Wohnungsbau Teaser

Mehr Baugenehmigungen, aber kein Ende der Krise auf dem Wohnungsmarkt

Stand:

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist gestiegen. Die Bundesregierung will jetzt mit dem "Bau-Turbo" noch mehr Wohnungsbau ermöglichen. Doch reicht er aus, um die Wohnprobleme zu lösen?

Von Moritz Börner

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zahl der neu genehmigten Wohnungen ist leicht gestiegen 
  • Der Bundesrat hat den "Bau-Turbo" für schnellere Genehmigungsverfahren beschlossen 
  • Trotzdem bleibt die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt: Wohnungsunternehmen fordern weitergehende Reformen 

Die Mieten steigen. In Köln zum Beispiel liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis in der Innenstadt bei fast 13 Euro. Deutlich teurer geworden ist es aber auch in vielen anderen Großstädten an Rhein und Ruhr, in Essen etwa sind es im Durchschnitt über neun Euro.

Allerdings ist die Zahl der Baugenehmigungen in den ersten acht Monaten dieses Jahres gestiegen. Das könnte auf den ersten Blick Hoffnung machen, dass auch die Mietpreise sinken - gerade weil der Bundesrat am Freitag den "Bau-Turbo" für bezahlbare Wohnungen beschlossen hat.

Mehr Genehmigungen für den Wohnungsbau

Die Behörden in NRW haben von Januar bis August dieses Jahres den Bau von 26.664 Wohnungen genehmigt. Das sind gut 500 mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Doch NRW bräuchte noch deutlich mehr Wohnungen. Die Genehmigungen entsprechen nichtmal der Hälfte der benötigten Wohnungen. Laut Mieterbund gibt es einen Bedarf von rund 80.000 Wohneinheiten jährlich in NRW, deutschlandweit sind es 400.000.

Zunahme könnte Vorbote einer wirtschaftlichen Erholung sein

Der leichte Anstieg in den ersten Monaten des Jahres reiche nicht aus, erklärt auch Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung. "Wenn man das auf das Jahr hochrechnet, ist das ziemlich weit weg von dem, was die Regierung früher mal als Ziel angegeben hat."   

Wirtschaftswissenschaftler, Hans-Böckler-Stiftung

Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Dullien

Der Wirtschaftswissenschaftler sieht die Entwicklung aber trotzdem positiv. In der aktuell eher schwachen wirtschaftlichen Lage könne die steigende Zahl an Bauvorhaben helfen, die Konjunktur zu beleben. "In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass auch in Phasen, wo der Wohnungsbau gut gelaufen ist, die Wirtschaft auch etwas besser gelaufen ist insgesamt", so Dullien.

"Bau-Turbo" der Bundesregierung startet

Die Bundesregierung hofft sogar auf einen regelrechten Bau-Boom. Der Bundesrat hat am 17. Oktober grünes Licht für den sogenannten "Bau-Turbo" gegeben. Mit dem Gesetz von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sollen bezahlbare Wohnungen schneller gebaut werden können. Künftig können Kommunen Abweichungen vom Bauplanungsrecht zulassen, sodass Bauland einfacher zur Verfügung gestellt werden kann und die Verfahren kürzer sind. 

Lange Wohnungssuche: Die Krise am Wohnungsmarkt dauert an

Die Wohnungswirtschaft begrüßt den Bau-Turbo, allerdings ändere das nichts daran, dass die Baukosten weiterhin zu hoch sind. "Es ist das A und O, dass wir die Erlaubnis bekommen, von den extrem hohen Standards runter zu gehen," erklärt Axel Gedaschko vom Verband der Wohnungswirtschaft. Dabei geht es zum Beispiel um Schallschutzvorschriften oder Standards für energetisches Bauen.

"Baugenehmigungen sind keine gebauten Objekte"

Skepsis kommt auch vom Mieterbund NRW. Der leichte Anstieg bei den neu genehmigten Wohnungen sei noch lange keine Trendwende. "Baugenehmigungen sind keine gebauten Objekte, wir haben einen hohen Überhang von Baugenehmigungen, die nicht an den Markt kommen und nicht zum Bauen kommen."

Die Krise am Wohnungsmarkt, da sind sich alle Beobachter einig, wird weiter andauern. Und damit werden auch die Mieten auf absehbare Zeit hoch bleiben. 

Über dieses Thema berichten wir am 20. Oktober 2025 auch im WDR Hörfunk: Morgenecho ab 6 Uhr, etwa auf WDR 5.

Unsere Quellen:

  • Statistisches Bundesamt
  • Mieterbund NRW
  • Spitzenverband der Wohnungswirtschaft
  • Hans-Böckler-Stiftung

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