Solingen: Kein Social Media in der fünften Klasse
Lokalzeit Bergisches Land. 27.08.2025. 03:09 Min.. Verfügbar bis 27.08.2027. WDR. Von Joschka Heinemann.
Zuhause und in Schule: Alle Fünftklässler ohne Social Media in Solingen
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In Solingen ist heute mit dem neuen Schuljahr an allen weiterführenden Schulen ein einzigartiges Vorhaben gestartet. Mehr als 1000 Fünftklässler sollen vorerst ohne Soziale Medien auskommen – in der Schule und auch zuhause.
So auch am Humboldt-Gymnasium in Solingen. Für etwa 140 Fünftklässler ist hier heute ein ganz besonderer Tag. Die Kinder sind aufgeregt, für sie öffnet sich jetzt ein neues Kapitel. Nicht nur an der Schule, sondern auch für sie und ihr Handy.
Social Media ist bei den Schülern bisher noch kein großes Thema gewesen. Viele nutzen es kaum. So wie auch Carlos Petti, der heute seinen ersten Schultag am Gymnasium hat. Er hat das Handy direkt zu Hause gelasen. Seine Mutter Karin ist auch mit dabei. Sie findet das generelle Social Media-Verbot gut: "Sonst dürfe der eine und der andere nicht. So gilt für alle das Gleiche."
Langer Vorlauf
Eineinhalb Jahre haben in Solingen die Schulen, die Stadt, Psychologen und nicht zuletzt die Eltern das Projekt vorbereitet. Sie haben eine sogenannte Erziehungspartnerschaft ins Leben gerufen, die das Tabu für die Neuankömmlinge in der fünften Klasse auch formal absichert.
Humboldt Gymnasium in Solingen
Bei der Anmeldung zur Schule haben sich die Eltern in einem Formular zwar nicht im rechtlichen Sinne verpflichtet, aber sie haben sich dazu bereit erklärt, ihren Teil beizutragen und Zuhause darauf zu achten, dass ihre Kinder Social Media meiden. Die allergrößte Mehrheit, so die Organisatoren, unterstütze die Erziehungspartnerschaft.
Mobbing, Unglück, Selbstzweifel bei Jugendlichen
Der wichtigste Gedanke dahinter: Soziale Medien können junge Menschen unglücklich machen. Nicht selten leiden sie unter Mobbing durch die Sozialen Medien. Das Ziel ist es, Elf- bis Zwölfjährige vor den Folgen des Konsums von TikTok, Instagram und zum Beispiel Snapchat zu bewahren. Die Schule evaluiert das Projekt. Man möchte auch Wissenschaftler noch dazu holen.
Solinger Psychologen sind alarmiert
Wenn keiner der Fünftklässler diese Medien in der Schule und zuhause nutze, gebe es auch keinen sozialen Druck, Teil der Netzwerke zu sein. Markus Surrey vom Schulpsychologischen Dienst in Solingen beschreibt das so: "In einer Phase, die für Jugendliche eigentlich zu den glücklichsten im ganzen Leben zählt, erleben sie heute Sorgen, Ängste und Selbstzweifel, ausgelöst auch durch den Konsum von Sozialen Medien."
Sieben Stunden täglich mit Insta, TikTok, Snapchat
Den Bedarf, Social Media für Fünftklässler zu regeln, scheint eine Studie der OECD zu bestätigen: Danach verbringen zum Beispiel Fünfzehnjährige im Durchschnitt 48 Stunden pro Woche mit dem Konsum von Inhalten auf Instagram, TikTok und anderen Kanälen. Sieben Stunden pro Tag mit Sozialen Medien – da wollen die Solinger Schulen offenbar zumindest bei den Jüngeren ein Wörtchen mitreden.
Schulen bilden Medienscouts aus
Bei dieser Vereinbarung soll es in Solingen aber nicht bleiben, Aufklärung über Chancen und Risiken Sozialer Medien gehören dort an vielen Schulen zum Unterrichtsalltag. Ständig werden Schülerinnen und Schüler zu Medienscouts ausgebildet. Ihre Aufgabe: Ganz konkret ihre jüngeren Mitschüler im Umgang mit Insta und anderen Kanälen zu schulen und so für eine gut reflektierte Medienkompetenz zu sorgen.
Unsere Quellen:
- Schulpsychologischer Dienst Solingen
- OECD
- WDR-Reporter vor Ort