Es gibt viele Flächen im Ruhrgebiet, wie die der alten Westfalenhütte in Dortmund - aber keine ist so groß, wie das riesige Areal nahe der Dortmunder Innenstadt. 800 Wohnungen entstehen nun auf der Industriebrache des einstigen Stahlwerks, in dem zu Spitzenzeiten 25.000 Menschen schufteten.
Cafés, Supermärkte, eine Kita und eine Grundschule entstehen nun im Karlsquartier, wie der der neue Stadtteil heißt. Auch ein 35 Hektar großer Park zur Naherholung ist vorgesehen.
Um solche Brachflächen wie die ehemalige Westfalenhütte ging es am Dienstag im Umweltausschuss des Landtags. Experten wurden angehört zu der Frage: Wäre es nicht besser, wenn man solche früher einmal bebauten, also versiegelten Flächen neu aufbereiten könnte, statt neue Gebäude und Verkehrswege auf der grünen Wiese, also auf bisher unbebautem Land zu errichten?
Brachfläche an der alten Baumwollspinnerei in Gronau
Fast acht Fußballfelder - jeden Tag
Jeden Tag werden in NRW 5,6 Hektar neu bebaut, umgerechnet sind das fast acht Fußballfelder. Diesen rasanten Flächenverbrauch will die SPD im Landtag zumindest bremsen. Unter früheren Landesregierungen gab es eine Begrenzung des täglichen Nettoverbrauchs auf 5 Hektar, dieses Ziel wurde allerdings von Schwarz-Grün aus dem Landesentwicklungsplan (LEP) gestrichen.
Geht es nach dem Willen der SPD sollen brach liegende Grundstücke schneller saniert und bebaut werden, um dort Raum für Wohnungen und wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen. Auf 8.800 Hektar beziffert die SPD die Brachflächen in ganz NRW - ohne das Ruhrgebiet. Dort lägen für mehr als 3.000 weitere Hektar brach, schreibt die Duisburg Business & Innovation GmbH, die Gesellschaft Wirtschaftsförderung der Stadt Duisburg.
Sanierung statt Flächenverbrauch
Die Duisburger Wirtschaftsförderer fordern nun eine harte Obergrenze für die Neuversiegelung von Flächen. Es dürfe nicht mehr im Grünen gebaut werden, solange es ungenutzte Flächen mitten in der Stadt gibt, schreiben sie in ihrer Stellungnahme für den Landtag.
So sieht es auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Es müsse eine klare Pflicht geben, erst Brachflächen zu nutzen und erst dann neu zu bauen. Der BUND fordert unter anderem, die früheren Nutzer der Flächen stärker an den Kosten für die Beseitigung von Altlasten zu beteiligen. Umweltstandards dürften nicht zugunsten schnellerer Verfahren gesenkt werden, damit die Altlasten gründlich geprüft werden können.
Zusätzlich wies der BUND im Landtag auf die negativen Folgen weiterer Flächenversiegelung für Umwelt und Natur hin: Regenwasser kann schlechter versickern, Dörfer verlieren ihr Umland, die Biodiversität leidet, weil Lebensräume verloren gehen - während in den Städten hässliche und belastete Flächen ungenutzt bleiben.
Eine Brache in Mülheim an der Ruhr
Flächenrecycling funktioniert - aber es ist teuer, sagen die Experten vom Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AVV). Dem Verband gehört das Land NRW und viele Kommunen an, zusätzlich auch Wirtschaftsunternehmen. Der AVV saniert seit 36 Jahren alte Industriebrachen. 87 Projekte wurden in dieser Zeit abgeschlossen, mehr als 220 Millionen Euro investiert.
Die Vorteile alter Industriebrachen sind bestechend, so der AVV: oft liegen sie zentrumsnah, sie sind verkehrstechnisch und infrastrukturell gut angebunden und ja: naturnahe oder landwirtschaftlich genutzte Flächen würden geschont.
Sanierung nicht einfach
Die Sanierungen sind allerdings komplex und langwierig. Im Boden finden sich oft Giftstoffe wie PFAS, Cyanide und Mineralöl-Kohlenwasserstoffe.
Um gesunde Wohn- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, muss ein Aufwand betrieben werden, der nicht wirtschaftlich ist. Das bedeutet: Ohne öffentliches Geld für die Sanierung lassen sich die Grundstücke kaum vermarkten.
Manchmal seien auch die Eigentumsverhältnisse solcher Flächen kompliziert, das heißt: auch wenn sie offensichtlich brach liegen, können sie nicht einfach gekauft und anderweitig genutzt werden.
Schnellere Genehmigungen allein, so der AVV, lösten das Problem nicht. Es müsse eine gesicherte Finanzierung geben und genügend kompetente Menschen, die wissen, was genau zu tun ist.
Unsere Quellen:
- Expertenanhörung im Landtag
Sendung: WDR.de , Mehr Brachflächen nutzen, 26.01.2026, WDR Hörfunk Nachrichten
