Herbert Reul und Henrik Hübschen auf dem Weihnachtsmarkt im Interview. Im Hintergrund ein Glühweinstand.

Herbert Reul und Henrik Hübschen auf dem Weihnachtsmarkt

Meinung Wenn Innenminister Herbert Reul die Axt auspackt

Stand:

Der Klartext-Minister ist bekannt und beliebt. Doch die Methode Reul hat Grenzen. Zum Beispiel beim Thema Sicherheit und Fußball.

Haben Sie schon mal aus Versehen eine Steinplatte mit der Axt zerteilt? Herbert Reul schon. Das hat er in dieser Woche bei den ZDF Kollegen von "Volle Kanne" erzählt: "Ich hatte mal so eine schöne Steinplatte und sollte eine Rehkeule klein machen." Das ging irgendwie nicht, "da habe ich eine Axt genommen", so Reul. Und die Steinplatte? "Vorbei". Das sei "eine legendäre Geschichte in der Familie. Die sollte ich eigentlich öffentlich gar nicht erzählen."

Hat Reul aber eben doch. Wahrscheinlich sogar wirklich spontan. Andererseits ist die Anekdote für einen Politiker auch einfach zu perfekt, um sie nicht zu erzählen. Ein Minister, der im Haushalt hilft. Und so viel Schmackes hat, dass er quasi en passant Steine zerteilen kann. Sanft und durchsetzungsstark zugleich. Manchmal auch etwas tollpatschig. So einen müssen die Leute doch lieben.

Beliebtheit trotz steigender Zahlen

Tun sie ja auch. Herbert Reul ist der mit Abstand beliebteste Politiker in NRW. Und das obwohl auch er nicht zaubern kann. Wichtige Kriminalitätszahlen sind zuletzt wieder gestiegen. Reuls Beliebtheit tut das bisher keinen Abbruch.

Weihnachten, Shopping, Weihnachtsmarkt

Das konnte ich diese Woche bei der Aufzeichnung unserer neusten Ausgabe von "Westpol Spezial" auf dem Weihnachtsmarkt in Bergisch Gladbach erleben. Es ging um das abnehmende Sicherheitsgefühl der Menschen, auf Weihnachtsmärkten und auf Straßen und Plätzen im Alltag. Und Reul wurde von unseren Zuschauerinnen und Zuschauern nicht nur mit warmem Applaus begrüßt, sondern erhielt auch immer wieder Zwischenbeifall für seine Antworten auf kritische Fragen.

Weil er sagt, was er denkt. Über Ausländerkriminalität, abnehmenden Respekt, zunehmende Gewalt. Weil er sich dafür zum Beispiel bei der Veröffentlichung beider Nationalitäten von Doppelstaatlern in der Kriminalstatistik auch mit dem grünen Koalitionspartner anlegt. Obwohl man diesen Alleingang mit einiger Berechtigung als Einknicken vor dem Populismus der AfD werten kann.

Genau der will Reul mit solchen Entscheidungen übrigens das Wasser abgraben. Und sagt das so ganz offen. Auch dafür gab es in Bergisch Gladbach Applaus.

Herbert Reul in einem Fußballstadion.

Wie auch für sein Beharren, Kameras mit Gesichtserkennung in Fußallstadien einzusetzen. Beim Thema Fußball allerdings stieß Herbert Reul diese Woche an Grenzen. Während er noch auf allen Kanälen ein hartes Vorgehen der Innenminister gegen Fußballchaoten beschwor, hatten seine Kollegen bei der Innenministerkonferenz der Länder die weitreichendsten Vorschläge längst vertagt. Und Reul sich den Unmut der Fankurven quasi umsonst zugezogen.

Trotzdem wird er sich nicht ändern. Weil er weiß, dass seine Art Probleme zu benennen ihm das Vertrauen vieler Menschen sichert. Selbst wenn er diese Probleme gar nicht löst. Und die Verantwortung dafür gerne mal an Kabinettskollegen weiter gibt. Dass Reul trotzdem für viele eine politische Ausnahmeerscheinung ist, darf andere Politikerinnen und Politiker durchaus nachdenklich machen.

Dieser Text erscheint auch als Editorial in "18 Millionen - Der Newsletter für Politik in NRW". Jeden Freitag verschicken wir die Themen, die NRW bewegen - an politisch Interessierte, Aktive, Gewählte, und Politik-Nerds. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren.