Erster Tag der Sperrung der Nordbrücke in Bonn
WDR. 01:51 Min.. Verfügbar bis 04.06.2028.
Die Ausweichstrecken werden voller, auch die Stadtwerke melden ein ungewöhnlich hohes Verkehrsaufkommen für einen Brückentag. Die Rheinbrücke Bonn-Nord ist seit Mittwochnachmittag komplett gesperrt. Auch Radfahrer und Fußgänger dürfen die Brücke nicht mehr nutzen.
Die Sperrung trifft eine der wichtigsten Rheinquerungen der Region. Viele Pendler müssen sich ab Freitag auf andere Wege über den Rhein einstellen. Besonders im Bonner Stadtgebiet und auf den Ausweichstrecken ist dann deutlich mehr Verkehr zu erwarten.
Update: Kommunale Task Force beschließt erste Maßnahmen
Die kommunale Task Force Nordbrücke hat nun erste Ad-hoc-Maßnahmen eingeleitet: Neben der Sperrung der unterliegenden Römerstraße für zunächst 14 Tage wurden Rettungspläne angepasst und Homeoffice-Regelungen für städtische Beschäftigte ausgeweitet.
Während die Autobahn GmbH das Bauwerk untersucht, prüft die Stadt Bonn unter Hochdruck weitere Entlastungen wie Taktverdichtungen im ÖPNV, zusätzliche P&R-Plätze, optimierte Radwegeführungen sowie Ummarkierungs- und Umbaumöglichkeiten von Spurführungen. Oberbürgermeister Guido Déus drängt zudem bei Bund und Land auf einen beschleunigten Neubau, warnt jedoch vor massiven Verkehrsbehinderungen im bereits stark belasteten Stadtgebiet.
Bundesverkehrsminister am Freitag vor Ort
Patrick Schnieder wird sich am Freitag, den 5. Juni 2026 um 14 Uhr, gemeinsam mit Staatssekretärin Frau Dr. Stutz vor Ort ein Bild von der Lage machen.
"Die Bonner Nordbrücke ist eine Lebensader für die gesamte Region. Wir werden jetzt so schnell wie möglich klären, welche Belastung die Brücke noch aushält und wie das weitere Vorgehen sein kann. Ich werde einen Lenkungskreis einberufen unter Leitung meiner Staatssekretärin Dr. Stutz und alle Beteiligten an einen Tisch holen, damit wir ohne Zeitverzug zur best- und schnellstmöglichen Lösung kommen." Patrick Schnieder, Bundesverkehrsminister
Überraschende Sperrung am Mittwoch
Die Vollsperrung war am Mittwoch sehr kurzfristig angekündigt worden. Die Autobahn GmbH hatte mitgeteilt, dass bei aktuellen Prüfungen strukturelle Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke festgestellt worden seien. Deshalb müsse die Brücke vorsorglich gesperrt werden.
Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH des Bundes
Schon vorher gab es Einschränkungen: Lkw über 7,5 Tonnen durften die Brücke nicht mehr benutzen. Für die Einhaltung wurden technische Kontrollen eingerichtet. Trotzdem hätten sich die Schäden in den vergangenen Tagen vergrößert, sagte Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH des Bundes. Es gebe unter anderem Schäden an Baustahl und Beton, außerdem hätten sich Risse vergrößert.
Sperrung wird dauern
Eine Brücke, die für den gesamten Verkehr gesperrt werden müsse, habe "allerhöchste Priorität", sagt Brandenburger, der mit dem Auto aus Berlin zur Brücke angereist war. Die Autobahn GmbH konzentriere nun alle Kräfte auf die Bonner Nordbrücke. Auch eine eigene Taskforce sei eingerichtet worden.
Die Autobahn GmbH will die Brücke nun genauer untersuchen und neue statische Berechnungen machen. Innerhalb der nächsten 14 Tage hoffen sie auf ein genaueres Lagebild. Bis dahin bleibt die Brücke gesperrt. Ob sie danach zumindest teilweise wieder freigegeben werden kann, ist offen.
"Es ist ein schwerer Schlag für Bonn und für die ganze Rhein-Sieg-Region und es ist auch ein schwerer Schlag für uns als Autobahn GmbH" Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH des Bundes
Bonn sucht Entlastung für den Stadtverkehr
Die Stadt Bonn prüft, wie der Verkehr in der Stadt möglichst gut umgeleitet werden kann. Für Autofahrer bleiben in Bonn vor allem die Kennedybrücke in der Innenstadt und die Südbrücke als Rheinquerungen. Dadurch könnte sich der Verkehr stärker auf diese Achsen verlagern. Die eigentliche Belastungsprobe dürfte erst nach dem Feiertag kommen, wenn mehr Pendlerverkehr unterwegs ist.
Mehr Betrieb an der Fähre Mondorf
Autos nutzen vermehrt die Fähren um den Rhein zu überqueren
Mehr los ist seit der Sperrung an der Fähre Mondorf. Schon am Mittwoch wurde dort zeitweise eine zweite Fähre eingesetzt. Einen Tag nach der Sperrung war nur eine Fähre unterwegs. Trotzdem war dort mehr Betrieb als sonst an einem Feiertag.
Auffangen kann die Fähre den Verkehr der gesperrten Nordbrücke aber nicht. Nach Angaben der Autobahn GmbH querten täglich rund 100.000 Fahrzeuge die Bonner Nordbrücke. Maler und Lackierer Thomas Fitzner aus Troisdorf überlegt inzwischen, ob er Aufträge in Bonn zukünftig überhaupt noch annehmen kann.
Auch Sabine Harder ist wegen der Sperrung auf die Fähre ausgewichen. Die Fähre sei die einzige Möglichkeit, die ihr bleibe, sagte sie dem WDR. Sie sei kurz davor gewesen, über Rodenkirchen zu fahren. Durch die Fähre habe sich ihre Fahrtzeit halbiert. Harder nennt die Fährleute deshalb "Helden des Alltags".
Unsere Quellen:
- Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH des Bundes
- Stadt Bonn
- WDR-Reporter vor Ort
- Gespräche mit Autofahrern vor der Mondorfer Fähre
Sendung: WDR.de, Update nach Sperrung der Bonner Nordbrücke, 04.06.2026, 15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 04.06.2026, 16 Uhr