im Landtag
- Reporterin vor Ort
Sendung: wdr.de, Kommentar: Die Düsseldorfer Kunstakademie hat sich verhoben, 18.03.2026, 18 Uhr
