Wenn ich eines gelernt habe in meinem Berufsleben als Politikbeobachter, dann ist dies ein Lehrsatz, der immer gilt: Alles hängt mit allem zusammen. Und diesmal zieht sich eine Linie vom Krieg im Nahen Osten zum vorgezogenen Kohleausstieg 2030 in Nordrhein-Westfalen verbunden mit der Frage, ob der überhaupt noch darstellbar ist.
Aber der Reihe nach: Dass auch die Energieversorgung bei uns in Deutschland von den weltpolitischen Verwerfungen betroffen ist, haben wir ja schon 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine feststellen müssen. Als die Preise für Benzin, Gas und Öl stiegen und die Speicher drohten leerzulaufen. Und auch diesmal spüren wir es zunächst am Zapfhahn, dass das Benzin zwar aus dem Schlauch, der Preis aber aus dem Ruder läuft.
Erneuerbare Energien sind nur die halbe Lösung
Selbst schuld, sagt da der eine oder die andere, die schon ein Elektroauto fahren mit einer gewissen Schadenfreude, so mein Eindruck. Wer sich an der Energiewende beteiligt und rechtzeitig umgesattelt hat, muss jetzt nicht den Preisschock an Tankstelle oder im Heizungskeller fürchten. Aber ist das wirklich so? Ich glaube nicht!
Denn diese Energiewende funktioniert ja nur, wenn die Erneuerbaren auch tatsächlich genug Energie liefern. Und auch wenn der Ausbau mit Windrädern zumindest in Nordrhein-Westfalen Rekordhöhen erreicht, wird damit allein der Energiebedarf im Land bei weitem nicht erfüllt. In sogenannten Dunkelflauten braucht es Ersatzkapazitäten. Aktuell haben wir da noch die Kraftwerke im Rheinischen Revier, die Strom aus Braunkohle machen. So ist das geplant bis zur Abschaltung im Frühjahr 2030.
Zu lange mit den Füßen geschaukelt
Bis dahin sollte es ein flexibleres Stromsystem, viele Batteriespeicher und genügend Gaskraftwerke geben, die den dann wegfallenden Braunkohlestrom kompensieren können. Die Gaskraftwerke sind zwar geplant, aber noch gar nicht ausgeschrieben, geschweige denn in Bau. Das liegt am langen Warten auf eine Kraftwerksstrategie der Bundesregierung. Die legt jetzt zwar endlich vor. Jetzt aber stellt sich auf einmal die Frage, wo das Gas denn herkommen soll, wenn die Krise im Nahen Osten sich länger hinzieht.
Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. So lange Deutschland nicht in der Lage ist, genügend erneuerbare Energien für den Eigenbedarf zu produzieren, bleibt die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bestehen. Öl und Gas müssen aber aus dem Ausland eingeführt werden – das ist bei der aktuellen Weltlage mit schweren Risiken behaftet.
Und jetzt?
Was bleibt, ist die Braunkohle. Sie ist der einzige heimische Energieträger, der aktuell sicher verfügbar ist, um den Bedarf zu decken. Dass das so ist, liegt vor allem an Verzögerungen bei politischen Entscheidungen zur Energiewende vor allem in Berlin. Das mag man beklagen, es ist aber kaum noch zu ändern. Denn bis zum Sommer dieses Jahres muss die Entscheidung fallen, ob es beim Braunkohleausstieg in NRW 2030 bleiben kann oder nicht.
Meine Prognose heute lautet: Eher nicht. Ich würde mich freuen, wenn ich falsch liege.
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