Zugewachsene Bahnstrecke mit Portal des Silscheder Tunnels in Gevelsberg - künftiger Radweg

Neue Fledermaus-Studie: Rückenwind für Tunnel-Radweg in Gevelsberg?

Stand:

In Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis geht der Streit um einen alten Eisenbahntunnel in eine neue Runde. Die Stadt will einen Radweg durch den Silscheder Tunnel bauen, Artenschützer haben große Bedenken wegen zahlreicher Fledermäuse. Jetzt gibt es eine neue Studie dazu.

Artenschutz gegen Verkehrswende - das ist im Grunde seit Jahren der Konflikt rund um den Tunnel. Einerseits würde eine schnelle Radverbindung von der Ruhr zur Wupper über die stillgelegte Bahntrasse via Wetter, Gevelsberg und Schwelm vielen Radelnden helfen. Andererseits würde diese Route nach den bisherigen Plänen durch den Silscheder Tunnel gehen - und in dem leben bis zu 300 Fledermäuse.

Silscheder Tunnel: NRW-weit bedeutend für Fledermausbestand

Und dass die Population der Tiere eine besondere, ja NRW-weit bedeutsame ist, zeigt eine neue Machbarkeitsstudie des Gutachterbüros Echolot in Münster, die die Stadt Gevelsberg in Auftrag gegeben hatte. Echolot ist auf das Thema Fledermäuse spezialisiert und schreibt über den Silscheder Tunnel: "Mit mindestens neun, und ggf. bis zu 14 im Tunnel Silschede überwinternden bzw. Quartier beziehenden Fledermausarten, ist er als besonders artenreich in NRW zu beurteilen."

Nachgewiesen im Tunnel sind laut der Studie zum Beispiel die Zwerg- und Wasserfledermaus oder auch die Kleine und Große Bartfledermaus. Arten, die dringend schützenswert sind - und die den Bau eines Radwegs äußerst kompliziert machen würden.

Neue Fledermaus-Studie zu Gevelsberger Tunnel

WDR 15.04.2026 00:57 Min. Verfügbar bis 14.04.2028

Download

Tunnel-in-Tunnel-Lösung für Gevelsberg

Der Silscheder Tunnel, durch den zuletzt vor über 40 Jahren der letzte Zug gefahren ist, sei laut der Studie in einem schlechten baulichen Zustand. "Zur belastbaren Prüfung der Standsicherheit des Tunnels sind daher zunächst systematische Kern- und Aufschlussbohrungen der Tunnelschale und des Gesteins oberhalb des Tunnels notwendig", so die Studie weiter.

Dass hier eine sogenannte Tunnel-in-Tunnel-Lösung nötig sei, sei bereits klar. Es müsste also ein Innentunnel in den alten Eisenbahntunnel gebaut werden, um die Tiere zu schützen.

Bürgermeister fühlt Rückenwind für Tunnel-Projekt

Wo hier Verkehrsplaner angesichts der großen Herausforderungen (und der Kosten) möglicherweise die Hände über dem Kopf zusammenschlagen könnten, sagt der Gevelsberger Bürgermeister: "Die Studie liefert uns eine gute Grundlage für den Bau." Claus Jacobi (SPD) möchte den Radweg durch den Tunnel schon seit Jahren durchsetzen und sieht in der neuen Studie viel positives.

Lokalpolitiker vor Silscheder Tunnel in Gevelsberg am 25.08.25

Bürgermeister Claus Jacobi (Mitte) und andere Lokalpolitiker machen sich seit Jahren für die Tunnel-Lösung stark

"Wir wissen jetzt, wo wir ansetzen müssen", so Jacobi. "Das müssen wir jetzt genauer untersuchen und dann können wir auch die Maßnahmen genauer steuern, die wir ergreifen müssen, um hier nicht in artenschutzrechtliche Verbote hineinzuschlittern." Ungewöhnlich ist, dass der Bürgermeister von "Wir" im Sinne von der Stadt Gevelsberg redet. Denn eigentlich ist für den Bau des Radweges der Landesbetrieb Straßen.NRW zuständig.

Straßen.NRW: Stadt soll den Tunnel-Radweg bauen

Der hatte jedoch zuletzt der Stadt Gevelsberg angeboten, dass diese den Radweg durch den Tunnel mit Geldern des Landes selbst bauen könnte. Straßen.NRW bestätigt dem WDR dieses Angebot und begründet es damit, dass die Instandhaltung diverser Verkehrswege und der Brückenbau gerade so viel Arbeitskapazität erfordere, dass man die Projekte priorisieren müsse. Für den Silscheder Tunnel fehle entsprechend die Kapazität.

Bürgermeister Jacobi und der Ennepe-Ruhr-Kreis als Eigentümer des Tunnels wollen sich schon bald mit Vertretern von Straßen.NRW treffen, um ein mögliches weiteres Vorgehen zu besprechen.

Umweltschützer fordern alternative Route

Ein Radweg zwischen Felswänden

Ein Teil der Route zwischen Ruhr und Wupper (hier bei Schwelm) ist schon länger fertig

Trotz dieser Aufbruchstimmung gibt es weiterhin zu den Plänen viele kritische Stimmen, die die Studie völlig anders lesen. Alexander Schnapp, Sprecher des Grünen-Ortsverbands, befürchtet eine lange und komplizierte Planungs- und Bauzeit für den Tunnelradweg und sorgt sich auch um die Fledermäuse.

Die Grünen seien nicht pauschal für Fledermäuse und gegen Radverkehr. Die Partei plädiere einfach nur für eine andere Route über den Silscheder Berg, denn die sei schneller und günstiger realisierbar, so Schnapp: "Wir wollen die komplette Radroute von der Ruhr bis zur Wupper in den nächsten drei Jahren realisiert sehen und nicht wegen eines komplizierten Tunnelprojekts zehn Jahre oder länger warten."

Unsere Quellen:

  • Machbarkeitsstudie des Gutachterbüros Echolot in Münster
  • Interview mit dem Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi (SPD)
  • Interview mit dem Sprecher des Grünen-Ortsverbands Alexander Schnapp
  • Straßen.NRW
  • vorherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Neue Fledermaus-Studie: Rückenwind für Tunnel-Radweg in Gevelsberg?, 15.04.2026, 09:15 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis

1 / 2