Wasser wird knapp: Trinkwassermangel in Teilen von NRW
Aktuelle Stunde . 26.05.2026. 41:50 Min.. UT. Verfügbar bis 26.05.2028. WDR. Von Anne Bielefeld.
Es ist heiß. Seit Tagen schwitzen wir und die Hitze soll noch bis nächste Woche anhalten. Und so ist in den zuletzt trockenen und warmen Tagen der Wasserbedarf sprunghaft angestiegen. Laut Wasserbeschaffungsverband "Am Wiehen" liegt der Mehrverbrauch je Kommune im Vergleich zum vergangenen Donnerstag (21. Mai 2026) aktuell bei bis zu 40 Prozent.
Minister: Kein Wassermangel in NRW
Jetzt warnen mehrere Stadtwerke und Wasserverbände, dass in Jülich und in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford Wasser gespart werden soll. Pools sollen nicht mehr befüllt und Gärten nicht mehr bewässert werden. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) beruhigt jedoch: "Es gibt derzeit keinen akuten Wassermangel in Nordrhein-Westfalen."
Nach einem überwiegend kühlen und feuchten Mai seien die Temperaturen in den vergangenen Tag sprunghaft auf hochsommerliche Werte angestiegen. Das führe zu einer deutlich gestiegenen Wassernachfrage.
Einige wenige Wasserwerke in NRW kommen aufgrund technischer Restriktionen bei Speichern und Leitungen an Grenzen, diese sprunghaft gestiegene Nachfrage kurzfristig zu decken. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne)
Krischer ruft zum Wassersparen auf
Da heiße und trockene Wetter in NRW wochenlang anhielten, sollten alle Verbraucher so sparsam wie möglich mit Wasser umgehen, so Krischer. "Die Wasserversorgung ist in NRW überall gut aufgestellt und gesichert. Aber in Zeiten des Klimawandels mit langen Hitze- und Dürreperioden gehen auch die größten Vorräte irgendwann zu Neige."
Sonst kennen wir solche Warnungen vor allem aus dem Hochsommer. Warum dieses Jahr schon im Mai?
Netzproblem in Ostwestfalen
Wenn alle Gartenbesitzer gleichzeitig ihren Rasen wässern, kann es zu Problemen kommen.
"In Ostwestfalen ist es vor allem ein Netzproblem", sagt Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker. Dabei sei nicht das Problem, dass es generell zu wenig Trinkwasser rund um Rheda, Rietberg und Verl gibt, sondern dass vor allem abends alle gleichzeitig den Hahn aufdrehen und das Netz nicht darauf ausgelegt ist: "Abends duschen viele und bewässern ihre Gärten", erklärt Becker.
Speicher in Jülich nicht ausreichend
Auch in Jülich befinden sich die Wasserverbräuche auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. "Besonders in den Nachtstunden, in denen sich die Wasserspeicher normalerweise nachfüllen, hat sich der Verbrauch mehr als verdoppelt", beobachtet Uwe Macharey, Technischer Leiter der Stadtwerke Jülich.
Zwar habe der Versorger zwei große Reservoirs, in denen er bis zu 5.000 Kubikmeter Wasser speichern kann. "Die dortigen Vorräte sinken zunehmend", so Macharey weiter.
Neues Wasserwerk soll höheren Umlauf garantieren
Umso wichtiger sei der eingeleitete Bau des neuen Wasserwerks, der deutlich höhere Aufbereitungskapazitäten und Abgabemengen ermöglichen soll. Wie lange die Wasserknappheit in Jülich andauern wird, ist zurzeit nur schwer vorherzusagen. "Das ist abhängig vom Wetter der kommenden Tage", so Macharey.
Immer mehr Pools
Parallel zu den Temperaturen ist offenbar auch die Zahl der privaten Pools in Gärten in den letzten Jahren gestiegen: Laut einer Datenanalyse von Immobilienscout 24 hat sich die Zahl der angebotenen Häuser mit Pool zum Kauf in der Zeit zwischen 2014 und 2024 verdreifacht. Bei den Mietangeboten gab es 2024 doppelt so viele Pools wie zehn Jahre zuvor.
Wasserknappheit beschäftigt Land und Kommunen
Die Einschätzung des Städte- und Gemeindebunds NRW ist, dass aktuell eher Gegenden betroffen sind, in denen Grundwasser für die Versorgung mit Trinkwasser entscheidend ist: "Grundwasserkörper füllen sich nur über sehr lange Zeiträume wieder auf und stehen durch den Klimawandel zusätzlich unter Druck", sagte ein Sprecher dem WDR.
"Auch wenn Wasserknappheit momentan kein Thema in ganz NRW ist, sind die Vorsorge hinsichtlich Mangellagen und der Umgang mit ihnen etwas, womit sich das Land und die Kommunen intensiv beschäftigen", versichert der Verband.
Durch längere Trockenzeiten werde es in der Zukunft voraussichtlich öfter zu Engpässen kommen. Im Notfall müsse immer erst dafür gesorgt werden, dass genug Trinkwasser da ist.
Unsere Quellen:
- Gelsenwasser GmbH
- LANUK NRW
- Städte- und Gemeindebund NRW
- Stadtwerke Jülich
- Immobilienscout24
Sendung: WDR5, Tag um 12, 26.05.2026, 12:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.05.2026, 18:45 Uhr