Messerattacke in Essen: Schüler:innen mussten stundenlang ausharren

Aktuelle Stunde 06.09.2025 42:44 Min. UT Verfügbar bis 06.09.2027 WDR Von Dorothea Schluttig

Nach Messerangriff an Essener Schule: Verdächtiger war neu an Schule

Stand:

An einem Berufskolleg in Essen ist am Freitag eine Lehrerin mit einem Messer angegriffen worden. Tatverdächtig ist ein 17-jähriger Kosovare - Schüler des Berufskollegs. Bei seiner Festnahme wurde er lebensgefährlich verletzt.

Nach dem Angriff am Freitag hat ein Richter einen Haftbefehl gegen den 17-jährigen Schüler erlassen. Gegen ihn wird jetzt wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ermittelt, wie die Polizei und die Staatsanwaltschaft mitteilen. Dadurch dass der Schüler bei seiner Festnahme durch die Polizei lebensgefährlich verletzt wurde, konnte der Haftbefehl erst am Sonntag ausgesprochen werden. Mittlerweile ist er nicht mehr in Lebensgefahr.

Am Mittwoch hat NRW-Schulministerin Dorothee Feller weitere Einzelheiten mitgeteilt. Der mutmaßliche Messerangreifer sei demnach erst vor kurzem von einem anderen Berufskolleg an die Schule gewechselt. Zuvor habe er eine Hauptschule ohne Abschluss verlassen und sei nicht mehr schulpflichtig gewesen. Wieso er an dem Berufskolleg aufgenommen wurde, ist unklar. Auch zum Motiv gibt es weiterhin keine Angaben.

Die Tat wird am Donnerstag auch Thema im NRW-Landtag sein. NRW-Innenminister Herbert Reul soll einen ersten Bericht und eine Analyse zum Messerangriff präsentieren.

Unterricht am Montag wieder gestartet

Am Montagmorgen ging der Unterricht an der Schule weiter. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes waren vor Ort. Durch ihre Anwesenheit sollten sich Schüler und Lehrer sicherer fühlen - Taschen nach Messern durchsuchen durften sie aber nicht. Außerdem waren Schulpsychologen im Einsatz.

Vorm Haupteingang der Schule stehen zwei Personen in Warnweste und interagieren mit zwei weiteren Personen

Der Sicherheitsdienst bewacht den Eingang der Schule kurz nach der Tat

Viele waren besorgt nach den Ereignissen am Freitag. Celina Schirm hat alles selbst mitbekommen. Sie ist angehende Sozialassistentin und erinnert sich noch genau: "Keiner wusste, was los ist. Der Lehrer hat auch total hektisch gewirkt und telefoniert." Insgesamt musste sie vier Stunden in dem Klassenzimmer ausharren. "Aber das hat sich angefühlt wie 10 Stunden. Das war echt schlimm".

Nach Messerangriff an Essener Schule: Security zum Unterrichtsbeginn

WDR Studios NRW 08.09.2025 00:43 Min. Verfügbar bis 08.09.2027 WDR Online

"Man selbst denkt ja immer, einem passiert so etwas nicht"

Zu realisieren, was passiert ist, ist für sie immer noch schwierig: "Das kann ja auch nicht sein. Das passiert in Amerika, aber nicht bei mir. Man selber denkt ja immer, einem passiert so etwas nicht." Laut der Bezirksregierung Düsseldorf soll der Unterricht aber möglichst nach Plan wieder stattfinden.

Zwei Schülerin des Berufskollegs stehen sich gegenüber und sprechen miteinander.

Celina Schirm (rechts) musste am Freitag vier Stunden lang in ihrem Klassenzimmer ausharren.

Das könne aber je nach Situation in den Klassen angepasst werden. Celina Schirm kann sich das noch nicht vorstellen: "Das ist so mit Angst verbunden jetzt. Und einmal drüber reden und dann mit dem Unterricht weitermachen. Das stelle ich mir schwierig vor."

Großeinsatz am Freitag

Mit schwer bewaffneten Spezialkräften war die Polizei am Freitag bei einem Essener Berufskolleg im Großeinsatz. Auch ein Hubschrauber kreiste zwischenzeitlich über der Schule. Wie die Polizei mitteilt, soll der Jugendliche mehrfach mit einer Stichwaffe auf die 45-Jährige eingestochen haben. Rettungskräfte haben sie vor Ort versorgt, danach kam sie schwer verletzt ins Krankenhaus und ist inzwischen stabil. Eine Mordkommission ermittelt.

Der Tatverdächtige ist nach Angaben der Essener Polizei ein 17-jähriger Kosovare. Er flüchtete in einen Park in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dort sei er mit einem Messer auf Polizisten zugerannt, die Spezialkräfte hätten daraufhin geschossen. Die Polizei bittet außerdem Zeugen, sich zu melden oder im Hinweisportal der Polizei NRW Angaben zur Tat zu machen.

"Angriff auf Lehrerin Schock für die ganze Stadt"

Die Schüler durften am Freitagnachmittag die Schule nach und nach verlassen. Seelsorger waren im Einsatz. Auch der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen war vor Ort und sprach mit Eltern und Schülern. Er zeigte sich bestürzt über den Angriff: "Es ist ein großer Schock nicht nur für die Schule und die Eltern, für die ganze Stadt. Eine Lehrerin ist attackiert worden".

Das Bild zeigt Oberbürgermeister Thomas Kufen vor dem Berufskolleg in Essen.

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen war am Freitag an dem betroffenen Berufskolleg

Schulen müssten ein sicherer Ort sein, Messern müsse der Kampf angesagt werden, so Kufen. Man werde über das Wochenende beraten, welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen in Zukunft ergriffen werden müssten.

Städtisches Berufskolleg mit rund 1.780 Schülerinnen und Schülern

Ein Sprecher der Stadt Essen sagte, es handele sich um ein städtisches Berufskolleg mit rund 1.780 Schülerinnen und Schülern. Die Schule selbst äußerte sich nicht. Laut Homepage handelt es sich um ein Berufskolleg mit Bildungsangeboten in den Berufsfeldern Ernährung und Hauswirtschaft sowie Sozial- und Gesundheitswesen.

Unsere Quellen:

  • Polizei Essen
  • Feuerwehr Essen
  • Stadt Essen
  • Thomas Kufen, Essener Oberbürgermeister
  • Nachrichtenagentur dpa

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