Taskforce gegen Verkehrschaos wegen Sperrung der Nordbrücke in Bonn | Aktuelle Stunde
WDR. 00:28 Min.. Verfügbar bis 06.06.2027.
Sperrung der Nordbrücke : Stadt Bonn will das ganz große Chaos verhindern
Stand:
Während es auf der Bonner Nordbrücke ungewöhnlich still ist, gehört lautes Autohupen inzwischen zum Alltag auf vielen Bonner Straßen, gerade im Berufsverkehr. Oberbürgermeister Guido Déus und andere Akteure versuchen jetzt alles zu tun, um das ganz große Chaos zu verhindern.
Es war eine lange Sitzung am Samstagvormittag. Mehr als drei Stunden dauerte die Sitzung der Taskforce mit dem Bonner OB, den zuständigen Dezernaten der Verwaltung, den Stadtwerken Bonn und der Autobahn GmbH. Herausgekommen sind erste Sofortmaßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass Pendler in Bonn trotz gesperrter Nordbrücke schneller über den Rhein kommen.
Wie die Stadt in einer Pressemitteilung schreibt, sollen schon ab Montag Park-&-Ride-Plätze und ein Vorrang für die Stadtbahnlinie 66 Entlastung bringen.
Geplante Notmaßnahmen der Stadt Bonn
P&R-Parkplatz auf dem Pützchens-Markt-Gelände
- Einrichtung eines zusätzlichen Park-and-Ride-Platzes auf der Festwiese von Pützchens Markt
- Start möglichst ab Montag, 8. Juni 2026
- Shuttleverkehr durch die SWB vom P&R-Platz zum Haltepunkt Vilich
- Informationen durch die SWB u. a. über Social Media
Bevorrechtigung der Linie 66
- Entkopplung der Linie 66 vom übrigen Straßenverkehr auf der B56 (St.-Augustiner-Straße)
- Betroffener Bereich: zwischen Combahnstraße und Königswinterer Straße/Niederkasseler Straße
Neue Verkehrsführung für den Radverkehr
- Umleitung des Radverkehrs Richtung Innenstadt über den Bröltalbahnweg
- Neue Vorrangroute durchs Combahnviertel
- Stadtauswärts Führung um den Friedhof herum
Weitere geprüfte Maßnahmen
- Umgang mit Umweltspuren am Hermann-Wandersleb-Ring und auf der Oxfordstraße
- Weitere Shuttleverkehre von zusätzlichen kurzfristigen P&R-Plätzen
Stadtrat muss entscheiden
Über weitere Ideen wie zusätzliche Shuttlelinien, Änderungen bei Umweltspuren und eine bessere Nutzung von Kennedybrücke und Adenauerallee entscheidet der Stadtrat voraussichtlich in der kommenden Woche. Die Task Force Nordbrücke will in der kommenden Woche wieder tagen.
"Es ist erstmal sehr beruhigend, dass wir so viel Unterstützung von Bund und Land bekommen", hatte Bonns OB Guido Déus (CDU) im Live-Interview in der Lokalzeit aus Bonn am Freitag (05.06.2026) gesagt. "Aber wir sind konkret gefordert, Abhilfe zu schaffen im innerstädtischen Netz. Und damit haben wir direkt losgelegt".
Städtische Taskforce tagte innerhalb einer Stunde
Nur eine Stunde, nachdem sie am Mittwochnachmittag, dem 03. Juni 2026, von der Sperrung erfahren haben, hätten sich alle wichtigen Akteure der Stadt zusammengesetzt, erklärt Déus. Das Planungsamt, die Stadtwerke, die Polizei, die Rettungsdienste und viele mehr.
"Unsere Hauptlösung liegt darin, mehr ÖPNV auf die Straße zu bekommen." Guido Déus, Oberbürgermeister Bonn
Guide Déus unterhält sich mit Mitarbeitern der Autobahn GmbH über mögliche Lösungen
So sollen die Busse und Bahnen künftig öfter fahren. Und in Absprache mit den Stadtwerken sollen viel befahrene Knotenpunkte im ÖPNV ausgebaut werden.
"Die Menschen haben kein Verständnis dafür, dass wir uns mit Sanierungsstau versuchen rauszureden. Also heißt es: Ärmel hochkrempeln und an allen Stellen, wo man kann, anpacken!" Guido Déus (CDU), Oberbürgermeister Stadt Bonn
"Manche Entscheidungen der letzten Jahre kurzfristig zurücknehmen"
Trotz ÖPNV-Ausweitung wird der Verkehr auf den Straßen vermutlich enorm. "Wir haben ja keine großen Ausweichmöglichkeiten, außer der Kennedybrücke und der Südbrücke", erklärt Déus. Auf den Ausweichstrecken soll der Verkehr daher jetzt besser geregelt werden.
"Wir müssen auch in Frage stellen, ob alle Einschränkungen des Verkehrs, die in den letzten Jahren gemacht worden sind, so richtig sind", so Déus. Große Priorität habe dabei auch sicherzustellen, dass Rettungsdienste auf beiden Rheinseiten durchkommen und Schüler zur Schulen kommen.
Unternehmen zögerlich bei Homeoffice
Die Stadt Bonn bietet ihren Mitarbeitern außerdem mehr Homeoffice an und ruft auch andere Unternehmen dazu auf. Große Firmen, etwa die DHL und Telekom, sind aber zögerlich. "Wir versuchen nach der Corona-Zeit gerade, die Leute wieder mehr fürs Arbeiten vor Ort zu gewinnen", so ein Telekom-Sprecher.
Auch ein DHL-Sprecher erklärt, dass sie zumindest erstmal nicht mehr Homeoffice anbieten wollen. "Diese Vereinbarungen werden nun auch nicht ad hoc durch eine Sperrung außer Kraft gesetzt. Das heißt aber nicht, dass es dazu nicht auch sinnvolle Ausnahmen geben kann." Beide wollen aber beobachten, wie sich die Verkehrslage entwickelt.
Rheinfähre Mondorf erhöht ihre Taktung
Auch die Rheinfähre Mondorf soll entlasten
Nicht nur die Stadt sucht konkrete Lösungen. Auch die Rheinfähre Mondorf hat direkt reagiert und setzt im Berufverkehr jetzt eine zweite Autofähre zwischen Niederkassel-Mondorf und Bonn-Graurheindorf ein. Pro Stunde können sie rund 560 Fahrzeuge über den Rhein bringen.
Verkehrschaos durch Veranstaltungen erwartet
Durch den Feiertag am Donnerstag und den Brückentag am Freitag wird erst der kommende Montag so richtig zeigen, wie der Verkehr an einem normalen Werktag aussieht. "Ich rechne mit einem gewissen Verkehrschaos", gibt Déus zu.
Luftaufnahme der leeren Nordbrücke in Bonn
Eine Herausforderung werden auch der Bonner Triathlon am Sonntag und die UN-Klimaverhandlungen in Bonn, bei der ab Montag zehn Tage lang Vertreter aus Politik und Wissenschaft über Klimathemen beraten.
Hoffnung auf eine schnelle Lösung
Unterdessen macht der Bürgermeister von Lüdenscheid, Sebastian Wagemeyer (SPD), seinem Amtskollegen Mut. Mit der Rahmedetalbrücke gab es dort eine ganz ähnliche Situation. Die Sperrung hatte da aber nur vier Jahre gedauert.
"Ich drücke der Region Bonn die Daumen, dass was wir in Lüdenscheid erlebt haben, auch da möglich ist", sagte er im Interview mit dem WDR 5 Morgenecho.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Oberbürgermeister Guido Déus
- WDR-Interview mit dem Team der Mondorfer Fähre
- WDR-Gespräch mit der DHL Group
- WDR-Gespräch mit der Deutschen Telekom
- WDR-Interview mit Sebastian Wagemeyer (SPD)
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 05.06.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 06.06.2026, 18 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.06.2026, 18:45 Uhr
