Kulturministerin Brandes kritisiert Rektorin der Kunstakademie
WDR. 02:39 Min.. Verfügbar bis 18.03.2028.
Am Mittwoch ist der Kulturausschuss des Landtages zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Der einzige Tagesordnungspunkt lautete "Antisemitismus in der Kultur?! Vorwürfe im Zusammenhang einer Veranstaltung an der Kunstakademie Düsseldorf mit einer Künstlerin am 21. Januar 2026". Die Rektorin Donatella Fioretti sollte Rede und Antwort stehen wegen einer Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif.
Das Event hatte im Vorfeld in der Landeshauptstadt, in der Kulturszene und bei jüdischen Organisationen viel Kritik ausgelöst. Wegen antisemitischer Positionen al-Sharifs hatte zum Beispiel die Jüdische Gemeinde Düsseldorf eine Absage gefordert. Auch Kulturministerin Ina Brandes (CDU) hatte damals angeregt, die Akademie solle die Veranstaltung "überdenken". Dennoch fand das Event statt.
Neben Fioretti waren auch die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sylvia Löhrmann (Grüne) sowie Alon Dorn von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf zur Sondersitzung eingeladen worden.
Die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur Sylvia Löhrmann
Fioretti berief sich immer wieder auf die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit sowie die Meinungsfreiheit. Eine Ausladung al-Sharifs hätte die Rechte der Studierenden verletzt. Ihre Aufgabe als Rektorin der Kunstakademie sei es, einen Austausch zu ermöglichen.
Sie schilderte aber auch, dass die Kunstakademie überfordert gewesen sei. Man habe zum ersten Mal mit so einer Situation zu tun gehabt und habe viele Entscheidungen unter Zeitdruck treffen müssen. Der Aufgabe sei das Kommunikationsteam "nicht gewachsen" gewesen.
Rektorin Donatella Fioretti gestand Fehler ein
Auch persönliche Fehler gestand Fioretti ein. Sie hätte in Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde treten sollen, gab sie zu. Ihr Verhalten habe zu einem Missverständnis beigetragen, wofür sie sich entschuldige.
Donatella Fioretti bei der Sondersitzung des Kulturausschusses
Von den Mitgliedern im Kulturausschuss musste sich Fioretti harte Kritik gefallen lassen. Man achte die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit, wurde immer wieder betont. In vielen Statements wurde aber auch ein Zusammenhang zur Menschenwürde hergestellt. Freiheit kenne Grenzen, wenn Menschenwürde verletzt werde, stellte Heike Wermer (CDU) fest, es gehe auch um die "Haltungsfrage dahinter".
NRW-Kulturministerin Ina Brandes mit harter Kritik
"Ich weiß, dass Sie keine Antisemitin sind", betonte Kulturministerin Brandes in ihrem Statement. Aber sie könne Fiorettis Verhalten nicht verstehen. Sie sei ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden und ihre Haltung sei "keine verantwortungsbewusste Berufung auf die Freiheit", so Brandes.
Alon Dorn von der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf fand, dass der Vorgang nicht so dargestellt werden dürfe, als handele es sich um Missverständnis. Die Kunstakademie habe durch die Einladung von al-Sharif massiv an Vertrauen verloren. Schon Wochen zuvor sei die Akademie auf die antisemitische Haltung der Künstlerin hingewiesen worden. Al-Sharif gehe es nicht um Kritik an der israelischen Regierung, sondern um die "Delegitimierung eines Staates" und um die "Legitimierung von Gewalt an Juden". Auf der anderen Seite sei die Kritik nicht gegen al-Sharifs künstlerische Arbeit, sondern gegen ihre öffentlichen Äußerungen gerichtet gewesen.
Nicht "als Gegner" der Jüdischen Gemeinde dastehen
Die Mitglieder des Kulturausschusses kritisierten auch die fehlende Kommunikation von Donnatella Fioretti. Auf Nachfrage distanzierte sie sich von der Künstlerin, sie "teile nicht die Aussage von Basma al-Sharif". Aber die Kunstakademie müsse ein Raum bleiben, in dem Dialog stattfinden könne, betonte Fioretti immer wieder.
Dass die Distanzierung von al-Sharif erst spät und auf Nachfrage erfolgte, wurde vielfach kritisiert. So merkte Yvonne Gebauer (FDP) an, dass Fioretti ihre Leitungsfunktion nicht ausreichend wahrgenommen habe: "Eine Leitung bedingt Führung und Haltung", so Gebauer.
Die Sondersitzung war ein Versuch, einen Dialog zwischen der Kunstakademie und ihren Kritikern in Gang zu bringen. So beteuerte Fioretti, dass es weiterhin eine Bereitschaft zu einem Dialog gebe. Ein "wünschenswertes Ergebnis" wäre es, zusammenkommen zu können. Die Kunstakademie wolle nicht als Gegner der Jüdischen Gemeinde dastehen. Dennoch war von einer Annäherung der Positionen nichts zu merken.
Kunstakademie plant Veranstaltungsreihe
Kunstakademie Düsseldorf
Fioretti kündigte außerdem an, dass sich die Akademie in einer Vortragsreihe mit dem Vorgang auseinandersetzen werde. Der Arbeitstitel lautet "Einladen oder Ausladen - Grenzen von Meinungs-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit?".
Die Sondersitzung endete mit einem scharfen Statement von Kulturministerin Brandes. Sie verstehe nicht, wie man so "unfähig" auf die Forderungen zum Beispiel der jüdischen Gemeinde eingehen könne, warf Brandes Fioretti vor, um sich im Anschluss für ihre Emotionalität zu entschuldigen. Brandes beendete die Sitzung mit den Worten: "Es war wichtig, das Gespräch zu führen, auch wenn ich es frustrierter verlasse, als in hineingegangen bin".
Unsere Quellen:
- Sondersitzung Ausschuss für Kultur und Medien
- Statement von Donatella Fioretti
- Gespräch Ina Brandes
- Gespräch Alon Dorn
Sendung: WDR.de, Nach der Kulturausschuss-Sondersitzung zur Kunstakademie, 18.03.2026, 13:30 Uhr
