Das Paar aus Gevelsberg hatte für den Cannabis-Anbau extra seinen Garten unterkellert.
Die beiden Angeklagten wirken fast wie unscheinbare Besucher, als sie durch die Tür des Hagener Schwurgerichtssaal 201 treten. Sie in einer leichten hellblauen Bluse, die Ärmel aufgekrempelt. Er in einem dunkelblauen Hemd, das locker über der Jeans liegt. Beide blicken etwas eingeschüchtert, als der Vorsitzende Richter den Prozess eröffnet.
58-Jähriger gesteht teilweise
Der 58-jährige Mann gab am ersten Verhandlungstag einen Teil der Vorwürfe zu. Er habe unter dem Garten die Cannabisplantage betrieben. Seine Partnerin sei aber nicht am Anbau beteiligt gewesen. Er selbst habe kein Cannabis konsumiert. Er habe zwar geplant, die Drogen zu verkaufen, dazu sei es aber nicht gekommen, weil die Qualität angeblich zu schlecht gewesen sei, so der 58-Jährige.
Der Prozess am Landgericht Hagen läuft seit heute Morgen. Den beiden Angeklagten wird der "unerlaubten Handels mit Cannabis" vorgeworfen, so der Sprecher des Hagener Landgerichts Daniel Krabs.
Ermittler studierten Luftbilder und Grundrisse des Gebäudes
Einer der Zeugen am ersten Verhandlungstag ist ein junger Kriminalbeamter. Er war bei der Durchsuchung im März letzten Jahres dabei. Er schildert, wie ihm und seinen Kollegen damals erst Stück für Stück bewusst wird, womit sie es in der beschaulichen Einfamilienhaussiedlung in Gevelsberg zu tun haben. Durch Luftaufnahmen aus den vergangenen Jahren habe man feststellen können, dass es 2021 große Baumaßnahmen im Garten gegeben habe. Bei der Stadt sei aber nie ein Bauantrag eingegangen. Auf späteren Luftbildern und auch bei der Durchsuchung sei von diesem Umbau nichts mehr zu sehen gewesen.
Hunderte Pflanzen hat die Polizei im März 2025 gesichert.
Als die Ermittler auf Cannabisgeruch aus einem Brunnenschacht auf dem Grundstück aufmerksam werden, suchen sie weiter. Und tatsächlich: Unstimmigkeiten bei der Anordnung der Fenster und Wände des Hauses deuten damals darauf hin, dass es einen versteckten Raum geben muss. Dieser ist mit einem aufwändigen Magnetschloss gesichert und mit einem versteckten Kellergeschoss verbunden.
Plantage in der Größe einer Dreizimmerwohnung
Die unterirdische Cannabisplantage beschreibt der Ermittler vor Gericht so: Im Grunde sei es von der Größe her eine Dreizimmerwohnung gewesen. Nur halt mit Wasserpumpen, Filteranlagen, einer externen Luftzufuhr, einem professionellen Bewässerungssystem und Zeitschaltuhren für die unzähligen Strahler und Trocknungslampen. Und rund 500 Cannabispflanzen und mehrere Kilo abgepackte Drogen. Den ersten Tipp bekamen die Beamten übrigens von einem anonymen Hinweisgeber.
Plantage in gutbürgerlicher Siedlung
Der Fall spielt in einer unauffälligen, gutbürgerlichen Siedlung mit vielen Ein- und Zweifamilienhäusern am Mönnighofer Weg in Gevelsberg. "Der hat in seinem Garten immer was gemacht und rumgefummelt", sagte Nachbar Karl-Dieter Voß im März 2025 unserem WDR-Reporter. Voß wohnt im Haus gegenüber des Paares. Er habe gesehen, wie der Mann den Boden im Keller ausgetauscht habe. Aber Verdacht habe er nicht geschöpft, sagt Voß: "Er war immer freundlich."
Professionelle Ausrüstung: Der Garten wurde extra unterkellert.
Die Polizei zerstörte die Pflanzen nach der Durchsuchung 2025 noch auf dem Grundstück des Paares. Der Cannabis-Konsum und der Anbau kleiner Mengen ist zwar inzwischen legalisiert, allerdings nicht in einer solchen Größenordnung.
So hatten wir über die Durchsuchung 2025 berichtet:
Es könnten bis zu fünf Jahre Haft drohen
Insgesamt sind vier Prozesstage angesetzt. Unerlaubter Handel mit Cannabis kann mit einer Geldstrafe, aber auch mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren bestraft werden. Die Höhe der Strafe hängt von der Menge ab. Auch ob das Gras gewerbsmäßig gehandelt wurde, spielt beim Strafmaß eine Rolle.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Daniel Krabs, Sprecher Landgericht Hagen
- WDR-Gespräch mit Polizei Ennepe-Ruhr-Kreis
- Beobachtungen des WDR-Reporters bei der Durchsuchung des Grundstücks am 28.03.2025
- Prozessbeobachtung des WDR-Reporters
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 22.06.2026, 10:31 Uhr

