Nach dem Einbruch: Erste Klagen gegen Sparkasse Gelsenkirchen

Lokalzeit Ruhr 28.01.2026 02:37 Min. Verfügbar bis 28.01.2028 WDR Von Carmen Krafft-Dahlhoff

Gutachten hinterfragt Sicherheitskonzept der Sparkasse Gelsenkirchen

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Nach dem Einbruch in der Sparkasse Gelsenkirchen sind Details aus einem Gutachten bekannt geworden: Danach hätte der Einbruch höchstwahrscheinlich scheitern müssen, wenn übliche Standards eingehalten worden wären. Der Anwalt der Einbruchsopfer stützt sich darauf.

Von Olaf Biernat, Carmen Krafft

Vor sechs Wochen war der Aufbruch von über 3000 Schließfächern in der Sparkasse Gelsenkirchen entdeckt worden. Täter bohren ein Loch in den Tresorraum und erbeuteten einen dreistelligen Millionenbetrag. Ein Anwalt hat erste Klagen gegen die Sparkasse eingereicht und wirft ihr "grobe Fahrlässigkeit" vor.

Anwalt Daniel Kuhlmann kommt zu dieser Einschätzung nachdem ihm ein 60-seitiges Gutachten vorliegt. Das hat er bei einem renommierten Sachverständigen in Sachen Bankensicherheit in Auftrag gegeben. Laut Gutachten scheint fraglich, was die Sparkasse Gelsenkirchen immer wieder versichert: Die Sicherheit des Tresorraums sei auf dem "anerkannten Stand der Technik" gewesen.

Es gibt branchenübliche Standards für die Sicherheit von Banken

Auch wenn die Sicherheit von Banken nicht gesetzlich geregelt ist - es gibt branchenübliche Standards. An diese Normen - so der Gutachter – halte sich die überwiegende Mehrheit der Geldinstitute. Richtlinien des Verbandes der Versicherer und Verbandes der Elektrotechnik sehen detaillierte Analysen und Maßnahmen in verschiedenen Bereichen vor.

Baulich ist zum Beispiel die Dicke der Wände des Tresorraums wichtig, durch die elektronischen Sicherung muss bei einem Durchbruch durch eine Tresorraum-Wand Alarm ausgelöst werden. Im Alarmfall muss organisatorisch geregelt sein, wie der Einsatz von Polizei und Wachdienst läuft und wer dann personell wo genau Zutritt hat.

Sparkasse Gelsenkirchen: Anlagen vor zwei Jahren erneuert

Die Sparkasse Gelsenkirchen äußerte gegenüber dem WDR, dass die Einbruch- und Brandmeldeanlagen der Filialen vor zwei Jahren erneuert worden seien. Einen Einbruch in einen Tresorraum mit einem Bohrer hatte es zuletzt vor drei Jahren bei der Sparkasse in Strausberg, Märkisch-Oderland gegeben.

Anwalt vertritt Fälle mit hoher Beweislast

Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann

Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann

Inzwischen hat Anwalt Daniel Kuhlmann drei Klagen von Schließfachbesitzern dem Landgericht Essen übermittelt. Neben dem Gutachten, das er selbst in Auftrag gegeben hat, stützt er sich auf eine vom OLG Hamburg bestellte Studie, das der Hamburger Sparkasse nach einem Einbruch in die Filiale Norderstedt (2021) schwere Sicherheitsmängel vorwirft.

Auch hier waren die Täter mit einem Bohrer in den Tresorraum eingedrungen. Das Verfahren hatte die Sparkasse verloren. Das Berufungsverfahren läuft.

Hohe Summen im Schließfach

Unter den Personen, die klagen, ist eine Rentnerin. Die Frau habe eine Eigentumswohnung verkauft und die Summe von rund 400.000 Euro in bar in ihrem Fach aufbewahrt. Den hohen Betrag könne die Frau auch nachweisen. Ein weiterer Kläger habe vor allem Gold im Wert von rund 50.000 Euro in seinem Schließfach aufbewahrt. Auch dafür gebe es Nachweise.

Der dritte Kläger ist Daniel Oryan, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens: "Bei mir im Schließfach lagen Werte, die natürlich die Versicherungssumme überschritten haben. Und da geht es natürlich auch drum, da möglichst schnell, so viel wie möglich von dem Schaden zurückzubekommen", sagt er. Die Schließfach-Versicherung deckt nur den Verlust von bis zu 10.300 Euro ab.

Hoffnung auf drei Musterklagen

Ein großes Loch in der Wand eines Vorraums zum dahinterliegenden Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen-Buer.

Die Täter bohrten ein 40 Zentimeter großes Loch in die Wand zum Tersorraum

Anwalt Daniel Kuhlmann will erreichen, dass die drei Verfahren als Musterklagen behandelt werden. Dazu sei er mit der Sparkasse Gelsenkirchen im Austausch. "Wenn die Musterklagen positiv ausgehen, werden alle unserer anderen Mandanten davon profitieren", so der Anwalt. Lasse sich die Sparkasse nicht darauf ein, würden zu einem späteren Zeitpunkt weitere Klagen eingereicht. Der Anwalt habe die Mandate von mehreren hundert Geschädigten.

Sparkasse weist Sicherheitsmängel zurück

Auch im Gelsenkirchener Fall gebe es laut Auskunft des Anwalts schwere Sicherheitsmängel, so habe unter anderem ein spezieller Schutz in der Wand zum Tersorraum gefehlt, den die Täter Ende Dezember aufgebohrt hatten. Die Sparkasse Gelsenkirchen wies zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik in der Bank zurück, die Filiale sei nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert gewesen.

Dreistellige Millionensumme als Beute?

Bei dem Einbruch überwanden die Täter Ende Dezember mehrere Sicherheitssysteme und erbeuteten nach Schätzungen eine dreistellige Millionensumme. Wie den Einbrechern das gelang ohne den Einbruchalarm auszulösen, gilt als zentrale Frage der Ermittlungen.

Bislang keine Spur von Tätern

Noch gibt es keine heiße Spur auf die Täter. Die Ermittler haben bereits 1200 Schließfachbesitzer vernommen, außerdem wurden 130 Mitarbeiter der Sparkasse, eingesetzte Polizei- und Feuerwehrkräfte sowie Hausbewohner befragt.

Die Spurensicherung im Tresorraum mit rund 500.000 Gegenständen, die die Täter im Tresorraum zurückgelassen haben, wurden 50.000 erfasst. Darunter persönliche Papiere, Schmuck, Uhren oder auch Gold. Parallel dazu gehen die Beamten rund 600 Hinweisen nach, die mittlerweile eingegangen sind.

Gutachten hinterfragt Sicherheitskonzept der Sparkasse Gelsenkirchen

WDR Studios NRW 10.02.2026 00:49 Min. Verfügbar bis 10.02.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter
  • Anwalt Daniel Kuhlmann
  • Sparkasse Gelsenkirchen
  • Polizei Gelsenkirchen

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Essen, 28.01.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de
, Gutachten hinterfragt Sicherheitskonzept der Sparkasse Gelsenkirchen, 10.02.2026, 19.49 Uhr

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