Kibiz im Landtag: Was sich für Familien ändern könnte
Aktuelle Stunde . 30.01.2026. 20:54 Min.. UT. Verfügbar bis 30.01.2028. WDR. Von Cedrik Pelka.
Begleitet von scharfer Kritik aus der Opposition hat die NRW-Landesregierung am Freitag einen Gesetzentwurf zur Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in den Landtag eingebracht. Unter anderem sieht das Gesetz eine Erhöhung der Finanzmittel für den Kita-Bereich vor. Darunter finden sich auch 50 Millionen Euro für eine "Personaloffensive", mit der die Situation vieler chronisch unterbesetzten Einrichtungen verbessert werden soll.
Streit um Personalschlüssel
Während die zusätzlichen Geldmittel grundsätzlich begrüßt werden, hat sich um einen anderen Punkt Streit entzündet: Es geht um die Einführung von sogenannten Kern- und Randzeiten in Kitas, in denen jeweils unterschiedliche Anforderungen an das die Kinder betreuende Personal gelten. Die Kitas sollen künftig in Eigenverantwortung den Betreuungsschlüssel und die benötigte Qualifikation des eingesetzten Personals etwa in Bring- und Abholzeiten festlegen. Erzieher und Erzieherinnen müssten also nicht ständig vor Ort sein, sondern nur noch mindestens fünf Stunden am Tag.
Für eine Familie, die 45 Wochenstunden in einer Kita gebucht habe, bedeute dieses Modell, dass ihr Kind "20 Stunden nur betreut" statt qualifiziert gebildet und erzogen wird, kritisiert zum Beispiel Stephan Jentgens vom Landesvorstand der Freien Wohlfahrtspflege. Die Unterteilung in Kern- und Randzeiten sei "praxisfern" und bedeute eine "starke Qualitätsabsenkung".
Ministerin Schäffer: "Selbstverständlich nur qualifiziertes Personal"
Verena Schäffer
Die neue Ministerin für Kinder, Jugend und Familie, Verena Schäffer (Grüne), bemühte sich am Freitag im Landtag, die Wogen zu glätten. Die neue Zeitenregelung sei optional, sagte sie, und "eine Möglichkeit für Träger, um für Verlässlichkeit zu sorgen" und Betreuungslücken zu schließen. Grundsätzlich solle aber auch in den Randzeiten "selbstverständlich nur qualifiziertes Personal" zum Einsatz kommen. Das müsse in der künftigen Personalverordnung "noch ausgestaltet" werden, so Schäffer.
In den Randzeiten zum Beginn und zum Ende des Kita-Tages müssten also in Zukunft nicht unbedingt Erzieher und Erzieherinnen vor Ort sein. Eine Qualifikation zum Kinderpfleger oder zur Kinderpflegerin würde zum Beispiel ausreichen, um den Anforderungen des Betreuungsschlüssels zu genügen. Erzieher sind dabei pädagogische Fachkräfte mit einer meist vier- bis fünfjährigen Ausbildung, die zum Beispiel Bildungspläne erstellen. Kinderpfleger sind hingegen pädagogische Ergänzungskräfte mit einer zweijährigen Ausbildung. Sie gestalten den Kita-Alltag mit, leiten aber zum Beispiel keine Kita-Gruppen eigenverantwortlich.
Bei der Elternvertretung der Kindertageseinrichtungen, dem Landeselternbeitrat (LEB), in NRW möchte man noch kein abschließendes Urteil über diesen Teil der geplanten Reform fällen. "Wir sind nicht komplett dafür oder komplett dagegen", sagte Sprecherin Simone Weber dem WDR am Freitag. Grundsätzlich gebe es keine großen Bedenken, wenn das pädagogische Programm während der Bring- und Abholzeiten nur in reduzierter Form stattfinden könne, so Weber. Allerdings sei eine "Kernzeit" von nur fünf Stunden am Tag zu knapp bemessen. Der LEB fordert, dass Erzieher mindestens sieben Stunden vor Ort sind, um den Bildungsschwerpunkt der Einrichtung zu stärken.
Viele Kitas chronisch unterbesetzt
Hintergrund der Reform sind auch drängende Personalprobleme: Zum 1. März 2025 arbeiteten rund 175.000 Personen in den NRW-Kitas. Darunter waren 144.600 pädagogische Fachkräfte wie Erzieherinnen (95.000) und Kinderpflegerinnen (14.000). Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung verfügen in NRW nur ein Viertel der Kitas (25,3 Prozent) über eine recht gute Personaldecke. Die Mehrheit von gut 55 Prozent der Einrichtungen kann nur 60 bis knapp 80 Prozent des Personals vorweisen, das nach fachlichen Empfehlung eigentlich notwendig wäre. Mehr als 13 Prozent der Kitas arbeiten mit einer schwachen Personaldecke. Dort arbeiten also 60 Prozent und weniger Menschen, als nach wissenschaftlichen Standards erforderlich sind.
Unsere Quellen:
- Deutsche Presse Agentur
- Ministerium für Jugend, Kinder und Familie
- Elternvertretung der Kindertageseinrichtungen
- WDR-Gespräch mit Simone Weber, LEB
- Freie Wohlfahrtspflege NRW
Sendung: WDR 5, Westblick, 30.01.2026, 17:05 Uhr
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