Wie geht es der Lärmhauptstadt Düsseldorf?
WDR. 02:34 Min.. Verfügbar bis 29.04.2028.
Ein Jahr nach dem Beschluss des vierten Lärmaktionsplans hat sich an der enormen Lärmbelastung in Düsseldorf nur wenig geändert. Wie in vielen Städten ist das Hauptproblem der Straßenverkehr, auch wenn der Flughafen seinen Anwohnern zu schaffen macht. Weit mehr Menschen leben in Häusern, die dicht an viel befahrenen Straßen stehen, sodass Lärmschutzwände zum Beispiel nicht infrage kommen, um sie vor dem Lärm zu schützen. Dazu kommt, dass das Stadtgebiet nicht nur von Straßenbahngleisen durchzogen ist, sondern auch von Bahntrassen, und zwar mitten durch die Stadt.
Unschöner Titel
Vor zwei Jahren errang Düsseldorf in einer Auswertung von Zeit Online den Negativ-Titel als Lärmhauptstadt Deutschlands. Die Journalisten hatten Daten des Bundesumweltamtes ausgewertet und verglichen und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich in Düsseldorf am lautesten lebt. Und das liegt am Straßenverkehr.
Viel Dunkelblau, Lila und Dunkelrot - überall Werte über 65 Dezibel
Lärmkarte Stadt Düsseldorf, vom 28.04.2026 20:00
Die Straßenverkehrslärmkarte, die auf der Homepage der Stadt zu sehen ist, zeigt: Durch das Stadtgebiet ziehen sich extrem viele dunkelblaue, lila und dunkelrote Linien. Sie zeigen die Stellen, an denen die Lärmbelastung über 65 Dezibel liegt. Ab diesem Wert gilt Lärm als gesundheitsgefährdend.
Worringer Straße besonders betroffen
Dunkelblau, mit einer Lärmbelastung von 75 bis 90 Dezibel nachts, ist zum Beispiel die Worringer Straße in der Düsseldorfer Innenstadt gekennzeichnet. Hier sei der Verkehr immer schlimmer statt besser geworden, klagen die Anwohner. Denn die Stadt hat vor ein paar Jahren eine große Entlastungsstraße als Ableitung von den nördlichen Autobahnen gebaut, die, zumindest noch, genau auf die Worringer Straße führt. In der Folge quälen sich Massen von Autos und Fernbussen durch die zweispurige Straße Richtung Bahnhof und Busbahnhof.
"Auf der Straße kann man sich nicht aufhalten und schon gar nicht unterhalten. Es ist wirklich eine Katastrophe, man kann kaum noch die Straße überqueren." Claudia Schuster, Anwohnerin.
Nachts Tempo 30 - reicht das?
Immerhin hat die Stadt jetzt beschlossen, die Worringer Straße nachts zur Tempo-30-Zone zu machen. Das helfe vielleicht zumindest gegen nächtliche Raser, sagt Anwohner Peter Gellner von der Bürgerinitiative dieworri, "aber wir hätten das auch gern tagsüber". Im Moment könne man dort sowieso selten schneller fahren, denn Baustellen und schlichte Überlastung sorgten für Staus.
Neben dem regulären Verkehr verschärfen zurzeit Busse des Schienenersatzverkehrs die Lage. "Deren Klimaanlagen sind alle auf dem Dach und die machen richtig viel Lärm", so Gellner.
Lärm macht krank
Dr. Peter Sommer ist Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Düsseldorf. Er weiß: Lärmschwerhörigkeit ist immer noch eine der häufigsten Berufserkrankungen.
HNO-Arzt Dr. Peter Sommer aus Düsseldorf
Doch nicht nur das: Dauerhafter Lärm kann auch viele weitere Erkrankungen wie Schlaflosigkeit, psychosomatische Störungen und Depressionen auslösen. "Stille hilft", meint Sommer.
Kampf gegen Windmühlen
Die Stadt versucht einiges, um den Verkehr und damit den Lärm zu verringern. Tempo-30-Zonen ausweisen, Straßenbeläge austauschen, sie bezuschusst den Einbau von Lärmschutzfenstern. Versucht mit Mobilitätskonzepten zumindest die Düsseldorfer aus dem Auto aufs Rad, auf den E-Scooter, auf den Elektroroller oder in den ÖPNV zu bekommen.
Doch Düsseldorf ist eine Einpendlerstadt. Laut dem Landesbetrieb Information und Technik NRW kommen mehr als 340.000 Menschen zum Arbeiten in die Stadt. Ein Großteil aus den ländlichen Gebieten, zum Beispiel vom Niederrhein, wo der ÖPNV sehr lückenhaft ist.
Unsere Quellen:
- Homepage der Stadt Düsseldorf
- Zeit online vom 27.02.2024
- IT NRW
- dieworri, Bürgerinitiative
- maps.duesseldorf
- Bündnis Mobilitätswende Düsseldorf
- Gespräch mit HNO-Arzt Dr. Sommer
Sendung: WDR.de, Wie geht es der Lärmhauptstadt Düsseldorf?, 29.04.2026, 06.02 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 29.04.2026, 19:30 Uhr