Sparkassen-Chef entschuldigt sich bei Betroffenen | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 20.02.2026 22:23 Min. UT Verfügbar bis 20.02.2028 WDR Von Oliver Schöndube

"Es tut uns leid": Gelsenkirchener Sparkassen-Chef stellt sich Kritik

Stand:

Zum ersten Mal seit dem spektakulären Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen hat sich der Bank-Chef den Betroffenen gestellt. Im WDR Lokalzeit Stadtgespräch musste er dabei viel einstecken.

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Olaf Biernat
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Michael Klotz rutscht ein wenig unruhig auf seinem Hocker herum. Die Aufregung ist dem Chef der Gelsenkirchener Sparkasse anzumerken. "Es trifft uns zutiefst und es tut uns auch leid", setzt er an. Doch weiter kommt er nicht. Im Saal brandet höhnisches Stöhnen auf. Das erste Aufeinandertreffen von Klotz und Geschädigten des Sparkassen-Einbruchs Ende Dezember zeigt schnell: Hier sind viele Emotionen im Spiel. Aufgestaute Wut, Verzweiflung, Unsicherheit.

Betroffene des Sparkassen-Einbruchs in Gelsenkirchen sitzen beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch im Schauburg Filmpalast

Betroffen und wütend: Petra, Sigrid und andere Opfer des Einbruchs

Mehr als 200 Menschen sitzen im komplett gefüllten Kinosaal des Schauburg Filmpalastes in Gelsenkirchen-Buer. Viele von ihnen haben beim Einbruch den Inhalt ihrer Schließfächer verloren. "Ich hatte Schmuck und Bargeld im Fach, die Ersparnisse von vielen Jahrzehnten", sagt Petra. Es war ihr Polster für ein paar Sorgen weniger im Alter. Neben ihr berichtet Sigrid von "Wut, Ratlosigkeit und schlaflosen Nächten" – auch rund zwei Monate nach der Tat.

Sparkassen-Chef räumt Fehler ein

Was viele Betroffene vor allem wütend macht: Erst jetzt, zwei Monate nach dem Einbruch, stellt sich Klotz ihren Fragen. "Wo waren Sie bisher?", fragt ein Mann aus dem Publikum das, was viele hier umtreibt. Sie hätten sich ein paar Worte, ein persönliches Gespräch mit dem Sparkassen-Chef gewünscht. Die Sparkasse hatte geschädigte Schließfachkunden in einem Schreiben über den Einbruch benachrichtigt, Informationen auf ihre Homepage gestellt und eine Hotline geschaltet.

Der Gelsenkirchener Sparkassen-Chef Michael Klotz beim WDR Loklzeit Stadtgespräch

Stellt sich den Betroffenen: Sparkassen-Chef Michael Klotz

"Rückschauend betrachtet hätte man sich stellen sollen", räumt Klotz ein, "aber wir hatten auch Sorgen, dass die Situation weiter eskaliert". Am Tag nach Bekanntwerden des Einbruchs hatte sich eine aufgebrachte Menschenmenge vor der Sparkassen-Filiale versammelt, wollte Auskünfte und Antworten.

Intensive Ermittlungen

Auskünfte erhoffen sich die Betroffenen an diesem Abend auch zur Sicherheit. Wie konnte es überhaupt passieren, dass der Tresorraum aufgebrochen wurde? Warum glaubte die Sparkasse, dass alles ausreichend gesichert ist? "Wir überprüfen regelmäßig unsere Sicherheitskonzepte, auch zusammen mit Fachfirmen", sagt Klotz, "aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht". Details zu den Sicherungssystemen will er nicht nennen.

Gelsenkirchens Polizeipräsident Tim Frommeyer beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch

Beschreibt die umfangreichen Ermittlungen: Polizeipräsident Tim Formmeyer

Gelsenkirchens Polizeipräsident Tim Frommeyer springt ihm dabei etwas zur Seite. "Die Tat wurde von Schwerstkriminellen in sehr professioneller Art begangen", sagt er und berichtet vom riesigen Umfang des Falles. Bis zu 350 Ermittler gleichzeitig waren in den letzten Wochen in der "BAO Bohrer" an dem Fall dran. Sie sichern Spuren auf tausenden Gegenständen aus dem Tresorraum, haben rund 1.800 Schließfachbesitzer bisher befragt, unzählige Stunden Videomaterial gesichtet. "Wir versuchen, alles so schnell wie möglich, aber so ordentlich wie möglich abzuwickeln", sagt Frommeyer.

Streit über Versicherung

Ordentlich müssen auch die betroffenen Schließfachbesitzer sein. Sie müssen genau auflisten, was in den Fächern war. Mit Belegen oder Fotos zum Beispiel. Das Problem: Die Schließfächer sind standardmäßig nur mit maximal 10.300 Euro versichert. Dabei hatten viele wohl deutlich höhere Werte in den Fächern gelagert.

Der vom Einbruch betroffene Jochen wird von WDR-Moderator Olaf Biernat befragt

Stellt Aussagen der Sparkasse infrage: der vom Einbruch betroffene Jochen

Auf die Versicherungssumme wird in Beratungsgesprächen hingewiesen und sie steht auch so im Schließfach-Vertrag, sagt Sparkassen-Chef Klotz. "Eine Beratung hat nicht stattgefunden", sagt dagegen Jochen, seit Jahrzehnten Kunde bei der Sparkasse. Eine Erhöhung seines Versicherungsbetrags zu einem späteren Zeitpunkt sei laut einer Sparkassenmitarbeiterin nicht möglich gewesen. Einer von vielen Punkten, bei denen sich Klotz und die Betroffenen an diesem Abend nicht einig werden.

Fall wühlt Betroffene auf

Einig sind sie sich wohl nur darin, dass sie der Fall extrem aufwühlt. "Seit Ende Dezember ist kaum eine Minute vergangen, in der ich mich nicht mit dem Einbruch beschäftigt hätte, im Büro und außerhalb", sagt Klotz, "das geht auch an mir nicht spurlos vorbei". Klotz ist erst seit Anfang November Chef der Gelsenkirchener Sparkasse, nach ein paar Wochen im Amt war er mit dem Einbruch konfrontiert, der weit über Gelsenkirchen hinaus für Schlagzeilen sorgt.

Tatortfoto des Tresorraums in der Sparkasse Gelsenkirchen

Die aufgebrochenen Schließfächer stapeln sich am Tatort im Tresorraum

Eine kleine gute Nachricht kann der Sparkassen-Chef noch verkünden. In der übernächsten Woche will die Sparkasse mit den Besitzern von nicht aufgebrochenen Schließfächern Termine ausmachen. Denn neben rund 3.000 aufgebrochenen Fächern haben die Täter auch 140 unangetastet gelassen.

Und auch Polizeipräsident Frommeyer will den aufwühlenden Abend des WDR Lokalzeit Stadtgesprächs zumindest mit etwas Optimismus enden lassen: "Aufgrund der vielen Spuren, die da sind, werden wir, da bin ich positiv, diese Täter irgendwann bekommen."

Unsere Quellen:

  • WDR Lokalzeit Stadtgespräch
  • Michael Klotz, Chef der Sparkasse Gelsenkirchen
  • Tim Frommeyer, Polizeipräsident Gelsenkirchen
  • Betroffene des Sparkassen-Einbruchs

Sendung: WDR.de, Lokalzeit Stadtgespräch: Der Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen, 19.02.2026, 21.00 Uhr

Stadtgespräch aus Gelsenkirchen: Der Sparkassen-Coup

Lokalzeit Stadtgespräch 19.02.2026 57:03 Min. Verfügbar bis 19.02.2028 WDR 5

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Kommentare zum Thema

92 Kommentare

  • 92 Philipp 20.02.2026, 16:47 Uhr

    Ich hätte mal ne ganz simple Frage gestellt! Warum gab es keine Körperschallsensoren??? Wo waren die? Auch im Wochenende? Das hätte ne Menge Arbeit erspart!!!

  • 91 Stammtisch 20.02.2026, 16:36 Uhr

    Die Täter mussten doch wissen, dass im Tresorraum keine Bewegungsmelder mit Alarmfunktion sind. Den Durchbruch mit dem Stemmhammer und Kernbohrer muss doch einer bemerkt haben. Auf dem Foto ist keine Bewehrung in der hinteren Tresorwand zu erkennen. Die Täter mussten den Tresoraum zuordnen können oder hatten Gebäudepläne. Aber die Kohle wird weg sein. Dreistigkeit siegt. Eine Millionen unerledigte Strafverfahren liegen bei deutschen Gerichten. Letztens wurden sogar 50 tatverdächtige Schwerverbrecher wegen Fristversäumnisse entlassen. Was sollen Täter auch fürchten?

  • 90 M. 20.02.2026, 15:49 Uhr

    Ich habe es schon mal geschrieben und wiederhole es noch mal: Die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer sollte schnellstmöglich mit anderen Sparkassen fusionieren. Bei uns im Münsterland gibt es solche Einzel-Sparkassen nicht mehr und das ist auch gut so. Je nachdem wie die Klagen ausgehen, muss die Sparkasse das sogar, weil sie sonst wirtschaftlich nicht überleben kann.

  • 89 Benni 20.02.2026, 15:43 Uhr

    Ich hoffe, der Sonderkommission der Polizei sind auch Kräfte der Finanz- und Sozialbehörden angeschlossen.

  • 88 Susi 20.02.2026, 15:00 Uhr

    Die Menschen haben Angst vor einem immer autoritärer werdenden Staat. Darum Schließfach! Ich meine nicht die Corona-Testbuden, die Tests illegal abgerechnet haben oder Gastronomen, die ihren Wareneinkauf bar im Lidl tätigen. Ich meine Menschen, die nur einfache und ehrliche Jobs hatten oder haben. Diese können nicht viel Sparguthaben aufbauen. Wenn später das Pflegeheim droht, reicht der Selbstbehalt nur noch für die eigenen Beerdigungskosten. Die Menschen verlieren ihre Habitate u. Habseligkeiten. Bevor der Bestatter die letzte Ölung vornimmt, werden die Menschen auch finanziell komplett vom Staat entkleidet. Der eigene Plunder wird mit der Schrankwand im Stile des Gelsenkirchener-Barocks entrümpelt. Finanziell unmündig bleibt im Heim nur noch der gelegentliche Kauf einer Fernsehzeitschrift. Die Ängste vor dieser Situation sind größer als die Ängste vor dem Risiko eines Schließfachaufbruchs. Das muss man doch verstehen.

  • 87 Lisa 20.02.2026, 14:43 Uhr

    Natürlich tun mir die ehrlichen Betroffenen sehr leid. Das man wertvolle Gegenstände/Schmuck im Schließfach lagert, ist ja nachvollziehbar. Aber niemand hat hier mal plausibel erklärt, warum er viel Geld ins Schließfach gelegt hat. Z.B. Warum legt jemand sein Geld für den Urlaub hier ab statt auf dem Konto. Wenn ich eine Urlaubsreise buche, muß ich die Kosten hierfür doch i.d.R. überweisen. Oder der Fall, wo ein Immobiliengeschäft über mehrere hunderttausend Euro bar abgewickelt wird und das Geld dann ins Schließfach wandert ?!? Nun, ich denke, da kann sich jeder seine Gedanken zu machen.

    Antworten (2)
    • Bärbel 20.02.2026, 15:39 Uhr

      Ganz meine Einstellung zu diesem Fall

    • Paul S. 20.02.2026, 16:45 Uhr

      @Lisa Ihre Bemerkung: Nun, ich denke, da kann sich jeder seine Gedanken zu machen. Damit habe ich mich auch beschäftigt. Sie denken dabei an Geschäftsleute? Ich auch an Private, die vielleicht Unterstützung vom Staat bekommen wollen und keiner soll wissen, das ein höherer Geldbetrag vorhanden ist. Es ist nur eine Vermutung, aber möglich. Das Finanzamt ist nicht dumm, wenn bestimmte Gründe vorhanden sind, kann es ein Schließfach öffnen lassen. Zum Bsp. bei Erbe oder bei fragwürdige Einkommen- Verhältnisse.

  • 86 Franziska 1 20.02.2026, 14:43 Uhr

    Die Bank schützt „Guthaben auf Konten bis zu ca.100.000 Euro pro Kunde“, aber nicht Bargeld mit einer hohen Summe in einem Bankschließfach. Was nützen Fotos einmal vom Geldbetrag mit Datum, wenn später eine Geld-Entnahme gemacht, ein weiterer Geldbetrag abgelegt wird ohne weitere Fotos und Bestandsliste im Schließfach? Entscheidend sind immer die Regeln vom jeweiligen Schließfachvertrag. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wurden über 50.000 Gegenstände nach dem Raub detailliert erfasst, katalogisiert und fotografiert. Alle Gegenstände befinden sich in sicherer Verwahrung der Polizei. Sie darf die Gegenstände noch nicht herausgeben, dass muss doch jeden klar sein bei einem Bankraub. Ich verstehe die Wut der betroffenen Bankkunden, jedoch gerecht muss alles protokolliert sein. Gezielte Befragungen der Kunden entscheiden, ob er der wahre Besitzer ist. Das alles dauert seine Zeit. In Bezug der Haltung von der Sparkasse, wie oft muss noch gesagt werden von ihr: „Es tut uns leid“?

  • 85 Klaus 20.02.2026, 14:42 Uhr

    Krass wie hier einige die Opfer zu den Verbrechern machen oder für Dumm beschimpfen weil sie Vermögen im Fach haben Unglaublich

    Antworten (1)
    • Bärbel 20.02.2026, 15:48 Uhr

      Man ist erstaunt wie naiv die Leute sind. So legt man sein legal erworbenes Vermögen nicht an, und schon gar kein Geld.

  • 84 Lena 20.02.2026, 13:44 Uhr

    Was ich mich die ganze Zeit frage: w“ren diese enormen Werte wirklich in den Schließfächern? Wenn ja, waren die legal erworben? Kein halbwegs vernünftiger Mensch legt doch Bargeld in ein Schließfach. Es sei denn, es ist Schwarzgeld. Werden diese Aspekte auch in die Aufklärung einbezogen? Dass wichtige Papiere dort liegen, bzw. In beglaubigter Kopie liegen, verstehe ich. Aber diese anderen Werte: gibt/gab es die tatsächlich?

  • 83 Daniel S. 20.02.2026, 13:36 Uhr

    Es ist trotzdem seltsam das soviel Geld in den Fächern rumlag. Es wäre intressant herrauszufinden wo das immer herkam.

  • 82 Hans 20.02.2026, 12:52 Uhr

    Das Problem bei den Sparkassen ist, das der Vorstand eher nach politischen Kalkül als nach Fähigkeit besetzt werden. Korrekt wäre, wenn der Vorstand zurücktritt, aber selbst Politiker stehen ja heute für die Böcke, die sie schiessen, nicht mehr gerade.

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