Saatkrähenplage am Kindergarten Pulheim
00:50 Min.. Verfügbar bis 16.06.2027.
Saatkrähenplage am Kindergarten Pulheim
Stand:
Im Pulheimer Stadtteil Geyen/Sinthern breiten sich Saatkrähen immer weiter aus. Die geschützten Vögel sorgen für viel Dreck und Lärm. Hunderte Vögel nisten hier direkt an einer Grundschule und Kita. Der NABU Rhein-Erft schätzt, dass es dort mindestens 200 Nester gibt. Eltern, Kinder und Anwohner sind darüber ziemlich sauer und verzweifelt.
Der Blick aus Ingrid Fritschs Fenster im siebten Stock ist idyllisch, wären da nicht Hunderte von Saatkrähen. Seit Februar nistet in den Bäumen eine große Kolonie der schwarzen Vögel. Schon am frühen Morgen ist von Ruhe keine Spur mehr. Das geht jetzt schon seit Jahren so und jedes Jahr werden es mehr Vögel.
Neben dem Krach sind ein weiteres Problem die Hinterlassenschaften der Vögel. "Wenn man hier durch die Wohnanlage geht, muss man wirklich aufpassen, dass man keine Vogelkacke auf die Kleidung bekommt", sagt Fritsch. Außerdem sei der Vogelkot ungesund.
Vögel stören Kinder beim Lernen: Petition gestartet
Auch eine Grundschule und die benachbarte Kita sind stark betroffen. Überall auf dem Schulgelände ist Kot, zum Teil würden auch Tote Krähen herumliegen, sagt die Schulpflegschaftsvorsitzende Rita Afzal. Außerdem sei das Unterrichten wegen der Lautstärke der Tiere unerträglich. "Die Konzentration der Kinder ist irgendwann weg", sagt Afzal. Jetzt im Sommer könne man nicht mal mehr die Fenster öffnen.
Rita Afzal hat deshalb eine Petition gestartet und schon mehr als 1200 Unterschriften gesammelt. Die Kritik der Eltern richtet sich gegen die Stadt. Die Verwaltung hat ihrer Meinung nach zu lange gezögert und bislang zu wenig gegen die Saatkrähenplage unternommen.
Die Eltern schlagen als eine mögliche Lösung vor, die Nester der Saatkrähen teilweise zu entfernen und die Vögel zu vergrämen, wie es im westfälischen Soest passiert. Doch die Stadt Pulheim ist skeptisch und äußert sich schriftlich: "Es ist davon auszugehen, dass eine solche Teilvergrämung kaum Einfluss auf die Geräuschentwicklung haben würde [...] und mit großem Aufwand verbunden ist. Da während der Nestbauzeit mindestens alle zwei Tage die Nester in den Bäumen entfernt werden müssen."
Naturschützer sind gegen Umsiedlung der Vögel
Die Saatkrähen-Kolonie umzusiedeln kommt laut NABU Rhein-Erft nicht in Frage. Denn im Rheinland gibt es kaum noch Lebensräume für die Vögel. "Das Problem ist, dass an anderer Stelle Bäume gefällt wurden, die sich vielleicht zum Brutgebiet hätten entwickeln können", sagt Benedikt Hillebrandt vom NABU Rhein-Erft. Die Bäume seien aber jetzt weg, was auch ein Grund für die Vermehrung der Vögel um Grundschule und Kita sei.
Die Stadt hat mittlerweile Sonnensegel für die Kita angeschafft, damit die Kinder trotz der Krähen draußen spielen können. Doch die Eltern und Anwohner hoffen, dass da noch mehr passiert. Denn wenn jetzt nichts getan werde, werde die Saatkrähenplage im nächsten Jahr noch schlimmer, befürchten sie.
Das Saatkrähen-Problem ist Ende Juni Thema im Umweltausschuss der Stadt Pulheim.
Unsere Quellen:
- Interview Rita Afzal
- Stadt Pulheim
- Nabu Rhein-Erft
Über dieses Thema berichtet der WDR am 16.06.2025 auch im Fernsehen in der Lokalzeit aus Köln um 19:30 Uhr.