Schule in Schwerte: Fünfte Klasse ohne Smartphones | WDR aktuell
WDR. 02:00 Min.. Verfügbar bis 15.06.2028.
Projekt an Schule in Schwerte : Diese fünfte Klasse hat keine Smartphones
Stand:
Am Ruhrtal-Gymnasium in Schwerte dürfen alle Schüler ihre Smartphones schon länger nicht auf dem Schulgelände benutzen. Die Schule geht jetzt noch einen Schritt weiter.
Wir wollen deine Meinung hören!
Jetzt mitdiskutierenEltern einer neuen fünften Klasse sichern dem Gymnasium zu, dass ihre Kinder bis mindestens Ende der sechsten Klasse kein eigenes Smartphone bekommen. Die Vereinbarung ist freiwillig - in den anderen Klassen wird alles wie bisher gehandhabt. Die Schule orientiert sich damit an der Elterninitiative "Smarter Start ab 14".
Nebenwirkungen von Smartphones und Social Media
Mit dem Projekt reagiert die Schule auf die Auswirkungen der Smartphonenutzung, die die Lehrkräfte oft bei ihren Schülern beobachten. "An erster Stelle merkt man das an der Aufmerksamkeitsspanne, die immer weiter zurückgeht. Ich glaube, Kinder brauchen durch die Gewöhnung an Games, Social Media, die digitale Welt, immer wieder schnelle Inputs - das macht Schule so erstmal nicht mit", sagt Tobias Kraushaar, Lehrer und Digitalisierungsbeauftragter am Schwerter Gymnasium.
Lehrer Tobias Kraushaar hat als Digitalisierungsbeauftragter das neue Projekt an der Schule mitgestaltet.
Deshalb ist es der Schule umso wichtiger, einen bewussten Umgang mit Medien zu fördern und Kinder langsamer an Smartphones heranzuführen - damit sich die Fünftklässler voll und ganz auf das Lernen konzentrieren können.
Familien dankbar für Projekt
Die Idee stößt bei vielen Familien auf großes Interesse. So auch bei Familie Müller aus Iserlohn. Der zehnjährige Benjah wechselt nach den Sommerferien in die smartphonefreie Klasse. Dafür hat er sich gemeinsam mit seinen Eltern entschieden.
In seiner Freizeit liest Benjah gerne Bücher. Ein Smartphone besitzt er nicht.
Er ist von der Idee grundsätzlich überzeugt, trauert aber schon ein bisschen einem eigenen Smartphone hinterher, auch weil seine beiden älteren Brüder eins haben: "Also es ist schon irgendwie doof auch, weil man selber dann halt nicht den ganzen Kram machen kann, den die so am Handy machen. Aber das kann man ausblenden."
Um genau solchen sozialen Druck zu reduzieren und Konzentration zu fördern, will die Schule mit ihrem Projekt einen bewussteren Umgang fördern und langsamer an Medien heranführen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Technik zu verteufeln. Digitale Medien wie Laptops oder Tablets bleiben weiterhin Teil des Schulalltags.
Der Einfluss von Social Media
Der Umgang mit Smartphones wird in vielen Familien diskutiert. Dabei geht es vor allem um den Einfluss der sozialen Medien wie Instagram und TikTok. Das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse DAK in einer Studie mit dem Effekt von Social Media auf das Online-Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Für die Studie wurden 1.005 Kinder und Jugendliche und jeweils ein Elternteil befragt. Das sind die Ergebnisse.
Soziale Medien und der Einfluss auf Online-Shopping
Influencer und soziale Medien haben einen erheblichen Einfluss auf das Online-Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen. 47 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 17 Jahren werden durch Social-Media-Werbung auf Produkte aufmerksam. 40 Prozent werden durch Empfehlungen von Influencerinnen und Influencern beeinflusst.
In einer Befragung haben 12,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen angegeben, bis zu 1.200 Euro im Jahr beim Online-Shopping auszugeben. Ungefähr ein Drittel (32,1 Prozent) kaufen für immerhin bis zu 240 Euro pro Jahr ein. Bei den Produkten geht es vor allem um Kleidung, Schuhe und Accessoires (66,9 Prozent), aber auch Eletronik (43,6 Prozent).
Kinder und Jugendliche sind psychologisch und neurobiologisch noch in der Entwicklung. Deshalb seien sie besonders beeinflussbar durch Werbung und Influencer in den sozialen Medien, heißt es von Kerstin Paschke, der Studienleiterin und ärztlichen Leiterin des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE.
Handy‑Experimente und Social‑Media‑Verzicht an NRW‑Schulen
Ähnliche Vorstöße wie in Schwerte gibt es auch an anderen Schulen, wie zum Beispiel in Solingen. Mit Beginn des laufenden Schuljahres ist auch hier an sämtlichen weiterführenden Schulen eingeführt worden, dass Schüler der fünften Klasse auf Social Media verzichten. Die Mehrheit der Eltern hat sich dazu bereit erklärt, darauf zu achten, dass ihre Kinder auch zu Hause auf Social Media verzichten.
In Bergisch Gladbach lief zu Beginn des Jahres ein Experiment, bei dem eine siebte Klasse inklusive Lehrerin ihre Handys für drei Wochen in einen Glaskasten gesperrt hat - der volle Entzug also. Zwar waren sich nach den drei Wochen viele der Schüler sicher, dass sie ihr Handy weiter nutzen werden - aber das vielleicht nicht mehr die ganze Zeit.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Tobias Kraushaar in Schwerte
- WDR-Interview mit Familie Müller in Iserlohn
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung WDR.de, Smartphonefreie Schule in Schwerte, 15.06.2026, 5:05 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 15.06.2026, 12.45 Uhr
11 Kommentare
Kommentar 11: Spielplatz schreibt am 16.06.2026, 16:06 Uhr :
Ein tolles Projekt, fast schon mutig, wenn man diese negativen Reaktionen liest. Verrückt, dass man sich heute rechtfertigen muss, dass sein Kind kein Smartphone besitzt...müsste ja eigentlich umgekehrt sein! Lasst die Kinder draußen spielen, selbst Erfahrungen machen, im Hier und Jetzt leben und nicht auf viereckige Teile starren... und auch wir als Eltern oder Erwachsene sollten hier ein Vorbild sein! Seid achtsam mit euch und euren Kindern! Was diese Schule da probiert, ist genau der richtige Weg!
Kommentar 10: Maximilian schreibt am 15.06.2026, 18:35 Uhr :
Auch ohne Smartphone gab es zu meiner Zeit Schultrends, die wie analoge Algorithmen funktionierten u. das Kaufverhalten beeinflussten. Damals waren Vanilia-Hosen oder Netzhemden angesagt in fünfter Klasse. Der Zauberwürfel, fast alle kannten die Formel, setzte sich durch. Yoyos lagen im Trend. Natotaschen wurden kurz darauf mit Kuli gestaltet. Später trugen wir Halstücher aus dem Indien-Shop und dazu Schieberkappen. Bis heute verstehe ich das Sammelsurium der Trends nicht. Adidas Universal war cool, der Schuh Top-Winner von Puma zum Fremdschämen. Aber in den Pausen gab es mehr Gemeinschaft. Wir spielten mit Tennisbällen Fußball oder Rundlauf um die Tischtennisplatte. Oder Schlagball mit einer Kugel Silberpapier. Zu dieser Zeit waren eher die Lehrer das Problem, nicht die Schüler. Schule war eine pädagogische Geisterbahn.
Antwort von Ruhri , geschrieben am 15.06.2026, 20:57 Uhr :
Zustimmung, @Max, die Mechanismen sind die gleichen wie früher. Nur hat niemand bei einer Leseratte von Büchersucht gesprochen oder bei Panini-Bildern und Wundertüten von Sammelsucht bei fortlaufenden Kaufanreizen die Kinder verführen. Der Lehrer hat Literatur empfohlen statt Comics, wir haben schnell selbst gelernt wie schnell das Taschengeld aufgebraucht war, in freier Entscheidung lernt man besser mit diesen Dingen umzugehen. Die ganze Verbotsdebatte ist kompletter Müll. Als Motivation glaube ich nicht „Schutz“ sondern vermute Unterschieben von Überwachung, dazu einen Angriff Art. 5(1) Grundgesetz: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Auch weiß ich noch wie Ursula von der Leyen den Spitznamen ZENSURsula bekommen hat.
Antwort von @Ruhri , geschrieben am 16.06.2026, 15:06 Uhr :
Bei totaler Meinungsfreiheit dürfte ich nach Lust und Laune beleidigen und bedrohen, das ist aber aus guten Gründen nicht erlaubt und steht unter Strafe.
Kommentar 9: Vera Aloe Spüli schreibt am 15.06.2026, 18:01 Uhr :
Die Eltern tragen Verantwortung, wenn die Kinder später Haltungsschäden entwickeln. Die Schulen sollten generell die Smartphonenutzung untersagen und zwar für alle bis Ende zehnte Klasse. In der Freizeit könnten die Kinder dann ihr Handy nutzen.
Antwort von Aquaman , geschrieben am 15.06.2026, 21:19 Uhr :
Finde ich genauso
Antwort von Azzuro Klar Spüler , geschrieben am 15.06.2026, 22:56 Uhr :
... und Strom auch, damit werden ja diese bösen Fernseher betrieben. Und besser auch Papier, da stehen ja auch üble Sachen drauf. Leute, kommt endlich in die Gegenwart, ihr könnt doch nicht die Uhr auf Kosten der Kinder zurückdrehen, nur weil ihr mit der Entwicklung überfordert seit.
Antwort von @Azurro , geschrieben am 16.06.2026, 15:02 Uhr :
Fehlentwicklungen müssen wir korrigieren. Manche Wege führen halt in den Abgrund, die macht man dann dicht oder leitet sie um.
Kommentar 8: Ruhri schreibt am 15.06.2026, 18:00 Uhr :
Sozialdemokraten in Australien haben Social Media unter 16 verboten, britische Sozialdemokraten wollen das verbieten. Bundes- und Landes-SPD will Verbot unter 14 ganz verbieten, unter 16 einschränken. Die SPD schneidet sich ab von den Erstwählern die bestimmt nicht so schnell vergessen wem sie diese Verbote zu verdanken haben. Aber Parteien kann man wählen und abwählen. Lehrpersonal muss sich nicht einer Wahl stellen und einfach die Schule wechseln ist meist nicht so einfach, weil in der Regel die Fahrzeiten länger werden. Hier steht etwas von „freiwilligen“ Vereinbarungen, was ich nicht grundlos in Anführungszeichen gesetzt habe. Bei Freiwilligkeit braucht man keine Vereinbarung. Deshalb sollten Schulen solche Projekte untersagt werden, dann können erst gar nicht Zweifel oder Konflikte entstehen.
Antwort von Robert , geschrieben am 15.06.2026, 20:30 Uhr :
Schulen haben einen pädagogischen Auftrag, und Regierungsparteien bis zu einem gewissen Grad auch. Man kann dem gewöhnlichen Bürger nicht immer zutrauen, eigenverantwortlich zu handeln. Die Effekte von Smartphone-Nutzung und Social Media sind überwiegend negativ und wenn hier Regierung und Bildungseinrichtungen Maßnahmen ergreifen, um die nächsten Generationen vor Haltungsschäden, digitaler Sucht und allgemeiner Verdummung zu schützen, sollte man dies begrüßen. Eine "freiere" (freiwillig selbstverblödende) Bevölkerung dient nur extremistischen Parteien wie dem bsw oder der afd. Die sind mit dümmeren Wählern gut beraten.
Antwort von @Ruhri , geschrieben am 15.06.2026, 20:54 Uhr :
Bitte kein SPD-Bashing bei einem parteiübergreifenden Thema. Es geht um uns und um unsere Kinder, da verbietet sich dumpfe Parteipolitik. Nach Jahren des laufenlassens und alles den Eltern zuschieben, kommt endlich Bewegung in das Thema. Das ist doch gut. Diejenigen Eltern, die KEIN Smartphone für ihre Kinder wollen, hatten keine Lobby und wurden nicht gehört. Das ändert sich jetzt endlich. Besser spät als nie.
Antwort von Ruhri , geschrieben am 16.06.2026, 17:29 Uhr :
@„@Ruhri“, die Haltung ist eben nicht parteiübergreifend; CDU/SPD und Sahra Wagenknecht streben das an, Fraktinen von Linke, BSW, FDP, CSU und AfD dagegen, haben eine ganz andere Meinung was besser ist „für unsere Kinder“. Auslöser für den Kommentar war Starmer in GB. @Robert, Wählerbeschimpfung (dümmere Wähler) ist hier gar nicht hilfreich, wenn der SPD die Wähler auch so schon in Scharen zur AfD abwandern, teils auch zu BSW. So formuliert helfen Sie genau der Seite die Sie gar nicht mögen. Dazu ist es ein Musterbeispiel von Selbstgerechtigkeit; Wikipedia: „Unter Selbstgerechtigkeit versteht man den Habitus von Personen, die sich gewohnheitsmäßig mit anderen vergleichen und dabei immer wieder zu der Überzeugung gelangen, dass sie selbst die Sitten strenger einhalten als die anderen. Das Verhalten von Menschen, die andere spüren lassen, dass sie sich diesen sittlich und moralisch überlegen fühlen, wird von den Betroffenen meist als anstößig, beleidigend und herabsetzend empfunden.“
Kommentar 7: Volker Holzke schreibt am 15.06.2026, 17:00 Uhr :
Eine gute Idee, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dabei alle Eltern mitziehen.
Antwort von @Volker , geschrieben am 15.06.2026, 20:58 Uhr :
Es geht darum, zu hinterfragen, wann und wofür und wieviel und in welchem Alter ein eigenes Smartphone erlaubt werden könnte. Schon alleine diese Frage zu formulieren ist beinahe revolutionär.
Antwort von 8c 2026 , geschrieben am 16.06.2026, 14:07 Uhr :
Falls sie den Kommentar lesen... Ich bin selber auf dem RTG und kann Ihnen daher sagen das nur eine Klasse von vieren eine No- Smartphone Klasse wird. So kommen die Kinder wo die Eltern meinen ihren Kindern ein Digitales Endgerät in die Hand drücken zu müssen, in die anderen Klassen. Diese NSP Klasse ist erstmal ein Experiment um nachzusehen ob dieses Konstrukt überhaupt Funktioniert.
Kommentar 6: Anna schreibt am 15.06.2026, 14:09 Uhr :
Das Projekt finde ich super!
Kommentar 5: Thomas schreibt am 15.06.2026, 13:29 Uhr :
EIn komplettes Smartphone-Verbot sehe ich kritisch. Sinnvoller wäre eine MDM-Platform, bei der die Eltern bestimmen, welche Apps auf dem Smartphone Installiert werden können. Die MDM (Mobile Device Managment) sind bei Firmenhandy üblich. Warum sehe ich das Verbot kritisch: Teilnahme am allgemeinen Alltag ist leider ohne Smartphone nicht mehr möglich. Kein Ticketkauf im Bus, kein Telefonanruf zuhause, kein Speisekartenlesen (da diese häufig nur noch als QR-Code ausliegen), kein Einlass ins Fitnessstudio usw usf. Ich denke, hier sollte klar differenziert werden, zwischen den APPS - die schädigen und dem SMARTPHONE als Gerät
Antwort von @Thomas , geschrieben am 15.06.2026, 14:38 Uhr :
Ihre Kritikpunkte sind kein Naturgesetz und lassen sich daher ändern. Grundsätzlich darf jede und jeder entscheiden OHNE Smartphone zu leben und muss alles auch ohne erledigen/machen können. Manche KÖNNEN kein Smartphone nutzen, aus verschiedensten Gründen. Ein Alltag OHNE Smartphone muss möglich sein. Zum reinen telefonieren gibt es auch noch Tastenhandys. Im übrigen zielt die Kritik/das Verbot auf Social Media und Chatprogramme, die mit ihren Möglichkeiten Missbrauch und Sucht befördern. Hier wäre die Politik am Start, jugendgeeignete Möglichkeiten zu schaffen. Eltern können und sollen hier nicht alles alleine machen.
Antwort von Michi , geschrieben am 15.06.2026, 14:52 Uhr :
"Teilnahme am allgemeinen Alltag ist leider ohne Smartphone nicht mehr möglich." Das sehe ich anders. Ich bin Ü50 und bekennender Smartphoneverweigerer. Ich komme im Leben noch wunderbar zurecht. Für alles gibt es Lösungen. Vor allem für Kinder unter 12/13 Jahren um die es hier geht ist ein Smartphone keine Voraussetzung für den normalen Alltag. Meine Kinder haben Smartphones erst ab 14 bekommen. Ein paar befreundete Eltern handhaben das ähnlich. Unsere Beobachtung: Kinder die das Ding erst später bekommen sind emotional reifer und im Gegensatz zu vielen frühkindlichen Smartphonejunkies in der Lage selbst Problemlösungsstrategien zu entwickeln.
Antwort von Katinka , geschrieben am 16.06.2026, 09:15 Uhr :
Ich (38 J.) habe noch nie ein Smartphone besessen und komme wunderbar klar. Das Gefühl, den Alltag nicht mehr ohne Smartphone bestreiten zu können, ist einer der Kerneffekte von Smartphonenutzung (Stichwort Deskilling). Meine drei Söhne (alle mittlerweile auf dem Gymnasium) bekommen frühestens mit 14 Jahren ein Smartphone und auch das ist kein Problem. Die Zahl der Eltern, die die Risiken der frühen Smartphonenutzung erkannt hat, nimmt zu und so sind sie nicht die einzigen ohne Smartphone.
Antwort von WDR.de , geschrieben am 16.06.2026, 12:16 Uhr :
Das finden wir sehr spannend. Falls Sie Lust haben, melden Sie sich doch gerne mal persönlich bei uns unter news@wdr.de
Kommentar 4: Ruhri schreibt am 15.06.2026, 12:12 Uhr :
Smartphones können wirklich die Pest sein. Aber, „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“, Grundgesetz Art.2 Abs.1 Satz 1. Das gilt auch für Kinder, wenn auch eingeschränkt durch Rechte der Eltern, die aber auch nicht grenzenlos sind. Das ist ein ständiger Prozess der Abwägung der nicht ganz einfach ist. Kein Gebimmel oder Ablenkung im Unterricht sehe ich ein, auf dem Schulhof nicht. Mit Druck auf Eltern den Kindern ein Gerät zur Kommunikation zu verbieten geht hier Schule unfassbar über eigene Kompetenzen hinaus. Das müsste Konsequenzen der Schulaufsicht haben. Nach meiner Ansicht müsste auch eine Klage gegen die Schule Erfolg haben. Das selbstzufriedene Gesicht von Lehrer Tobias Kraushaar auf dem Foto spricht hier Bände. Wenn wir „Schutz“ brauchen, dann zuerst vor Bevormundung. Die „Gefahren“ für Kinder durch Soziale Medien wird künstlich hochgekocht, einsperren in eine Blase durch Eltern und / oder Schule ist mit Abstand die größere Gefahr.
Antwort von @Ruhri , geschrieben am 15.06.2026, 13:57 Uhr :
Na ja, der freien Entfaltung der Persönlichkeit sind Minderjährigen (und auch Erwachsenen) mit Recht Grenzen gesetzt. Weil wir als Gesellschaft gelernt haben, dass bestimmtes Verhalten für uns alle besser geächtet wird. So was wie die Abschaffung der Prügelstrafe, kein Freiverkauf von Drogen, und vieles mehr. Smartphone gehört in die Kategorie "Sucht". Und zwar in ähnlich zwiespältiger Dimension wie Ess-Störungen. Zwar darf jede und jeder sich entscheiden ein ihm selbst schadendes Verhalten zu zeigen, jedoch greift für Minderjährige hier der Jugendschutz, da diese die Konsequenzen ihres Verhaltens nicht ausreichend erkennen können und daher davor besonders geschützt werden müssen.
Antwort von Ruhri , geschrieben am 15.06.2026, 15:51 Uhr :
@„@Ruhri“ Smartphone und Social Media in „Kategorie Sucht“ auf einer Stufe mit Prügelstrafe und Drogenverkauf ist was ich mit künstlich hochgekocht meine. Hier greift eben nicht der Jugendschutz, auch wenn einige das gerne so hätten, aus welcher Motivation auch immer. Was über den gesetzlichen Jugendschutz hinaus geht unterliegt der Beurteilung von Erziehungsberechtigten, nicht der Schule. Mit dem Verbot von Smartphones auf dem Schulhof und den „freiwilligen“ Vereinbarungen mit Eltern hat diese Schule ihre Kompetenzen weit überschritten, was die Schulaufsicht sich unbedingt mal näher ansehen sollte. Anastasia Pick von der Schülervertretung NRW lehnt zum Beispiel ein Verbot ab. spielt aber keine Rolle bei so einer Selbstgerechtigkeit einzelner Lehrkräfte.
Antwort von Enerix , geschrieben am 15.06.2026, 17:15 Uhr :
Smartphones sind so designed und programmiert, dass sie das Belohnungssystem auf die gleiche Weise ansprechen wie der Glücksspielautomat und jedwede andere Sucht, die in den Dopaminstoffwechsel eingreift. Man weiß, dass Jugendliche und Kinder besonders anfällig für die negativen Folgen solcher Eingriffe sind. Zudem sinkt die Konzentration und Frustrationstoleranz; soziale Bindungen leiden, die sich ja eben in diesem jugendlichen Alter stark entwickeln. Schicken Sie Ihr Kind auch in die Spielhölle, weil es seine Persönlichkeit frei entfalten soll - oder erkennen sie an, dass Jugendschutzgesetz und Schulgesetz für Minderjährige tatsächlich bewusst einige Absätze des Grundgesetzes aushebeln, damit Kinder und Jugendliche unbeschadet heranreifen können?
Antwort von Ruhri , geschrieben am 15.06.2026, 18:08 Uhr :
@Enerix, der direkte Vergleich Social Media mit einer „Spielhölle“ fällt auch unter künstlich hochgekocht. Aber gerne weiter so mit solchen Vergleichen, das ist doch bestimmt noch steigerungsfähig.
Kommentar 3: Onkel Olli schreibt am 15.06.2026, 11:54 Uhr :
Zitat: "WIR SIND EINE NO SMARTFONE SCHOOL". Und das an einer Schule wo Sprachen und Schrift gelehrt werden sollen. Groß/Kleinschreibung in den Schlagworten dieser Schule sind komplett egal. Schule wird als "School" bezeichnet. Wie will eine Schule mit dieser Vergewaltigung der Sprache und dem Lehrauftrag Kindern etwas beibringen?
Kommentar 2: Bernd Köln schreibt am 15.06.2026, 11:11 Uhr :
Einfach nur:.....sehr schön! Die Cellphonenutzung, eine Leidenschaft, die größtenteils nur Leiden schafft.
Kommentar 1: na endlich schreibt am 15.06.2026, 08:55 Uhr :
Endlich mal etwas dass Eltern hilft. Statt Smartphone als Quasi-Standard - erwartet sogar von Lehrkräften - und von Eltern angeschafft damit das eigene Kind "mithalten" kann, einfach mal ein NEIN. Das wird vielen Eltern helfen, nein zu sagen und dabei zu bleiben. Schließlich geht es um das Kind und die unwiederbringliche Jugendzeit, in der analoges Erleben und Lernen wichtige Erfahrungen sind. Und für die daddelfreie Version der Erreichbarkeit gibt es ja noch Tastenhandys ...