Wie der Irankrieg die NRW-Wirtschaft trifft | WDR aktuell
WDR. 04:00 Min.. Verfügbar bis 01.04.2028.
NRW-Unternehmen unter Druck: Nahost-Konflikt treibt Kosten in die Höhe
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Steigende Transport- und Energiekosten, angespannte Lieferketten - eine Umfrage unter mehr als 700 Betrieben zeigt, wie massiv der Krieg im Nahen Osten die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen trifft.
Von Johannes Zuber
Seit mehr als einem Monat bombardieren die USA und Israel den Iran, der seinerseits Ziele in der gesamten Region angreift. Die Folge: Die Straße von Hormus ist weitgehend gesperrt, die Energiepreise steigen weltweit - und Unternehmen in NRW bekommen die Konsequenzen täglich zu spüren.
Eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer NRW unter 768 Betrieben zeichnet ein deutliches Bild: Mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen geben an, negativ vom Konflikt betroffen zu sein. Nur ein knappes Drittel kann die Folgen noch nicht abschätzen.
Neun von zehn Firmen berichten von steigenden Frachtkosten
Mark Sethe, Geschäftsführer des Düsseldorfer Familienunternehmens Schulz und Sohn, kennt das Problem aus dem Alltag: "In unserem Postfach gehen täglich mehrere Meldungen ein von unseren Vorlieferanten, die uns darüber informieren, dass die Rohstoffe, die wir beziehen, Verpackungen, aber letztlich auch Energie und Frachten deutlich im Preis steigen."
Diese Erfahrung teilen viele Betriebe in NRW. Laut IHK-Umfrage sind bei neun von zehn Unternehmen mit direktem Geschäft in der Region die Transport- und Logistikkosten gestiegen - über alle befragten Betriebe hinweg sind es 82 Prozent.
Besonders betroffen ist die Seefracht: Schiffe sind überbucht oder können ihre Bestimmungshäfen nicht mehr anfahren. Steigende Energiepreise belasten 71 Prozent der Unternehmen, 40 Prozent berichten von Unterbrechungen in den Lieferketten.
Blockade der Straße von Hormus lähmt den NRW-Handel
Satellitenaufnahme der Straße von Hormus
Alexander Soboll, zuständig für den internationalen Handel beim Mülheimer Stahlhändler Salzgitter Mannesmann, beschreibt die Lage konkret: "Wir können weder in den Nahen Osten verschiffen noch können wir Waren aus dem Nahen Osten beziehen. Das hat mit der Schließung der Straße von Hormus zu tun - unsere gecharterten Schiffe können weder rein- noch rausfahren."
Die Folge: Zusätzlich zum teureren Treibstoff werden die Schiffslaufzeiten deutlich länger, weil die Routen um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden müssen. Dadurch steigen die Frachtraten weiter.
IHK-Umfrage: Kosten werden an Kunden weitergegeben
Die wenigsten Betriebe können oder wollen die gestiegenen Kosten selbst auffangen. Mehr als 50 Prozent planen laut Umfrage, ihre Preise anzuheben und die Mehrkosten an Kunden weiterzugeben. Jedes fünfte Unternehmen will verstärkt in die Lagerhaltung investieren, ebenso viele wollen ihr Lieferantennetzwerk ausbauen.
Der Düsseldorfer Spezialreinigungsmittelhersteller Schulz und Sohn hat diesen Weg bereits eingeschlagen. "Wir versuchen, Materialien zu einem früheren Zeitpunkt in unsere Verfügbarkeit zu holen - entweder direkt nach Düsseldorf oder bei Spediteuren zwischenzulagern", sagt Geschäftsführer Mark Sethe.
Alexander Soboll von Salzgitter Mannesmann geht noch weiter: "Wir müssen unabhängiger werden. Wir brauchen erneuerbare Energien und heimische Produktion, um diese Art von Konflikten ohne Probleme für die eigene Wertschöpfung zu überstehen."
Die IHK NRW warnt, dass sich die Lage weiter verschärfen könnte, sollten die Handelswege im Nahen Osten länger gesperrt bleiben. Der Standort Deutschland ist durch strukturelle Schwächen und ohnehin hohe Energiekosten bereits belastet - weitere Preissteigerungen könnten viele Betriebe in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.
Unsere Quellen:
- Umfrage der IHK NRW
- WDR-Interview mit Mark Sethe
- WDR-Interview mit Alexander Soboll
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 01.04.2026, 6.19 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 01.04.2026, 12.45 Uhr