Eine dunkelhaarige Frau steht seitlich in der linken Bildecke und schaut auf eine Gedenkstätte mit Kerzen, Blumen und Stofftieren.

WDR Reporterin Nastaran Amirhaji kommt aus Dinslaken und merkt, wie betroffen die Menschen in ihrer Stadt sind.

Dinslaken So erlebt unsere Reporterin die Trauer nach dem Unfall

Stand:

Eine Stadt steht unter Schock: Einen Tag nach dem schweren Verkehrsunfall mit zwei toten Kindern trauern viele Dinslakener um die Verstorbenen. Auch WDR-Reporterin Nastaran Amirhaji, selbst Dinslakenerin, nimmt der Unfall mit. Am Morgen danach trifft sie trauernde Menschen am Unfallort und begegnet der Frage nach dem Warum.

Von Nastaran Amirhaji

Es herrscht eine seltsame Stille an diesem Morgen in der Nähe des Otto-Hahn-Gymnasiums in Dinslaken. Wo sonst Schüler munter und laut Richtung Unterricht unterwegs sind, stehen heute Schülergruppen am Unfallort. Es herrscht Schweigen und Schock - ein Tag nach dem schweren Verkehrsunfall, bei dem zwei Zwölfjährige ums Leben gekommen sind.

Am Tag zuvor morgens gegen acht Uhr stehe ich auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Über die Arbeit bekomme ich einen Anruf. "Ein schwerer Verkehrsunfall in Dinslaken. Schulkinder sind betroffen. Wir wissen noch nichts Genaueres." Eigentlich wollte ich nur ein paar Einkäufe erledigen, ein ganz normaler Tag. Aber normal ist jetzt nichts mehr, die Gedanken an den Unfall und die Angehörigen lassen mich seitdem nicht los.

Auf einem Straßenstück liegen zahlreiche Blumen, Grabkerzen und Stofftiere

Am Tag nach dem Unfall liegen viele Blumen und Kerzen am Unfallort. Die Stadt trauert.

Als Dinslakenerin weiß ich, wie nah sich die Menschen in dieser Stadt stehen. Schnell erreichen mich privat die Nachrichten über den Unfall. Von Menschen, die vor Ort waren, von Bekannten, die an der Schule eigene Kinder haben und alle bangen: um das Leben zweier Kinder.

Trauer und Solidarität nach tödlichem Unfall nahe des Otto-Hahn-Gymnasiums

Als am Nachmittag klar wird, dass beide Kinder ihren Verletzungen erlegen sind, mehren sich in meinem Instagram-Feed Posts mit Kerzen. Die ganze Stadt steht unter Schock und trauert. Die Kirchen bieten kurzfristige Gespräche und Seelsorge an, der Stadtfeuerwehrverband der Stadt Dinslaken richtet ein Spendenkonto für die betroffenen Familien ein.

Die Solidarität und Trauer ist groß in dieser sonst ruhigen, kleinen Stadt. Als ich am Morgen danach an der Unfallstelle ankomme, kommen immer wieder Schüler vorbei und legen Blumen nieder. Manche alleine, manche in Gruppen. Mit Maik Hempel komme ich ins Gespräch. Seine Wohnung liegt direkt über dem Kiosk, gegenüber der Unfallstelle.

Augenzeugen berichten vom Unfallmorgen in Dinslaken

ein Mann in weißem T-Shirt sitzt vor einer Steinwand, in der rechten Bildecke ein Plakat mit Eiswerbung.

Maik Hempel, 53, war gestern an der Unfallstelle und leistete bei einem Kind erste Hilfe

"Ich habe zuerst einen ganz lauten Knall gehört und bin sofort runtergerannt", berichtet Maik Hempel. Als er hinter einem Auto ein Kind liegen sieht, zögert der 53-Jährige nicht. Gemeinsam mit einem Polizisten, der am Morgen vor Ort war, um Schüler bei der Radfahrprüfung zu unterstützen, leistet er erste Hilfe. Er ist Vater von vier Kindern.

"Gestern konnte ich nicht sprechen. Ich habe auch nicht in meiner Wohnung übernachten können. Heute habe ich den Kontakt mit den Notfallseelsorgern aufgenommen." Maik Hempel, Anwohner
Ein Polizist in Dienstkleidung schaut ernst in die Kamera.

Henner Störmer, Pressesprecher Kreispolizeibehörde Wesel ist seit gestern im Dauereinsatz. Ihm hilft es über die Situation zu schreiben, zur Verarbeitung.

Auch Henner Störmer erzählt mir von seinen beiden Kindern. Er ist Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Wesel und war gestern 15 Minuten nachdem sich der Unfall ereignete vor Ort - und bis abends im Dauereinsatz. Zuhause nimmt er seine beiden Kinder fest in den Arm. Auch für ihn ist so ein Einsatz keine Routine.

"Wenn Sie mich persönlich fragen: Alles so oft erzählen zu müssen, hilft nicht in der Verarbeitung weiter. Mir hilft es, Dinge von der Seele zu schreiben - zum Beispiel in Form von Polizeiberichten und Pressemitteilungen." Henner Störmer, Pressesprecher Kreispolizeibehörde Wesel

In Gedanken bei den Angehörigen

Diese Tragödie wird die Menschen in Dinslaken noch lange beschäftigen. Und auch meine Gedanken und die meiner Redaktion sind bei den betroffenen Familien und Mitschülern.

WDR5-Gespräch: So erlebt unsere Reporterin die Trauer nach dem Unfall

WDR 28.05.2026 01:44 Min. Verfügbar bis 27.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Betroffenen Menschen vor Ort
  • Eindrücke WDR-Reporterin

Sendung: WDR 5, Der Tag um 12, 28.05.2026, 12:07 Uhr

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