Erster Werktag nach Brückensperrung: So war der Tag in Bonn
Aktuelle Stunde . 08.06.2026. 30:12 Min.. UT. Verfügbar bis 08.06.2028. WDR. Von Britta Schwanenberg.
Der Verkehr verlagert sich nach der Sperrung auf die parallel verlaufenden Rheinquerungen, die schon am frühen Montagmorgen stark überlastet waren. Am frühen Nachmittag sah die Situation mit Beginn des Feierabendverkehrs nicht besser aus: Die Bundesstraßen - vor allem die B9 und B56 - seien "rappelvoll", hieß es vom WDR-Verkehrsstudio.
Wer über die Kennedybrücke in die Innenstadt wolle, müsse eine Stunde mehr einplanen. Es sehe so aus, als sei die Situation innerstädtisch nicht so schlimm wie in Lüdenscheid nach dem Ausfall der Rahmedetalbrücke. Nebenstrecken - etwa als Ausweichroute für Rettungsfahrzeuge - könnten noch frei sein. Genau lasse sich das bei dem hohen Verkehrsaufkommen aber nicht sagen.
B56 - Unfall und Stau am frühen Morgen
Auf der B56 staute es sich am frühen Montagmorgen in Fahrtrichtung Bonn - aus Sankt Augustin kommend waren es gegen 8.40 Uhr etwa 4 Kilometer. Die Wartezeit lag dort bei ungefähr 49 Minuten. Auch in der Gegenrichtung dauerte es eine halbe Stunde länger.
Unfall auf der Ausweichstrecke B56
Stau gab es aber nicht nur, weil die B56 Ausweichstrecke ist - es kam dort auch zu einem Unfall. Laut Polizei war ein Lkw gegen eine Stadtbahn gefahren, verletzt wurde niemand.
Schon vor 7 Uhr dauerte es auf der B56 30 Minuten länger - "heftig für diese Uhrzeit", sagt die WDR-Verkehrsredaktion. Im Laufe des morgendlichen Berufsverkehrs nehme der Stau in der Regel bis 8.30 Uhr zu, danach ebbe er wieder ab.
Die Rheinbrücken in Bonn
Stau auf der A562
Auch auf der A562 war es voller als sonst. Der Stau begann am Morgen schon weit vor der Brücke und ging im Bonner Stadtgebiet weiter - zwischenzeitlich waren es 25 Minuten Wartezeit und 7 Kilometer Stau und stockender Verkehr.
WDR-Reporter Christian Schmitz vor Ort zur Sperrung der Nordbrücke in Bonn | Video
WDR. 00:35 Min.. Verfügbar bis 08.06.2028.
Verkehr auf der A4 stockte ab Köln
Auch ab Köln staute es sich in der Früh: In Fahrtrichtung Aachen auf der A4 zwischen Dreieck Heumar und Kreuz Köln-Süd gab es gegen 7.40 Uhr 8 Kilometer stockenden Verkehr, es dauerte 20 Minuten länger. Eine Stunde später gegen 8.40 Uhr waren es 11 Minuten und 3 Kilometer stockender Verkehr.
Schwerlastverkehr und Fahrradfahrer
Auf der Bonner Kennedybrücke beobachtete ein WDR-Reporter am Morgen viel Schwerlastverkehr, der sonst nicht durch die Innenstadt fährt – und außerdem ungewöhnlich viele Fahrradfahrer. Offenbar waren viele Pendler aufs Rad umgestiegen.
WDR 2-Reporter Fabian Raphael war am Morgen mit dem Fahrrad in Bonn unterwegs und berichtete im WDR 2 Morgenmagazin live über die Situation:
Oberbürgermeister Guido Déus und die Stadt versuchen, das große Chaos zu verhindern. Wie die Stadt in einer Pressemitteilung schreibt, sollen etwa Park-&-Ride-Plätze und ein Vorrang für die Stadtbahnlinie 66 Entlastung bringen. Konkret wird ein Park-&-Ride-Parkplatz auf der Festwiese von Pützchens Markt und von dort ein Shuttleservice zum Haltepunkt Villich der Stadtbahnlinie 66 eingerichtet:
Auch die Stadtbahnlinie stand im Stau
Wie das in der Praxis aussieht, schilderte ein Fahrer der Stadtbahnlinie 66 im WDR 2 Morgenmagazin. Von "Vorrang" sei im dichten Verkehr wenig zu spüren, sagt er. An einem Nadelöhr müsse die Bahn sich den Straßenraum mit Lkw teilen – und da komme man dann oft nicht vorbei.
"Das heißt auch für uns: bis zu einer Stunde oder zwei Stunden dort stehen." Fahrer der Stadtbahnlinie 66
Nordbrücke Bonn gesperrt: Umleitungen und Alternativen
Die Empfehlung des WDR-Verkehrsstudios für den Fernverkehr lautet, Bonn weiträumig zu umfahren - etwa über die A3 oder die A61. Für alle, die nach Bonn müssen, ist es schwierig - wer von der östlichen Rheinseite ins Stadtzentrum will, muss über den Rhein fahren. Dafür bleiben aktuell nur die B56 und die A562.
Stau mit Navi umfahren?
Mit Navi fahren kann helfen, muss es aber nicht. Warum das Navi nicht immer die beste Route hat, erklärt ein Mobilitätsforscher hier:
Empfehlung der WDR Verkehrsredaktion
Die WDR Verkehrsredaktion rät außerdem:
- Wenn möglich antizyklisch fahren, also dann, wenn nicht alle fahren
- Alternativen suchen, das Auto stehen lassen – Pendlerparkplätze anfahren
- Wenn möglich mit dem Rad fahren
Man müsse sich darauf einrichten, dass jetzt im Berufsverkehr alles eine halbe Stunde bis Stunde länger dauert. Jeden Tag. "Das ist wie Lüdenscheid."
Bonner Nordbrücke: Wie lange gesperrt?
Der Chef der Autobahn GmbH des Bundes, Michael Güntner, erklärte, derzeit sei unklar, ob die Brücke überhaupt noch einmal geöffnet werden könne oder dauerhaft geschlossen werden müsse. Man untersuche derzeit mit Hochdruck, ob zumindest eine eingeschränkte Nutzung der Nordbrücke wieder ermöglicht werden kann. Ergebnisse werden innerhalb der kommenden zwei Wochen erwartet.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte, der Bund werde "mit aller Kraft dafür eintreten, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten und so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen".
Bonner Nordbrücke gesperrt - warum?
Die Brücke war am Mittwoch (03.06.2026) wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Unter anderem waren Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt worden.
Dass die Bonner Nordbrücke marode ist, war schon seit vielen Jahren bekannt. Trotzdem stand ihre Sanierung erst für das Jahr 2030 auf dem Plan, wie WDR-Recherchen zeigen. Auch Ideen für ihre Entlastung gibt es bereits seit den 1980er Jahren. Laut Autobahn GmbH aber befindet sich das Projekt noch heute in einem "ganz frühen Planungsstadium".
Bis zur Sperrung fuhren täglich Hunderttausende Autos über die Bonner Nordbrücke. Durch Umleitungen verlängert sich für viele jetzt die Fahrt zur Arbeit.
Unsere Quelle:
- WDR-Verkehrsstudio
- Polizei Bonn
- Beobachtungen von WDR-Reportern vor Ort
Sendung: WDR 2, Morgenmagazin, 08.06.2026, 05:00 Uhr