Ein Traktor verteilt Dünger auf einem Feld
Teurer Dünger : Irankrieg setzt Landwirte unter Druck
Stand:
Der Iran-Krieg treibt die Dünger-Preise in die Höhe - mit Folgen für Landwirte und Verbraucher in NRW: Schlechtere Ernten und höhere Produktionskosten könnten schon bald einige Lebensmittel teurer machen. Gleichzeitig könnte die Krise ein Umdenken anstoßen.
Der Iran-Krieg ist weit weg von Paul-Christian Küskens Hof, doch der Landwirt aus dem Kreis Viersen spürt die Folgen bis auf seine Wiese. "Die ist gerade wieder gedüngt", sagt er unter seinem Regenhut. "Das ist mein Winterfutter für die Mutterkühe."
Landwirt Paul-Christian Küskens
Um die kleine Herde und die Äcker des "Paulshofs" zu versorgen, wird Küskens noch mehr künstlichen Dünger brauchen. Doch genau wie der Treibstoff wird Dünger gerade infolge des Kriegs in der Golfregion immer teurer. "Wir haben einen Aufschlag von um die 35 Prozent auf Stickstoffdünger zur Zeit", sagt der Landwirt.
Auch Dünger steckt im Nahen Osten fest
Durch die gesperrte Straße von Hormus stecken aktuell viele Containerschiffe mit Dünger fest. Besonders betroffen ist Stickstoffdünger, weil ein großer Teil davon im Nahen Osten produziert wird. Und das wirkt sich weltweit auf die Verfügbarkeit und den Preis von Dünger aus.
Zum Glück hat Bauer Küskens Dünger auf Vorrat gekauft. Doch schon jetzt bekommt er einen Vorgeschmack, wie teuer das Auffüllen seiner Bestände im Lauf des Sommers wird. "Ich habe Dünger vorgekauft für 32 Euro pro 100 Kilo und aktuell bezahlen wir 47 Euro", erklärt er. "Also ein stattlicher Aufpreis für die gleiche Ware."
Mit Sorge schaut Küskens auf die Entwicklung. Denn wenn der Düngerpreis hochgehe und die Verkaufspreise mit, "dann ist das der Markt, da kann ich mit leben." Die Sorge sei aber, dass der Weizenpreis, den er bekommt, eben nicht steigt. Der Landwirt hätte dann nicht nur höhere Produktionskosten, sondern er verdient auch weniger mit seinem Weizen.
Keine Planungssicherheit für Landwirte
Schließlich könne er als Landwirt die gestiegenen Produktionskosten nicht eins zu eins an die Endverbraucher weitergeben. "Die Preisfindung findet nicht hier bei uns, hier im Kreis Viersen statt oder in Nordrhein-Westfalen, sondern weltweit an den Börsen" sagt er. Und wenn andere Länder günstiger produzieren könnten, würden die eben liefern.
Doch es ist vor allem die Ungewissheit, die dem Kreisvorsitzenden der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen gerade Sorgen bereitet. Denn aktuell könne niemand sagen, wann sich der Preis für Dünger wieder normalisiert. "Wer zu früh kauft, hat dann zu teuer gekauft", sagt er.
Auch Fleisch könnte teurer werden
Samina Sultan, IW Köln
Deshalb könnte es bald knapp werden. Rund ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Düngemitteln geht durch die Straße von Hormus. Und auch wenn die konkreten Lieferungen gar nicht für NRW bestimmt sind, wirkt sich die Knappheit auch hier aus, sagt die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln:
Mittelfristig könnte das dazu führen, dass einige Lebensmittel noch teurer werden. Und das müssen dann nicht nur Getreide und Mais oder Soja sich sein, sondern eben auch zum Beispiel Fleischprodukte, weil Tiere ja auf Tierfutter angewiesen sind. Samira Sultan, Institut der Deutschen Wirtschaft
Der Kunstdünger für die NRW-Landwirte kommt vor allem aus Belgien, den Niederlanden und Marokko.
Landesregierung setzt auf effiziente Düngung
Stephanie Strotdrees vom Biohof Strotdrees in ihrem Hofladen
Um unabhängiger von derartigen Weltkrisen zu werden, setzt das NRW-Landwirtschaftsministerium auch auf effizientere Düngemethoden. Laut aktuellem Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer ist NRW seit vier Jahren auf einem guten Weg dahin, so ein Sprecher des Ministeriums: "Obwohl 20 Prozent weniger Mineraldünger und weniger Gülle und Mist eingesetzt wurden, blieben die Erträge der Landwirtschaft weitgehend stabil.“
Grund dafür seien neben verbesserter Technik vor allem die intensive Düngeberatung. Außerdem fördert die schwarz-grüne Landeregierung den Ökolandbau, der ohne mineralische Düngemittel auf Basis fossiler Rohstoffe auskommt.
Bio-Landwirtin erzeugt Dünger selbst
Landwirtin Stephanie Strotdrees und ihr Mann haben sich auf ihren Biohof in Harselwinkel dafür schon vor rund 40 Jahren entschieden: "Damals war vielleicht noch mehr das Bestreben, unabhängiger von der Industrie zu sein, dass wir unseren Dünger selber erzeugen, dass wir nichts zukaufen müssen."
Und heute zeigt sich einfach nochmal mehr, dass man auch unabhängig ist von der Weltpolitik und von Importen aus Drittländern, die wir eigentlich nicht nötig haben, weil alles hier selber aus dem Boden auch wächst und entsteht. Bio-Landwirtin Stephanie Strotdrees
Etwa der Rote Klee, der zu den Leguminosen gehört, auch Schmetterlingsblütler genannt. Landwirtin Strotdrees zupft einen Büschel Kleeblätter aus ihrer saftigen Kuhwiese. "Dazu gehören Erbsen, Bohnen, Lupinen. Die haben die Fähigkeit, den Stickstoff aus der Luft zu sammeln und mit Knöllchenbakterien in der Wurzel zu binden", erklärt sie.
Stephanie Strotdrees vom Biohof Strotdrees
Sie nenne sie, "soziale Pflanzen", denn sie sammeln den Stickstoff nicht nur für sich, sondern auch für das Gras, was daneben wächst. Im Boden bleibe dann genug Stickstoff, um auch die Kulturen in der Fruchtfolge danach noch ausreichend zu versorgen.
Krise könnte auch etwas Gutes haben
Den Rest besorgt die Gülle, die Kühe, Schweine, Pferde und Esel auf ihrem kunterbunten Hof produzieren. Landwirtin Strotdrees genießt, beim Dünger unabhängig zu sein. Auch wenn ihr Biohof durch die hohen Spritpreise doch die Folgen der Weltlage zu spüren bekommt.
Sie hofft, die Krise könnte auch etwas Gutes haben und ein Umdenken auslösen: "Wir beobachten zur Zeit in der Autoindustrie oder was Heizsysteme angeht, dass plötzlich die Alternativen diskutiert werden." E-Mobile hätten etwa plötzlich eine ganz andere Attraktivität. "Wenn dieses Umdenken auch in der Landwirtschaft passieren würde und wenn tatsächlich meine Lieblingspflanze, der Klee, den chemisch-synthetischen Dünger ersetzen würde, dann könnte man was bewegen", hofft Strotdrees.
Landwirt sieht Politik in der Pflicht
Tatsächlich arbeiten mehrere Institute in NRW an solchen Alternativen zur künstlichen Düngung. Auch Landwirt Küskens hätte durch seine Kühe eigentlich genug Gülle, um seine Wiese damit zu düngen. Doch gesetzliche Auflagen setzen ihm klare Grenzen: "Wir haben hier die Auflage, dass wir nur maximal 170 Kilo je Hektar ausbringen dürfen. Fürs Gras brauche ich aber 360 Kilo. Das heißt, ich bin gezwungen, den Rest, wenn ich einen optimalen Ertrag haben will, durch Mineraldünger zuzukaufen."
An diesen Vorgaben könnte die Politik etwas ändern, meint Küskens. "Die Frage ist nur, ob unsere Regierungen in Berlin und Brüssel die richtigen Entscheidungen treffen." Er fordert außerdem, die CO₂-Abgaben auf Düngemittel und Treibstoffe für die Lebensmittelproduktion auszusetzen.
Letztlich kommt es darauf an, dass wir jetzt die Entscheidung kriegen, dass wir auch unsere Lebensmittel in Zukunft hier produzieren können. Denn wenn der Bauer kein Geld verdient, dann produziert er keine Lebensmittel.
Landwirt Paul-Christian Küskens
Aber als Rheinländer, sagt Küskens, sei er grundsätzlich Optimist.
Unsere Quellen:
- Interview Paul-Christian Küskens
- Interview Stephanie Strotdrees
- Interview Bettina Rudloff, Stiftung Wissenschaft und Politik
- Interview Samina Sultan, IW Köln
- NRW-Landwirtschaftsministerium
- IT.NRW
- Eigene Recherchen
Sendung: Westpol, 10.05.2026, 19:30 Uhr

