In seiner vergangenen Sitzung hat der Essener Stadtrat ein Sicherheitskonzept beschlossen. Es trägt den Titel "Die Schule als sicherer Ort". Wie genau es umgesetzt wird, wird in diesen Tagen in Ratsausschüssen beraten. Der Schulausschuss ist beispielsweise beteiligt, der Jugendhilfeausschuss und auch der Ausschuss für öffentliche Ordnung.
Fortbildung und neue Schließsysteme an Türen
Das Konzept sieht zwei Ebenen vor: eine baulich-technische und eine präventiv-pädagogische. Zu den baulich-technischen Maßnahmen gehört zum Beispiel, Türen in Schulen mit sogenannten Drehknebeln auszustatten. Dadurch kann man sich von innen verbarrikadieren. Die Tür kann erst wieder geöffnet werden, wenn der Drehknebel gelöst, oder von außen ein Generalschlüssel benutzt wird.
Olaf Schmiemann ist NRW-Vorsitzender des Verbandes für Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs. Er findet solche technischen Hilfsmittel gut. Am besten noch in Verbindung mit einer Gegensprechanlage, mit der man auch von Klassenzimmer zu Klassenzimmer sprechen kann.
Mehr Schulpsychologen und -sozialarbeiter
Was seiner Ansicht nach ebenfalls dringend notwendig ist, sind mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen. Es könne nicht sein, dass deren Zahl von der finanziellen Situation einer Stadt abhänge.
Die präventiv-pädagogischen Maßnahmen sehen unter anderem vor, Lehrkräfte als Multipikatoren in Gewaltprävention und Krisenintervention weiterzubilden. Die ersten Schulungen sollen schon in diesem Jahr beginnen. Ein Programm zur Vorbeugung von Sexualisierter Gewalt gibt es in Essener Schulen schon seit 25 Jahren.
Außerdem wäre es laut Schmiemann hilfreich, wenn es einen Austausch zwischen Schulen geben würde, nachdem ein Schüler von einer Schule verwiesen wurden. Im aktuellen Fall sei der mutmaßliche Messerangreifer erst vor kurzem von einem anderen Berufskolleg an die Schule gewechselt. Zuvor habe er eine Hauptschule ohne Abschluss verlassen
Notfallordner in allen Schulen
Im Prinzip seien alle Lehrer in Nordrhein-Westfalen gut vorbereitet, sagt Berufschullehrer Olaf Schmiemann. In jeder Schule gebe es einen Notfallordner, in dem man nachlesen kann, in welcher Situation welche Ereigniskette in Gang gesetzt werden muss. Trotzdem sei der Ernstfall ein ganz anderes Kaliber.
"Angst kann man nicht üben", sagt Schmiemann. "Wenn man mit Schülern einen Amokfall üben würde, würde das eher zu Panikattacken führen." Seit der Messerattacke vergangene Woche an einem Essener Berufskolleg wird dort erst einmal ein Sicherheitsdienst eingesetzt. Auch über Videoüberwachung wird dort nachgedacht.
Unsere Quellen:
- Stadt Essen
- Interview Olaf Schmiemann, Vorsitzender VLBS NRW