Ab dem 1. Juni gibt es eine große Änderung bei Tickets für Bus und Bahn im VRR. Der Verkehrsverbund setzt Stufe zwei der neuen Tarifreform um und schafft endgültig die Wabenstruktur und das Zwei-Waben-Tarifsystem ab - nach 45 Jahren.
Der VRR will damit die kleinteilige und komplexe Tarifstruktur auflösen.
"Dieses historisch gewachsene System galt als erklärungsbedürftig und wurde zuletzt von weniger als einem Prozent der VRR‑Kund:innen genutzt. Mit der Reform entfallen komplizierte Ausnahmeregelungen – stattdessen gelten künftig im gesamten Verbund klar definierte und einheitliche Preisstufen." Verkehrsverbund Rhein-Ruhr
Bislang geteilte Großstädte wie Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal sind in Zukunft jeweils ein eigenes Tarifgebiet. Innerhalb dieser gilt in Zukunft Preisstufe A.
Eezy.nrw-Ticket soll erste Wahl werden
Wer ab Juni weiterhin zwischen den Städten pendeln möchte, muss für analoge Tickets teilweise Preisstufe B (für 7,80 Euro) kaufen. Das Zwei-Waben-System ermöglichte vorher das Pendeln zwischen den Städten in der günstigen Preisstufe A (Preis: 3,80 Euro). Das gibt es jetzt nicht mehr.
Der VRR möchte, dass das digitale günstigere Check-In/Check-Out-Ticket "eezy.nrw" in Zukunft die erste Wahl wird, sagte der Verbund auf WDR-Nachfrage. Dabei werden neben einem Grundpreis nur die zurückgelegten Luftlinienkilometer zwischen Einstiegs-haltestelle und Endhaltestelle bezahlt.
Fahrten in Nachbarstädte mit analogem Einzel-Ticket doppelt so teuer
Die Städte Herne und Castrop-Rauxel werden in Zukunft zu einem Tarifgebiet zusammengefasst. Innerhalb dessen gilt in Zukunft Preisstufe A. Herne beispielsweise liegt allerdings zwischen gleich mehreren größeren Städten. Wer von hier nach Bochum oder andere benachbarte Städte pendeln möchte und nicht das digitale Eezy-Ticket verwenden möchte, rutscht in die teurere Preisstufe B für 7,80 Euro.
Wer von Herne oder Castrop-Rauxel in andere Städte fahren will, zahlt analog bald mehr.
Bemerkbar macht sich die Reform also vor allem an den Stadtgrenzen. Teilweise liegen zwischen den Städten im Ruhrgebiet nur wenige Kilometer, ein oder zwei Haltestellen und wenige Minuten Fahrzeit. Der Fahrgastverband PRO BAHN NRW kritisiert die neue VRR-Reform.
Zwischen den Städten liegen manchmal nur zwei Minuten Fahrt
Wer mit der Linie U18 zum Beispiel von der Haltestelle "Wickenburgstr" in Essen zur Haltestelle "Rosendeller Str." in Mülheim fahren will, ist davon zum Beispiel betroffen und zahlt für ein analoges Ticket 7,80 Euro, erklärt Lothar Ebbers von PRO BAHN NRW. Die Haltestelle dazwischen ("Rhein Ruhr Zentrum") gehört noch in den Essener Stadttarif.
In vielen Fällen gäbe es also eine Grenz-Haltestelle, die sowohl zu einer Stadt, als auch zur anderen zählt. In anderen Fällen gebe es aber auch die Situation, dass man nur für eine einzige Haltestelle aufgrund des direkten Grenzübertritts direkt den höheren Preis zahlt.
"Das sind Preise, die zum Weglaufen sind. Da werden viele Fahrgäste sagen: Da lauf ich lieber." Lothar Ebbers, PRO BAHN NRW
Die Stadtgrenzen im Ruhrgebiet gingen ja manchmal durch gewachsene Ortsteile, erklärt Ebbers: Mülheim-Styrum und Oberhausen-Styrum, Essen-Fulerum oder Mülheim-Fulerum. Innerhalb eines Stadtteils sei dann der gleiche Preis notwendig, wie von Essen nach Gelsenkirchen oder nach Dortmund. Das sei nicht gerecht. Ebbers forderte Fahrgäste im WDR-Interview auf, sich bei Beschwerden nicht an die einzelnen Verkehrsbetriebe sondern an den VRR zu wenden.
"Die Verkehrsunternehmen baden nur das aus, was die Gremien des VRR beschlossen haben. Nur wenn da wirklich eine große Anzahl an Protesten zusammenkommt, wird man merken, dass man hier deutlich fehlkalkuliert hat." Lothar Ebbers, PRO BAHN NRW
Das Eezy-Ticket liegt für kurze Fahrten von ein, zwei Haltestellen bei etwas mehr als zwei Euro. Per se schlecht findet Ebbers das digitale Ticket nicht:
"Der Eezy-Tarif ist ein guter, sehr gerechter Tarif. Allerdings: Er ist bislang nur verfügbar für Leute, die das Smartphone nutzen und es während der gesamten Fahrt mit Ortungsfunktion benutzen wollen." Lothar Ebbers, PRO BAHN NRW
Diese Besonderheit hat das Eezy-Ticket
Wer sich statt einem festen Abonnement oder dem teuren Preisstufe B-Ticket für das digitale Check-In/Check-Out-Ticket entscheidet und in Summe pro Monat mehr als 63 Euro zahlt, kann für den restlichen Monat damit kostenlos in ganz NRW unterwegs sein.
Allerdings ist dafür immer ein voller Akku und eine funktionierende Internetverbindung erforderlich. Bis Ende 2025 wurden mehr als 18 Millionen Fahrten mit dem Eezy-Ticket gemacht.
Unsere Quellen:
- Verkehrsverbund Rhein-Ruhr
- PRO BAHN NRW
Sendung: WDR.de, VRR Ticket-Reform, 19.05.2026, 17:20 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 19.05.2026, 19:30 Uhr
