Diese Geräusche sorgen bei manchen von uns für Stress | WDR aktuell

WDR 02:10 Min. Verfügbar bis 29.04.2028

Tag gegen Lärm Diese Geräusche sorgen bei manchen von uns für Stress

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Ob Straßenverkehr, Gänsegeschnatter oder Partyvolk: Lärm hat viele Formen und Ursprünge. Ein Überblick.

Lärm ist laut. Lärm nervt. Lärm macht krank. Laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA ist jede vierte Person in Deutschland von zu viel Lärm betroffen. Vor allem Verkehrslärm gefährdet die Gesundheit und zählt neben Luftverschmutzung und zu hoher Temperatur zu den größten umweltbedingten Risikofaktoren.

73.000 Menschen sterben laut EEA in Europa vorzeitig wegen chronischer Lärmbelästigung, noch viel mehr leiden an Depressionen, Herzkreislauf-Erkrankungen, Konzentrationsschwächen und Schlafstörungen.

Um das Problem noch weiter ins Bewusstsein zu rücken, wurde der "Tag gegen Lärm" ins Leben gerufen, der jedes Jahr am 29. April begangen wird. Doch Lärm gibt es in den verschiedensten Formen, die noch zudem individuell unterschiedlich empfunden werden. Was dem einen tierisch auf die Nerven geht, ist von anderen gern gehört. Über diese Lärmarten wird bei uns immer wieder gestritten:

1

Straßenverkehr

Etwa drei Viertel der Bevölkerung fühlt sich durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt, hat das Bundesumweltamt in einer Umfrage festgestellt. Aber der Lärm, der auf unseren Straßen entsteht, ist vielfältig: Von der Autobahn, die hinter dem Grundstück entlang verläuft, bis zum warnenden Piepsen der rückwärtsfahrenden Lkw, die jeden Morgen den Supermarkt in der Nachbarschaft beliefern.

Ein Motorradfahrer fährt in der Eifel durch eine Kurve

Verkehrslärm ist gesundheitsgefährdend

Auch Motorräder sind eine Lärmquelle, vor allem in ländlichen Regionen wie im Sieger- und Sauerland oder in der Eifel. Hier haben sich daher schon vor ein paar Jahren mehrere Gemeinden zusammengeschlossen. Ziel der Initiative "Silent Rider": Eine Schallobergrenze, strengere Strafen und ein Verbot von Zubehör, das einzig dazu dient, die Motorengeräusche zu verstärken. "Jeder Mensch soll sich seine Hobbys frei aussuchen dürfen", sagt Ingo Pfennings, Bürgermeister von Schleiden: "Aber nicht zu dem Preis, dass andere belästigt werden oder gar gesundheitliche Schäden davontragen."

Unterstützt wird die Kampagne dabei unter anderem vom Land NRW. Denn Lärm ist kein Privatproblem, sondern etwas, worum sich der Staat kümmern muss. Im vergangenen Jahr hat die NRW-Landesregierung eine "Lärmminderungsstrategie" beschlossen. Regelungen zum Schutz vor Verkehrslärm sollen verbessert werden, für Ballungsräume und an Hauptverkehrsadern gibt es Lärmaktionspläne.

2

Fluglärm

Zwei Eurofighter in der Luft

Tiefflieger in nur 75 Metern Höhe

Am Niederrhein und im Sauerland sind es Tiefflieger, die Lärm erzeugen: Zuletzt geschah das Mitte April im Kreis Kleve, als Eurofighter und Tornados im Rahmen der Übung "Angry Eagle" ("wütender Adler") in nur 75 Metern Höhe über die Landschaft flogen.

In städtischen Gegenden sind es dagegen vor allem die Verkehrsflughäfen, die die Anwohner stressen: Ob in Düsseldorf oder Dortmund, ob in Köln und Bonn oder in der Nähe vom Flughafen Münster/Osnabrück. Beschwerden, Prozesse und Bürgerinitiativen gibt es überall.

Besonders in Köln und Bonn gibt es immer wieder Ärger. Denn der Flughafen ist einer der wenigen im Land, bei dem es kein generelles Nachtflugverbot gibt. Die Politik ist dabei in der Zwickmühle: Einerseits hat sich die schwarz-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag dazu bekannt, Fluglärm zu reduzieren und die Nachtruhe zu schützen. Andererseits ist der Kölner Flughafen ein wichtiges Logistikdrehkreuz mit wirtschaftlicher Bedeutung.

3

Party, Disco, Kneipe

Gerade in Städten gibt es immer wieder Probleme mit Ausgehvierteln und Feiermeilen. Die einen öffnen das Bier, die anderen schließen das Fenster. So wie in Bielefeld zum Beispiel, wo in den vergangenen Jahren der Bach Lutter wieder freigelegt wurde. Laut Stadt wurde damit "ein beliebter Anlaufpunkt für die Bevölkerung" geschaffen. Allerdings hat Beliebtheit auch ihre Schattenseiten. Denn schnell gab es Beschwerden von Anwohnenden über Müll, Gegröhle und einen permanent hohen Geräuschpegel in den Abend- und Nachtstunden. Die Folge: Polizei und Ordnungsamt mussten immer wieder einschreiten.

Brüsseler Platz in Köln im Sommer

Die einen wollen feiern, die anderen ihre Ruhe

In Köln ist der Brüsseler Platz ist seit Jahren ein Streitpunkt: Gerichtsprozesse, Vermittlungsversuche, verstärkte Präsenz der Behörden. Doch eine Lösung wurde lange nicht gefunden. Nun gilt dort zwischen 21 und 6 Uhr ein Alkoholverbot, die Stadt will strenger kontrollieren. Ansonsten wird es teuer: Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass die Stadt 5.000 Euro Zwangsgeld zahlen muss, wenn sie nicht für ausreichenden Lärmschutz sorgt.

4

Windräder

Ein Windrad auf einem Feld

Windräder sind lauter als viele denken

Dass Windräder nervige Geräusche machen, glauben viele erst, wenn sie mal in die Nähe kommen. Nicht umsonst gibt es Auflagen, die festlegen, wie viel Abstand zwischen einem Windrad und der nächsten Siedlung bestehen muss.

In Ottmarsbocholt im Kreis Coesfeld gibt es derzeit Streit zwischen Behörden, Windradbetreibern und Anwohnern. Die sagen: Die Windräder sind zu laut und überschreiten die Grenzwerte. Der Kreis hat gemessen und sagt: Alles in Ordnung. Allerdings, so der Vorwurf, sollen die Messungen nicht unmittelbar an den Häusern der Anwohner durchgeführt worden sein. Gelöst ist der Konflikt jedenfalls noch lange nicht, und es ist nicht der einzige Streit dieser Art.

5

Spielplätze und Schulhöfe

Schüler auf dem Pausenhof der Freien Waldorfschule

Kinderlärm gilt als nicht schädlich

Auch Kinder sind manchmal laut. Es kommt immer wieder vor, dass Anwohner von Schulen und Spielplätzen sich von Kinderlärm so sehr gestört fühlen, dass sie vor Gericht ziehen. So beispielsweise im vergangenen Jahr in Bielefeld. Dabei hat der Bundesgerichtshof schon 1993 entschieden, dass lautes Spielen von Kindern und Jugendlichen grundsätzlich hinzunehmen ist. Und laut Bundesimmissionschutzgesetz gilt Kinderlärm "im Regelfall nicht als schädliche Umwelteinwirkung".

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Laute Tiere

Kanadagänse auf einer Wiese in Köln

Nicht nur hinten, auch vorne kommt viel raus bei der Kanadagans

Schnattern, Blöken, Grunzen: Tiere machen die unterschiedlichsten Geräusche - egal um welche Uhrzeit. So machte vor ein paar Jahren der Hahn "Magda" in Lemgo Schlagzeilen, weil er bis zu 200 Mal am Tag krähte und die Nachbarn um ihre Ruhe brachte. Der Fall landete vor Gericht, das schlussendlich entschied: Der Hahnhalter muss einen Schallschutz installieren.

Solche Maßnahmen sind allerdings nur denkbar, wenn die Tiere einen Besitzer haben und nicht frei leben wie zum Beispiel die Saatkrähen in Pulheim. Dort hat sich in der Nähe eines Kindergartens und einer Grundschule eine Kolonie niedergelassen, die im Laufe der Jahre über 150 Nester gebaut hat. Mehrere hundert Tiere machten dort einen solchen Lärm, dass Unterricht bei offenem Fenster nicht möglich war.

Nach Beschwerden von Eltern und Anwohnern hat die Stadt die alten Nester der Krähen im Januar entfernt, zudem wurden die Bäume so geschnitten, dass es den Vögeln schwerer gemacht wird, dort neue Nester zu bauen. Radikaler darf die Stadt nicht werden, denn Saatkrähen sind besonders geschützt.

Unsere Quellen:

Diese Geräusche sorgen bei manchen von uns für Stress

WDR 28.04.2026 02:10 Min. Verfügbar bis 27.04.2028 WDR Online

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Sendung: WDR.de, Diese Geräusche sorgen bei manchen von uns für Stress, 29.04.2026, 06:00 Uhr

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