Wohnungsbau-Tag: Wo es in NRW mit schnellem Wohnungsbau klappt
Aktuelle Stunde . 26.03.2026. 15:41 Min.. UT. Verfügbar bis 26.03.2028. WDR. Von Sebastian Galle.
Das Thema Wohnen birgt sozialen Sprengstoff: Da zu wenig gebaut wird, fehlen weiterhin Wohnungen und die Mieten steigen in vielen Regionen. 400.000 neue Wohnungen pro Jahr - das hatte die Politik versprochen. Tatsächlich werden im laufenden Jahr voraussichtlich nicht einmal halb so viele fertig.
Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zu hohe Kosten, zu hohe Zinsen, zu lange Genehmigungsverfahren. Beim jährlichen "Wohnungsbau-Tag" in Berlin sprechen am Donnerstag deshalb Branche und Politik darüber, wie sich der Wohnungsbau beschleunigen lässt.
Hat der "Bau-Turbo" in NRW schon gezündet?
Das "Bau-Turbo"-Gesetz der Bundesregierung scheint seine Wirkung noch nicht zu entfalten. Es gilt seit Ende Oktober des vergangenen Jahres und soll den Wohnungsbau beschleunigen. Es geht dabei um Regelungen, die den Kommunen mehr Handlungsspielräume ermöglichen. Zum Beispiel, indem sie von Bebauungsplänen abweichen können. Die legen fest, wie Grundstücke bebaut werden dürfen.
Auch die Genehmigungszeit soll verkürzt werden. Wird ein Bauantrag innerhalb der gesetzlichen Frist von maximal drei Monaten nicht abschließend bearbeitet, gilt er als genehmigt.
Der Städte- und Gemeindebund NRW hat dem WDR auf Anfrage geschrieben, dass sich die Kommunen derzeit damit befassen, wie die Umsetzung gelingen kann. Denn die Gemeinde muss dafür zustimmen. Deshalb würden viele Räte gerade Leitplanken erarbeiten, wie der neue Handlungsspielraum genutzt werden soll.
Wie groß der Bedarf an neuen Wohnungen bleibt, zeigt sich auch an der Anzahl der Wohnungen, die in den vergangenen Jahren in NRW fertiggestellt wurden. Im Jahr 2024 wurde mit gut 34.000 neuen Wohnungen sogar ein Tiefstand erreicht.
IG Bau: "Bau-Turbo" ist "Langstreckenläufer"
Der Bundesvorsitzende der IG Bau, Robert Feiger, bezeichnete den "Bau-Turbo" nicht als Sprinter, sondern eher als Langstreckenläufer: "Er wird in zwei bis drei Jahren gute Auswirkungen haben."
Der Geschäftsführer des Städtetages NRW, Christian Schuchardt, teilte dem WDR mit, dass es wenig überraschend sei, dass man erste konkrete Bauprojekte noch nicht sehen würde: Dafür gebe es den "Bau-Turbo" noch nicht lange genug, aber er nehme in NRW Gestalt an. Duisburg, Köln, Münster, Bielefeld und andere Städte würden sich vorbereiten oder haben schon politische Beschlüsse gefasst.
Modulares Bauen als Gamechanger?
Neben Baugenehmigungsverfahren ist auch das Bauen selbst ein Faktor, der Einfluss auf die Geschwindigkeit hat. Ein Hebel, um schneller Wohnraum zu schaffen, ist modulares Bauen. Bei dieser Bauweise werden Teile eines Gebäudes in Form von einzelnen Bauelementen - sogenannten Modulen - in Serie vorproduziert und auf der Baustelle zusammengesetzt.
Und welchen Stellenwert hat diese Bauweise für die Lösung des Wohnraum-Problemes? "Das modulare und serielle Bauen ist ein kleiner Teilbeitrag", sagte Professor Dietmar Walberg dem WDR. "Aber es wird niemals über einen einstelligen Prozentsatz hinausgehen." Man müsse es zwar weiterhin fördern. "Aber es ist nicht der Gamechanger."
Walberg ist einer der Macher einer Wohnungsbau-Studie, die am Donnerstag auf dem Wohnungsbau-Tag im Berlin vorgestellt wurde. Er ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen und lehrt an der Technischen Hochschule Lübeck.
"Gebäude-Typ E" als Lösung?
Die Organisatoren des "Wohnungsbau-Tags" erwarten, dass in diesem Jahr weniger als 200.000 Wohnungen neu gebaut werden. Nötig seien pro Jahr dagegen mindestens 320.000 neue Wohnungen, so das Bundesinstitut für Bau-Stadt- und Raumforschung (BSSR). Für Studienleiter Walberg liegt die Lösung im "Gebäude-Typ E" - also einfaches, erleichtertes Bauen.
Bei diesem Gebäude-Typ wird nach Angaben des Bundesbauministeriums auf zahlreiche Baustandards verzichtet, die gesetzlich nicht zwingend sind: "Dadurch reduzieren sich die Baukosten." Abstriche bei der Bausubstanz müssten laut Walbergs Studie nicht gemacht werden. Beim "Gebäude-Typ E" sei die "Qualität ausgesprochen gut", bei gleichzeitig "robuster Substanz und wenig Instandhaltung", so Walberg.
Kostengünstiges, schnelles Bauen in Witten
Ein Beispiel für kostengünstiges Bauen in NRW gibt es in Witten. Dort baut gerade eine Wohnungsgenossenschaft eine Siedlung mit Häusern des sogenannten Gebäude-Typs E. Bei diesem Bauvorhaben wird auch zusätzlich auf Standardisierung gesetzt und modulares Bauen angewendet.
"Für mich stellt sich die Frage: Günstiger bauen oder überhaupt nicht bauen", sagte Frank Nolte, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Witten Mitte dem WDR. Darum lässt er die Badezimmer komplett fertig auf die Baustelle liefern. Bei 44 Bädern seien dadurch nicht nur die Kosten günstiger, auch die Zeitersparnis sei enorm. Nolte rechnet dadurch mit einer Verkürzung der Bauzeit von drei Monaten.
Kosten spare auch, dass nur die Schlafzimmer, aber nicht die Wohnzimmer mit Rollläden ausgerüstet werden. Außerdem seien die Decken und Wände dünner. Auch der Keller fehle. Solche Maßnahmen machen Bauen günstiger, sagte Alexander Rychter vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft NRW dem WDR: "Da sind durchaus Werte von zehn oder 20 Prozent weniger, die da im Raum stehen. Und das ist einfach eine Menge."
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur EPD
- tagesschau.de-Artikel "Wohnungsbautag in Berlin" vom 26.03.2026
- Pressemitteilung vom Bundesbauministerium zum Gebäude-Typ E vom 20.11.2025
- Angaben vom Statistischen Landesamt NRW
- WDR-Reporter in Witten
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 26.03.2026, 07:05 Uhr.