Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnere "an den dunklen Abgrund, in den Menschenhass und ideologische Verblendung geführt haben", betonte Landtagspräsident André Kuper (CDU). Er innere an den Zivilisationsbruch der Schoa und die Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden.
Landtagspräsident André Kuper
Zugleich sei es das Gedenken aller Opfer des Nationalsozialismus - auch jener Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Dieser Tag mahne, dem erstarkenden Antisemitismus und jeder Form von Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten. Kuper appellierte:
Erheben wir unsere Stimmen immer dann, wenn wir von Unrecht und Diskriminierung erfahren! Stellen wir uns offen und sichtbar an die Seite von Betroffenen! Schweigen wir nicht, und nehmen wir es niemals hin, wenn unseren Mitmenschen Hass und Hetze dieser Zeit entgegenschlagen! Landtagspräsident André Kuper
Einer, der das dokumentiert hat, ist der Dokumentarfilmer Klaus Stanjek. Eindrücklich erinnerte er an das Schicksal seines Onkels Wilhelm Heckmann, der als Homosexueller von den Nazis verfolgt wurde und insgesamt acht Jahre in nationalsozialistischen Konzentrationslagern inhaftiert war. Stanjek veröffentlichte seine Recherchen 2013 in dem Dokumentarfilm „Klänge des Verschweigens“.
Erinnerungskultur braucht Handeln
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte, das Gedenken an die Opfer verpflichte. "Nordrhein-Westfalen ist Heimat der größten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland", sagte Wüst. "Das ist ein Geschenk und zugleich ein Auftrag, jüdisches Leben zu schützen." NRW stelle sich konsequent gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. Eine lebendige Erinnerungskultur brauche Handeln. Erst im Handeln zeige sich, ob Erinnern wahrhaftig sei.
NRW wäre gern Heimat für Yad Vashem
Wüst betonte, wie sehr NRW bereitstehe für den geplanten Ableger der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Sie soll zum ersten Mal ein Bildungszentrum außerhalb Israels bekommen. Düsseldorf und Köln sind die einzigen Städte in NRW, die noch im Rennen sind. In der engeren Auswahl sind aber auch Standorte in den Bundesländern Sachsen und Bayern. Die endgültige Standortentscheidung soll bis zum Sommer fallen.
"Erbe ehren, indem wir keinen Schlussstrich ziehen"
Auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, gehört zu den großen Befürwortern des Projekts. Lehrer zeigte sich schockiert: Heute könne jeder achte junge Deutsche zwischen 18 und 29 Jahren mit Begriffen wie "Schoa" oder "Holocaust" nichts anfangen.
Abraham Lehrer
Die aktive Erinnerung sei um so bedeutender, je weniger Zeitzeugen noch sprechen könnten. Dass die demokratische Erneuerung des Landes nach dem Menschheitsverbrechen der Schoa gelingen konnte, sei vor allem das Verdienst der Überlebenden. Lehrer appellierte: "Lassen Sie uns dieses Erbe ehren, indem wir keinen Schlussstrich ziehen."
Unsere Quellen:
- Gedenkveranstaltung im NRW Landtag
Sendung: WDR 5, WDR Aktuell, 27.01.2026, 18:00
Sendung: WDR5, Westblick, 27.01.2026, 17:35
