NRW bekommt eine weitere Waffenverbotszone: Künftig ist auf dem Hamborner Altmarkt in Duisburg unter anderem das Mitführen von Schusswaffen, Messern, Schlagstöcken, Elektroschockern und Pfefferspray untersagt. Der Bereich gilt spätestens seit einer Schießerei vor vier Jahren als Brennpunkt.
Die Verbotszone in Duisburg soll in dieser Woche in Kraft treten. Damit gibt es in NRW sieben Städte, die auf solche Bereiche zur Gewaltprävention setzen.
Wo gibt es Waffenverbotszonen?
In NRW gibt es seit Ende 2021 solche speziellen Bereiche. Den Start machten Köln und Düsseldorf. Bald folgten Bielefeld, Bonn, Hamm und Münster. Nun kommt Duisburg dazu.
Die Details stehen auf Schildern
"Die meisten Waffenverbotszonen gelten an Wochenenden sowie vor und an Feiertagen, einige auch an jedem Tag, rund um die Uhr", heißt es auf einer Internetseite der Polizei NRW. "Die Details sind auf Schildern an der jeweiligen Zone zu finden."
Dazu kommen noch einzelne Waffenverbotszonen, die temporär in einigen Städten gelten, zu bestimmten Uhrzeiten, in der Vorweihnachtszeit oder etwa bei Großveranstaltungen.
Was gilt in den einzelnen Städten?
Das ist unterschiedlich. Hier eine Übersicht:
- Bielefeld: Es gibt zwei Waffenverbotszonen, die rund um den Hauptbahnhof liegen und durch diesen getrennt sind. Im Bereich in der Innenstadt gilt das Verbot unter der Woche jeweils von 13 Uhr bis 1 Uhr nachts, Samstag und Sonntag sowie vor Feiertagen bis 6 Uhr morgens. Im anderen Bereich, am Boulevard, gilt die Waffenverbotszone jeweils an den Wochenendtagen von 20 bis 6 Uhr.
- Bonn: In Bonn gilt die Waffen- und Messerverbotszone das komplette Wochenende in der Innenstadt und in einem Teil des Hofgartens, ab Freitagmittag bis Montagnacht um 3 Uhr.
- Duisburg: Die jüngste Waffenverbotszone im Land liegt in Duisburg am Hamborer Altmarkt. Sie gilt jeden Tag zu jeder Uhrzeit.
- Düsseldorf: Die Düsseldorfer Altstadt wurde 2021 zu einer der ersten Waffenverbotszonen. Das Verbot gilt nachts am Wochenende, vor und an Feiertagen.
- Hamm: In Hamm gibt es die Waffenverbotszone auf der Südstraße und dem Santa-Monica-Platz zu festen Zeiten: an den Wochenenden und vor Wochenfeiertagen zwischen 18 und 6 Uhr.
- Köln: Der Wiener Platz war die erste dauerhafte Waffenverbotszone des Landes. Hier gilt das Waffenverbot jeden Tag rund um die Uhr. Darüber hinaus gibt es noch zwei weitere Zonen, an den Kölner Ringen und der Zülpicher Straße. Hier gilt das Verbot Freitag und Samstag und vor Wochenfeiertagen zwischen 20 und 6 Uhr.
- Münster: Rund um den Hauptbahnhof und den Bremer Platz gilt die Waffenverbotszone dauerhaft und rund um die Uhr. Auf den ersten Blick verwirrend: Der Bahnhofsvorplatz ist eine Waffenverbotszone, der dazugehörende Bahnhof aber nicht. Der Grund: Die Landespolizei hat vor dem Bahnhof ein generelles Waffenverbot durchgesetzt - im Bahnhof gilt aber das Recht der Bundespolizei. In der Vorweihnachtszeit im vergangenen Jahr wurde auch der Bahnhof zur temporären Verbotszone.
Was ist dort genau verboten?
Eine Waffenverbotszone ist ein mit Schildern gekennzeichneter Bereich, in dem das Mitführen von Waffen und Messern über die bereits geltenden Regelungen des Waffengesetzes hinaus verboten. Schuss- und Schreckschusswaffen, Messer, unabhängig von der Klingenlänge, aber auch Fake-Waffen, die echten täuschen ähnlich sehen, Reizgas und Elektroschockgeräte sind davon betroffen.
Das gilt grundsätzlich für alle Menschen, die sich in einer solchen Zone aufhalten. Aber es gibt Ausnahmen, zum Beispiel für Handwerker, die Feuerwehr oder Sicherheitsdienste.
Warum gibt es Waffenverbotszonen überhaupt?
Ausgehmeile: Düsseldorfer Altstadt
Anlass für die Einführung von Waffenverbotszonen in NRW waren laut NRW-Innenministerium wiederholte Vorfälle in der Düsseldorfer Altstadt und auf den Kölner Ausgehmeilen, bei denen Messer im Spiel waren.
Was bringen Waffenverbotszonen?
NRW-Innenminister Herbert Reul
Das ist umstritten. Die Befürworter versprechen sich davon mehr Sicherheit. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zog ein Jahr nach der Einführung der Waffenverbotszonen in Köln und Düsseldorf positive Bilanz.
Jede Waffe, jedes Messer, das wir aus dem Verkehr ziehen, nimmt etwas kriminelle Energie von der Straße und verletzt keine Menschen mehr. Herbert Reul, NRW-Innenminister (CDU)
Für die Polizei heißt das Bestehen einer Waffenverbotszone, dass sie dort ohne Anlass Personen auf das Tragen von Messern und dergleichen kontrollieren darf - und die Waffen sicherstellen darf. Wer gegen das Waffenverbot verstößt, muss mit einer Geldbuße von bis zu 10.000 Euro rechnen.
Ende 2024 zog die Polizei Düsseldorf Bilanz: Drei Jahre nach Einführung der Waffenverbotszone hatte sie über 73.000 Menschen kontrolliert und dabei 569 Messer und 184 sonstige Waffen gefunden.
In Köln sichergestellt
Von den Erfolgen berichten auch die Polizisten aus Köln. Ein Jahr nach Einführung der Waffenverbotszonen sei die Kriminalität in den beiden Bereichen deutlich zurückgegangen, allein in den ersten Monaten habe man auf dem Wiener Platz rund 200 Messer sichergestellt.
Welche Kritik gibt es an den Zonen?
Rafael Behr, ehemaliger Professor an der Polizeiakademie Hamburg, sieht die Gefahr des sogenannten Racial Profiling. Die Polizei würde allein "auf Sicht" handeln und möglicherweise vor allem junge Männer mit dunkler Hautfarbe kontrollieren.
Der Wiener Platz war die erste permanente Waffenverbotszone in NRW
Aus Düsseldorf berichten Streetworker Ähnliches von den ersten Kontrollen in der Anfangszeit. Nach Gesprächen soll das aber mittlerweile besser laufen.
Gibt es Alternativen zu den Zonen?
Ja, es werden auch andere Wege gewählt - zum Beispiel in Solingen. In der Innenstadt hatte Anfang April ein Mann zwei Menschen mit einem Messer schwer verletzt. Trotzdem verfolgt die Stadt eine andere Strategie: Sie will die gemeinsamen Streifen von Polizei und Ordnungsamt in der Innenstadt weiter ausbauen, eine Messerverbotszone dagegen nicht vorantreiben.
Solche Zonen seien mit einem hohen Personalaufwand verbunden, aber Einzelfälle könnten trotzdem nicht verhindert werden, so ein Stadtsprecher.
Unsere Quellen:
- Infos der Polizei NRW zu Waffenverbotszonen im Land
- Anfrage beim NRW-Innenministerium
- bisherige WDR-Berichterstattung
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Bald sind es sieben in NRW - was bringen Waffenverbotszonen?, 29.04.2026, 06:00 Uhr

