Lokalpolitiker vor Silscheder Tunnel in Gevelsberg am 25.08.25

Diskussion um Tunnel in Gevelsberg

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In Gevelsberg gibt es Streit um einen alten Eisenbahntunnel. Darin leben Fledermäuse, aber ein Radweg ist geplant.

Ein bisschen mussten sie sich durchkämpfen, um zum zugewachsenen Zugang des Tunnels zu gelangen: Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi, seine beiden Amtskollegen aus den Nachbarstädten Wetter (Ruhr) und Schwelm, der Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises Olaf Schade sowie der RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin, alle SPD. Mit dem Termin vor Ort am Montag wollen sie zeigen: Sie meinen es ernst mit dem Radweg durch den Silscheder Tunnel.

Letzter Zug fuhr vor 40 Jahren

Der alte Eisenbahntunnel im Gevelsberger Stadtteil Silschede ist über 800 Meter lang und seit über 40 Jahren stillgelegt, die Eingänge zugemauert. Durch kleine Öffnungen sind über die Jahre mehr und mehr Fledermäuse hineingelangt und leben dort. Artenschützer sprechen immer wieder über eines der artenreichsten Vorkommen in der Region, eine genaue Studie dazu steht aber noch aus.

Silschede

Der Abschnitt in Silschede wäre ein Teil des "Von Ruhr zu Ruhr"-Radweges - hier ein fertiger Bereich

Durch den Tunnel nun ein Fahrradweg? Gevelsbergs Bürgermeister Jacobi sagt: Ja! "Man muss bereit sein, viel Geld in die Hand zu nehmen", so der SPD-Politiker, "natürlich ist das artenschutzrechtlich anspruchsvoll." Zu den Plänen gehörten auch Ausgleichsmaßnahmen noch vor dem ersten Spatenstich wie zusätzliche Tunnelröhren bohren, um Ausgleichsräume für die Fledermäuse zu schaffen.

"Tunnel-in-Tunnel"-Lösung

Wieviel das kosten soll, lässt Jacobi offen. Es müsse der Politik aber etwas wert sein, denn ein Radweg durch den Silscheder Tunnel würde einen Wendepunkt markieren im Radwegenetz zwischen dem Bergischen Land und dem Ruhrtal. Der Tunnel liegt nämlich in einem Berg auf der früheren Bahnstrecke zwischen Witten über Wetter und Gevelsberg nach Schwelm. Teile des Radwegs sind auf beiden Seiten schon seit Jahren fertig - der Bereich um den Tunnel ist der Knackpunkt.

Die Maus schiebt ihren Namen auf einer Wiese

Grund für die Diskussionen: Fledermäuse im Tunnel

Und für den favorisieren die Lokalpolitiker eine sogenannte "Tunnel-in-Tunnel"-Lösung. Heißt: Es soll eine Röhre für Radfahrer in den Tunnel gebaut werden, die Freiraum lässt für einen Lebensraum für Fledermäuse. Die Tiere wären damit praktisch abgeschirmt vom Radverkehr. "Solche Lösungen haben wir schon mehrfach in unserem Kreis", so Landrat Olaf Schade.

Artenschützer mit großen Bedenken

Dass so eine Lösung funktionieren könnte, sehen Artenschützer und auch die Grünen in Gevelsberg skeptisch. "Der Bereich Tunnel, aber auch die Schluchten drumherum sind ökologisch ein hochsensibler Bereich", sagt Alexander Schnapp, Co-Sprecher der Grünen in Gevelsberg, und beruft sich auf Einschätzungen von Experten, unter anderem vom Naturschutzbund NABU.

Schnapp sieht vor allem ein Problem in der langen Zeit, die vergehen würde, bis klar sei, ob ein Radweg durch den Tunnel artenschutzrechtlich möglich wäre. Viele Untersuchungen seien dazu nötig und der Radweg würde sich um Jahre verzögern, zumal es schon jetzt Verspätungen beim Bau des Weges in anderen Abschnitten gäbe. Darum plädiert er für eine alternative Route über den Berg. Zumindest erst mal.

Radweg-Fertigstellung um Jahre verzögert?

Vor-Ort-Termin mit Radfahrern und NRW-Umweltminister Oliver Krischer am Silscheder Tunnel in Gevelsberg am 24.08.25

Radfahrer, Grünen-Politiker aus Gevelsberg und NRW-Umweltminister Oliver Krischer machten sich ein Bild vor Ort

"Wir reden hier über drei Kilometer", so Schnapp, "und bevor nun vielleicht 15 Jahre vergehen, bis so ein Projekt umgesetzt werden kann, lasst uns doch lieber eine steigungsarme Alternative finden." Mögliche Alternativrouten zeigten Schnapp und seine Parteikollegen am Wochenende bereits interessierten Radfahrern bei einem weiteren Vor-Ort-Termin, zu dem auch NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer, ebenfalls Grüne, kam.

"Das Problem ist, dass es hier Leute gibt, die so tun, als könnte man morgen schon die Bagger hier anrücken lassen", so Krischer mit Blick auf die Pläne der Bürgermeister und des Landrats, "und das ist einfach Quatsch." Gerichte würden solche vorschnellen Vorhaben sofort stoppen.

2.000 Unterschriften pro Tunnel-Lösung

Den Bürgern seien zu früh schon einfache Lösungen versprochen und damit falsche Erwartungen geweckt worden. Auch wenn Krischer sich nicht festlegen wollte, zeigte er sich eher offen für die alternative Route über den Berg. Die sieht Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi wegen des starken Anstiegs aber als viel zu steil an.

Radfahrer und Lokalpolitiker übergeben 2.000 Unterschriften pro Radweg im Silscheder Tunnel vor dem Landtag in Düsseldorf am 23.08.25

Übergabe der Unterschriften pro Tunnel-Radweg vor dem Düsseldorfer Landtag

Darum wollen er und seine Amtskollegen gemeinsam mit dem RVR, aber auch mit lokal organisierten Fahrradorganisation wie etwa dem ADFC weiter für die Tunnel-Lösung kämpfen. Am Wochenende radelten Bürger gemeinsam mit Jacobi von Gevelsberg zum Düsseldorfer Landtag, um dort 2.000 Unterschriften pro Tunnel-Radweg an den Petitionsausschuss zu übergeben.

Die Landespolitik dürfte sich also so oder so bald noch intensiver mit dem Tunnel-Konflikt in Gevelsberg beschäftigen und damit auch der Frage: Wie kann in einem solchen Fall ein Kompromiss zwischen Artenschutz und Fahrradmobilität aussehen?

Diskussion um Tunnel in Gevelsberg

WDR Studios NRW 25.08.2025 00:46 Min. Verfügbar bis 25.08.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • SPD Gevelsberg
  • Grüne Gevelsberg
  • Fachforum Radverkehr Gevelsberg
  • vorherige WDR-Berichterstattung

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