Der letzte Turm des Immerather Doms weicht dem Braunkohletagebau
Waren mal Hingucker: Diese Wahrzeichen in NRW gibt es nicht mehr
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Kirchtürme, Schornsteine, Häuser. Unzählige größere und kleinere Wahrzeichen prägen die Städte in NRW. Doch einige von ihnen sind mittlerweile verschwunden, sie wurden abgerissen oder gesprengt. Wir zeigen acht ehemalige Wahrzeichen.
Giebelhäuser am Fischmarkt in Köln
Fünf bunte Giebelhäuser standen jahrelang am Kölner Fischmarkt zusammen in einer Reihe und waren ein beliebtes Fotomotiv. Berühmt geworden durch ihre gotischen Giebel und ihre schmalen, hohen Fassaden in Grün, Orange, Weiß, Gelb und Rosa. Doch aus dem Quintett ist inzwischen ein Trio geworden. Das grüne und das orange Haus hatten jeweils so starke Schäden in den Holzbalken des Fachwerks, dass diese nicht mehr zu retten waren. Die ältesten Balken der beiden Häuschen sollen aus dem 16. Jahrhundert stammen. "In jedem Fall ist das Baualter für den Bestand der im Krieg weitestgehend zerstörten Altstadt von herausragender Bedeutung", heißt es von der Stadt Köln. Die anderen drei Giebelhäuser sind nicht historisch.
Die Giebelhäuser am Kölner Fischmarkt - vor und nach dem Teilabriss
00:13 Min.. Verfügbar bis 24.11.2027.
Die beiden maroden Häuser mussten nicht komplett abgerissen werden. Keller, Erdgeschoss und die erste Etage stehen noch. Aber der Giebel und die oberen Stockwerke mussten abgebaut werden. Jetzt kann der Eigentümer der Gebäude entscheiden, wie die Etagen wieder aufgebaut werden. Doch darum gibt es Streit. Ein Architekt will sie ganz weiß halten, viele Kölner wünschen sich Farbe und Fachwerk zurück.
Kühltürme des Kraftwerks Westfalen in Hamm
Erst ein Knall, dann ein Fall. Der mehr als 120 Meter hohe graue Kühlturm sackt in sich zusammen. Vom Boden steigt eine gigantische Staubwolke auf. Übrig bleiben am Ende 10.000 Tonnen Betonschutt. Am 30. September 2021 wird der Kühlturm von Block C des Steinkohlekraftwerks Westfalen dem Erdboden gleichgemacht. Der Kühlturm also, der das Bild der Landschaft in Hamm-Uentrop jahrzehntelang mitbestimmt hat. Und der unter anderem von der A2 aus nicht zu übersehen war.
Da war das Wahrzeichen noch komplett: die Kühltürme in Hamm-Uentrop vor der Sprengung
Auch zwei deutlich kleinere Türme daneben werden kurz darauf abgerissen. Der Schutt wird für andere Neubauprojekte wiederverwertet, sagt damals der Betreiber RWE. Die Fläche des gesprengten Kühlturms wird zu einer Grünfläche. Ganz verschwunden ist das Kraftwerk am Hammer Horizont aber noch nicht. Die Kühltürme der Blöcke D und E stehen noch. Auch wenn das Kraftwerk mittlerweile keinen Strom mehr liefert.
Kirche St. Lambertus in Immerath
St. Lambertus ist eine ehemalige katholische Kirche in Immerath. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und war bekannt für ihre Doppeltürme. Bis sie dem Braunkohletagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier weichen musste. Weil der Tagebau immer größer wurde, wurde das gesamte Dorf Immerath einschließlich der Kirche abgerissen.
Der Abriss der Kirche St. Lambertus im Zeitraffer
00:17 Min.. Verfügbar bis 24.11.2027.
Schon im Jahr 2013 wurde die Kirche entweiht. Die Pläne, St. Lambertus abzureißen, stießen auf großen Widerstand, unter anderem von Denkmalschützern. In den vier Tagen, bevor die Kirche abgerissen wurde, konnte ein Ehepaar aus Mönchengladbach einen Teil der Kirchenfenster retten. Der Abriss der Kirche begann am 8. Januar 2018 und steht symbolisch für die Diskussion um den Kohleabbau und die damit verbundenen Auswirkungen.
Kurzwellenzentrum in Jülich
Mehr als 30 Stahltürme, bis zu 100 Meter hoch, rot und weiß angestrichen. Dazwischen große Antennennetze gespannt. Tagsüber ohnehin nicht zu übersehen, nachts mit Warnleuchten für Flugzeuge beleuchtet. Jahrzehntelang haben diese Antennenmasten des Sendezentrums Jülich die Landschaft auf der Merscher Höhe in Jülich bestimmt.
Aus dem Archiv: die Antennenmasten der Kurzwellen-Sendeanlage in Jülich
Anfang der 1950er Jahre hatte die Bundesrepublik entschieden, einen eigenen Auslandssender einzurichten. Mit Informationen aus Deutschland für die ganze Welt. Das Fernsehen war noch nicht so stark verbreitet, an Internet noch gar nicht zu denken. So blieb das Radio über Kurzwelle als ideales Medium. Dafür brauchte man die riesigen Antennentürme.
- Zum Beitrag: Kölner Fernsehturm Colonius: Wann erwacht das Wahrzeichen aus dem Dornröschenschlaf?
1956 wurden von Jülich aus die ersten Sendungen ausgestrahlt, 1960 hat dann die Deutsche Welle als eigenständiger Sender übernommen. Bis Mitte der 1990er Jahre, dann war die Zeit der Kurzwelle vorbei. Und 2010 auch die Zeit der Masten. Sie wurden abgerissen, mittlerweile steht auch das Sendezentrum nicht mehr. Jetzt entsteht auf dem Gelände ein Innovations- und Gründerzentrum. Und auch ein kleines Museum ist geplant, das die Erinnerung an das Kurzwellenzentrum in Jülich erhalten soll.
Bandelhütte am Hermannsdenkmal
Die sogenannte "Bandelhütte" war ein einmaliges Zeitzeugnis aus der Bauzeit des Hermannsdenkmals bei Detmold. In dem Blockhaus, das unterhalb des Denkmals stand, wohnte Ernst von Bandel während der jahrelangen Bauphase des Monuments. Er war der Architekt und Erbauer des Hermannsdenkmals, das bis heute eines der bekanntesten Denkmäler in Deutschland ist.
Die Bandelhütte am Hermannsdenkmal steht in Flammen
In der Bandelhütte brach im Dezember 2021 nachts ein Feuer aus, vermutlich durch einen technischen Defekt. Die Hütte ist dabei vollständig abgebrannt. Bis dahin konnten hier Besucher und Spaziergänger in einer Ausstellung mehr über die Baugeschichte des Hermannsdenkmals und über seinen Architekten Ernst von Bandel erfahren.
Tausendfüßler in Düsseldorf
"Tausendfüßler" - so wurde eine Hochstraße in Düsseldorf genannt, die 1962 eröffnet wurde. Die erhöhte Straße hat die Innenstadt durchquert und das Stadtbild geprägt. Der Name kommt von der charakteristischen Bauweise mit vielen Stützen und Pfeilern, die die Brücke getragen und an die unzähligen Beine eines Tausendfüßlers erinnert haben. Wegen ihrer Erscheinung, aber auch wegen ihrer bautechnischen Bedeutung wurde die Hochstraße sogar unter Denkmalschutz gestellt. Damals hätten Bürgerproteste den Abriss fast verhindert. Doch im Februar 2013 begannen die Abrissarbeiten, um mehr Platz für den geplanten Kö-Bogen zu haben.
Abriss des Tausendfüßlers in Düsseldorf von oben
Vorher konnten rund 35.000 Düsseldorfer Abschied von ihrem Tausendfüßler nehmen und ein letztes Mal über die Hochstraße gehen. Einige waren sogar mit Hammer und Meißel da, um sich ein kleines Stück des Düsseldorfer Wahrzeichens zu sichern.
Die letzte Begehung des Tausendfüßlers
00:30 Min.. Verfügbar bis 24.11.2027.
Heute ersetzt der Kö-Bogen-Tunnel den Tausendfüßler und führt den Verkehr unterirdisch durch die Düsseldorfer Innenstadt.
Schornstein des alten Heizkraftwerks in Bochum-Wiemelhausen
Mehr als 100 Jahre thronte der Schornstein des alten Heizkraftwerks in Bochum-Wiemelhausen über den Dächern der Stadt. Er war ein markantes Denkmal und ein Wahrzeichen der Industriegeschichte. Das Heizkraftwerk und der 60 Meter hohe Schornstein spielten eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung von Bochum und Umgebung. Seit 1905 hat das Heizkraftwerk die damalige Zeche Prinz Regent mit Energie versorgt und lieferte später Fernwärme an das frühere Opel-Werk und die Ruhr-Universität.
Das ehemalige Heizkraftwerk mit Schornstein vor der Sprengung
Doch dann schloss Opel den Standort und die Verträge mit der Universität liefen aus. Der Betreiber RWE legte das Heizkraftwerk im Jahr 2018 still. Am 1. April 2023 verschwand schließlich auch der Schornstein für immer. Die Bochumer Wirtschaftsentwicklung will die Fläche neu planen.
Stahlwerk Phoenix-Ost in Dortmund
Das Stahlwerk Phoenix-Ost in Dortmund wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Es gehörte zur Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, die dem Werk seinen Namen gab. Lange Zeit war der Standort für die Stahlproduktion im Ruhrgebiet wichtig. Phoenix-Ost sorgte für unzählige Arbeitsplätze. In der Folge entstanden mehrere Arbeitersiedlungen.
Historische Aufnahme Hermannshütte in Dortmund. Der Bereich wurde später Phoenix-Ost genannt
Im April 2001 wurde der Standort Phoenix-Ost stillgelegt und anschließend abgerissen. Seit 2010 gibt es an dieser Stelle einen künstlich angelegten See, den Phoenix-See.
Der Phoenix-See aus der Luft
Das kulturelle Erbe des Ruhrgebiets ist mit dem Abriss des Stahlwerks aber nicht ausradiert. Heute erinnert am Phoenix-See beispielsweise die sogenannte Thomasbirne an die Vergangenheit - eine Art großer Tiegel, in dem Stahl erzeugt werden konnte. Diese Umwandlung eines ehemaligen Stahlareals zu einem beliebten Ausflugsziel in Dortmund gilt als erfolgreiches Beispiel für Stadtentwicklung.