Hört man sich unter den Gevelsbergern um, erlebt man Kopfschütteln. Hört man sich beim Landesbetrieb StraßenNRW um, fallen Worte wie "Vorschriften", "Auflagen", "Ausschreibungen" oder "Artenschutz". Beides zusammen bedeutet: Ein seit Jahren geplanter Radweg durch Gevelsberg verzögert sich weiter.
Eigentlich sind es nur drei Kilometer und die sehen für den gemeinen Betrachter schon recht fortgeschritten aus: Auf der stillgelegten Bahnstrecke sind längst die Schienen entfernt, Brücken und Tunnel sind größtenteils umgebaut und es wurde auch schon mehrfach freigeschnitten. Fehlen augenscheinlich also nur noch Asphalt und Beschilderungen.
Überarbeitungen bei der Planung nötig
Doch der verantwortliche Betrieb StraßenNRW sagt nun, es habe bei der Planung noch Überarbeitungen gegeben: "Konkret geht es um das System Bewehrte Erde, das nun anstelle eines Gabionensystems gebaut werden soll", schreibt StraßenNRW dem WDR. "Deshalb müssen einzelne Aspekte der Ausführungsplanung noch dahingehend angepasst und verändert werden."
Gabionen - also große, mit Steinen gefüllte, Drahtkörbe - sind vom Tisch. Bewehrte Erde, eine umweltfreundlichere Variante der Befestigung zum Beispiel von Böschungen, soll nun an der Radstrecke umgesetzt werden. Und dies ist der eine Grund für die Verzögerung des Baus.
Artenschutz macht Ausbau schwierig
Den anderen Grund nennt StraßenNRW gleich hinterher: Artenschutz. "Da wären zum Beispiel die Geburtshelferkröte und weitere Amphibienhabitate zu nennen. Aber grundsätzlich sind die naturschutzfachlichen Belange sehr umfangreich und in der Bearbeitung sehr zeitintensiv, weshalb das im Zusammenspiel mit der Veränderung in der Ausführungsplanung zu einer längeren Dauer führt."
Ein Abschnitt des Radwegs in Schwelm ist schon lange fertig
Sehr viel "Beamtendeutsch", aber insgesamt tatsächlich alles Gründe, die es den Planern seit Jahren schwierig machen. Auch der Umbau eines Tunnels auf der Strecke war herausfordernd, weil eine Trennwand zu dort lebenden Fledermäusen geschaffen werden musste. Außerdem mussten Schutzzeiten der Tiere beachtet werden, sodass die Bauarbeiten immer nur wenige Monate im Jahr möglich waren.
Initiative feiert ironisch Baustellen-Geburtstage
Das nimmt den Freizeitradlern und Radpendlern in Gevelsberg nicht den Ärger über die Verzögerung. Denn praktisch jährlich erfahren sie von einer weiteren Verzögerung. Zuletzt hieß es, Ende 2026 sei der Abschnitt des Radweges fertig. Jetzt eben 2028. Ganz am Anfang war von 2020/21 die Rede.
Ironisch feiert daher die Initiative "Fachforum Radverkehr" in Gevelsberg einen Geburtstag der Baustelle. Dabei hängt die Initiative an einer Brücke, über die der geplante Radweg geht, einen Banner auf. Zuletzt stand drauf "7 Jahre Radwegebau - kein Ende in Sicht". Der achte Geburtstag im Januar 2026 war schon eingeplant, hinzu kommen jetzt wohl noch ein neunter und zehnter.
Weiterer Ausbau könnte noch komplizierter werden
Radfahrer und Lokalpolitiker übergaben dem Landtag 2.000 Unterschriften pro Radweg-Ausbau
Das alles wirft kein gutes Licht auf den weiteren und um ein Vielfaches komplizierteren Ausbau der Gesamtstrecke. Denn der Radweg durch Gevelsberg soll eigentlich auf der kompletten früheren Strecke der Elbschetalbahn von Witten nach Schwelm verlaufen und eine Verbindung zwischen Ruhr und Wupper schaffen.
Hier gibt es seit Jahren Diskussionen um den 800 Meter langen Silscheder Tunnel in Gevelsberg, wo das Thema Arten- und Fledermausschutz noch wesentlich komplizierter ist, als auf dem aktuellen Bauabschnitt. Eine Petition aus Gevelsberg zu einem schnelleren Ausbau des Radwegs liegt seit dem Sommer im Landtag in Düsseldorf. Aktuell stehen die Zeichen aber alles andere als auf Expresstempo.
Unsere Quellen:
- StraßenNRW
- Stadt Gevelsberg
- vorherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR 2, Lokalzeit Rhein-Ruhr, 04.12.2025, 15.31 Uhr
