Nach tödlichem Verkehrsunfall: Dinslaken am Tag danach | WDR aktuell
WDR. 02:00 Min.. Verfügbar bis 28.05.2028.
In Dinslaken sterben zwei Kinder, nachdem sie per Rad auf dem Schulweg von einem Auto angefahren wurden. Dieser Unfall am Mittwochmorgen sorgt rund um die Schule und weit darüber hinaus für Trauer und Entsetzen.
In vielen Eltern löst der Unfall etwas aus: Habe ich genug getan, damit mein Kind sicher zur Schule und zurück nach Hause kommt? Was, wenn doch etwas schiefgeht? Wie umgehen mit diesen Sorgen und Ängsten?
Psychologin: Über die Gefahren des Schulwegs mit Kindern sprechen
Julia Reuber vom Landesverband Schulpsychologie NRW kann solche Fragen und Gefühle gut nachvollziehen. Sie ist promovierte Psychologin, Schulberaterin in Hamm und hat selbst ein Kind, das bald eingeschult wird. "Was ist ein sicherer Schulweg? Das frage ich mich auch ganz persönlich", sagt sie dem WDR.
Julia Reuber, Schulpsychologin
"Grundsätzlich finde ich es wichtig, mit Kindern zu sprechen", sagt Reuber. Man müsse die Gefahren und die Sicherheit auf dem Schulweg thematisieren. Auch über so ein tragisches Ereignis wie jetzt in Dinslaken könne man mit seinen Kindern sprechen, meint sie. Nicht, um ihnen Angst zu machen, sondern um sie zu sensibilisieren, auf dem Schulweg aufmerksam zu sein.
Was aus Sicht von Reuber die falsche Schlussfolgerung wäre, die Eltern aus diesem Ereignis ziehen können: ihre Kinder allzu sehr zu behüten und aus Angst vor Gefahren nie allein auf den Schulweg zu lassen. "Das löst nicht das Problem", sagt Reuber. "Wir wollen ja, dass sie selbstständig werden." Irgendwann müssten Kinder dahin kommen, dass sie alleine am Verkehr teilnehmen.
"Wenn wir Kinder nur in Watte packen, dann nehmen wir ihnen ihre Selbstständigkeit." Julia Reuber, Schulpsychologin
So sieht man es auch bei der Landesverkehrswacht NRW: Sogenannte Elterntaxis seien für die Schüler auf Dauer keine Hilfe. "Eltern wollen ihren Kindern etwas Gutes tun, indem sie sie bringen. Dabei kann man als Beifahrer nicht lernen, wie man sich sicher im Verkehr verhält", zitiert die Verkehrswacht ihr Beiratsmitglied Katrin Grastat von der Polizei Wuppertal.
Neben einem Laster begleitet eine Mutter ihr Kind auf dem Schulweg.
Auf seiner Website und in Broschüren gibt der Verein Tipps für einen sicheren Schulweg. Einer davon: die Schulwegplanung zwischen Eltern und Kindern. Die hebt auch Schulpsychologin Reuber hervor. Eltern sollten mit ihren Kindern die Schulwege ablaufen und abfahren, auf mögliche Gefahren hinweisen, und dabei auch einüben, wie man sicher eine Straße überquert.
Mit den Schulen und Kommunen über die Schulwege sprechen
Darüber hinaus könnten Eltern mit den Schulen und Kommunen ins Gespräch kommen, mögliche Probleme der Verkehrsführung ansprechen und über Lösungsmöglichkeiten wie Schulwegpläne diskutieren, so die Schulpsychologin.
Auch wenn Eltern psychologische Unterstützung im Umgang mit ihren Sorgen rund um den Schulweg suchen, sei die Schule in der Regel ein guter erster Ansprechpartner, sagt sie.
Besorgten Eltern empfiehlt Reuber auch einen nüchternen Blick auf die Unfall-Zahlen: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein so schlimmer Schulweg-Unfall wie in Dinslaken ereignet, sei sehr gering.
Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung wurden in NRW im ersten Halbjahr 2025 etwa 10.500 Unfälle auf dem Schulweg gemeldet. Vier davon endeten tödlich.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Dr. Julia Reuber, Vorstandsmitglied Landesverband Schulpsychologie NRW e. V.
- Landesverkehrswacht NRW e. V. zur Sicherheit von Schulwegen
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zu Schulweg-Unfällen
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 28.05.2026, 12:45 Uhr
