Seit rund zwei Wochen steht fest, dass es in der FDP keine Kampfkandidatur um den Bundesvorsitz mehr geben wird. Henning Höne, NRW Landes- und Fraktionschef hat seinen Verzicht erklärt. Gemeinsam in einem Interview mit dem nun alleinigen Kandidaten Wolfgang Kubicki. Man wolle die Kräfte bündeln, hieß es. Ein Indiz dafür ist auch, dass die beiden Kandidaten diese neue Rollenaufteilung gemeinsam öffentlich gemacht haben.
FDP will Vertrauen zurückgewinnen
Es gab einige in der NRW-FDP, die Höne seinen Rückzieher, den Verzicht auf die Kandidatur, übel genommen oder zumindest Enttäuschung darüber geäußert haben. Für Alexander Steffen, Kreisvorsitzender im Kreis Mettmann und stellvertretender Landesvorsitzender, war die Entscheidung Hönes aber richtig. Nach seiner Meinung geht es jetzt in der FDP darum, dass sich die Liberalen mit beiden, also Kubicki im Bund und Höne im Land "richtig ins Zeug legen, Vertrauen zurückgewinnen und zeigen, dass die FDP die richtigen Lösungen für die Probleme der Zukunft hat".
Auch wieder Bürgerrechtspartei
Weniger Bürokratie, weniger Staat, runter mit der Steuerlast, mehr Digitalisierung, sind einige der Schlagworte, mit denen die FDP wieder punkten will. Im Bund wie im Land. Hier in NRW setzt Henning Höne auf die Bildungspolitik. Und er versucht, die FDP auch wieder als Bürgerrechtspartei in Erinnerung zu rufen. Etwa wenn er erklärt, dass er und seine Fraktionskolleginnen und -kollegen in Karlsruhe gegen das NRW-Verfassungsschutzgesetz Beschwerde einlegen, eben weil genau diese Bürgerrechte in Gefahr seien.
Wieder politischer Faktor werden
Henning Höne soll als erster stellvertretender Bundesvorsitzender in der Bundespartei eine wichtige Rolle spielen. Wolfgang Kubicki sagte in einem Zeitungsinterview, das Team Kubicki-Höne solle sich darauf fokussieren, die FDP so schnell wie möglich wieder zu einem bedeutenden politischen Faktor in Deutschland zu machen.
Für Alexander Steffen besteht die größte Herausforderug darin, dass die FDP aktuell nicht im deutschen Bundestag vertreten ist. "Gleichzeitig findet", sagt Steffen, "Politik nicht mehr nur im klassischen Parlament statt". Die große Aufgabe sei es für die FDP, wieder sichtbar zu werden. In sozialen Netzwerken, auf der Straße, in direkten Gesprächen.
"Die FDP nicht mehr als klassische Partei, sondern als echte Bewegung". Alexander Steffen, stellvertretender FDP Landesvorsitzender in NRW
Eine liberale Bewegung, die alle Möglichkeiten nutzt, die Menschen zu erreichen und eben auch Aufmerksamkeit zu generieren. Mit dem im Gegensatz zu Henning Höne eher schon mal laut und provozierend auftretenden Wolfgang Kubicki an der Spitze könnte das klappen. Glauben zumindest viele in der Partei. Kubicki ist als Urgestein auch deutlich bekannter als Höne. Dem aber in der öffentlichen Wahrnehmung die zurückliegenden Wochen, als er noch um den Bundesvorsitz kandidiert hat, auch einiges an Bekanntheit gebracht haben.
Nächste Vorsitzendenwahl schon 2027
Auch wenn Henning Höne heute "nur" erster stellvertretender Bundesvorsitzender wird, im kommenden Jahr könnte er erneut Anlauf für den Bundesvorsitz nehmen. Vorausgesetzt, die FDP in NRW holt bei der Landtagswahl im April kommenden Jahres ein respektables Ergebnis und zieht wieder in den Landtag ein. Als erfolgreicher Landtagswahlkämpfer hätte Höne dann gute Aussichten im Jahr darauf auch den Bundesvorsitz übernehmen zu können. Die Amtszeit des heute mit großer Wahrscheinlichkeit neu gewählten Bundesvorsitzenden Wolfgang Kubicki beträgt nur ein Jahr. Nach dem Rücktritt von Christian Dürr ist die heutige Wahl nur eine Nachwahl. 2027 könnte es dann, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wieder einen Nordrhein-Westfalen an der Spitze der FDP geben.
Unsere Quellen:
- eigene Recherche
- Pressegespräche FDP
Sendung: WDR 5 Westblick und WDR.de, Welche Rolle spielt NRW beim neuen FDP-Vorstand?, 29.05.2026, 17:05 Uhr/14:30 Uhr
