Nach Einbruch in Sparkasse: Kläger bekommt Schmuck zurück
WDR. 02:28 Min.. Verfügbar bis 19.06.2028.
Damit hat Joachim Wagner nicht gerechnet. Der 63-Jährige ist eines der Opfer des spektakulären Einbruchs in die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer. Gold und Schmuck aus seinem Schließfach sind futsch - er hat die Sparkasse verklagt. Vor ein paar Tagen hat er überraschend Post bekommen, die Sparkasse hat ihn zu einem Termin gebeten. Dort hat er Schmuck zurückbekommen, den die Täter im Tresorraum liegen gelassen haben.
Große emotionale Bedeutung
"Ich bin sehr überrascht", sagt Alfred Wagner. Denn gleich fünf Schmuckstücke sind unter den Wertsachen, darunter ein ganz besonderes Schätzchen. Der Onyx-Ring seines Vaters. "Der hat eine besondere emotionale Bedeutung für mich", sagt Wagner.
Familienerbstücke wieder da
Weil das Interesse so groß ist, hat Wagner eine kleine Pressekonferenz organisiert vor der Servicestelle der Sparkasse am Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Seine Tochter Isabella begleitet ihn. Beide zeigen die gerade zurückbekommenen Familienerbstücke. Insgesamt hat Wagner 23 verloren gegangene Sachen auf einer Inventarliste aufgeführt. Auch wenn er nur einen kleinen Teil zurückbekommt, ist er froh: "Ich bin der Sparkasse dankbar, dass ich jetzt einige Schmuckstücke zurück habe".
Joachim Wagner ist auch deshalb froh, weil die Richter der 6. Zivilkammer des Landgerichtes Essen ihm vor einer guten Woche eine Einschätzung zu seinen Wertgegenständen im Schließfach gegeben haben. Geld sei einfacher zu bewerten als der Wert von Schmuckstücken, hieß es. Im Klartext: Er hat gute Chancen, seine verloren gegangenen Goldmünzen erstattet zu bekommen, Ringe, Ketten und anderen Schmuck wohl nicht. Vorausgesetzt, die Sparkasse würde verurteilt. Das Zivilgericht hatte beim Verhandlungsauftakt für die Goldmünzen bei dem aktuellen Goldpreis 37.000 Euro als mögliche Schadenssumme veranschlagt.
Zurückgegebene Familienerbstücke
Rückgabe läuft schleppend
Seit einigen Wochen ist die Sparkasse mittlerweile damit beschäftigt, Wertgegenstände an Kunden zurückzugeben. Voraussetzung dafür sind jedoch klare Beweise, Alfred Wagner hat zum Beispiel Fotos von seinen Sachen gemacht. Doch die Rückgabe zieht sich, insgesamt wurden mehr als 50.000 Wertgegenstände aufgefunden und katalogisiert. Doch bislang wurden erst zwischen 100 und 200 Kunden zu Terminen gebeten.
Alfred Wagner vor dem Prozessauftakt
Unterdessen laufen bei der Polizei Gelsenkirchen Zeugengespräche weiter, zu der die Kunden erscheinen müssen. Bis auf rund 20 Schließfachinhaber sind in den letzten Monaten alle der Vorladung ins Präsidium gefolgt. Die Polizei hofft durch die Inventarlisten den Tätern auf die Spur zu kommen, weil zum Beispiel Gegenstände verkauft werden könnten.
Verkündung Anfang Juli
Das Landgericht Essen will am 9. Juli verkünden, wie es mit der Klage weitergeht. Vermutlich wird es dann ein Gutachten in Auftrag geben, das ermitteln soll, wie die Sparkasse Gelsenkirchen gesichert war und ob es Verfehlungen gab. Alfred Wagner weiß, dass sich ein Ergebnis noch eine Weile hinziehen kann. Heute aber ist er erst einmal froh, für immer verloren geglaubte Familienerbstücke wieder in den Händen zu halten.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Joachim Wagner
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 19.06.2026, 13:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 19.06.2026, 19:30 Uhr

