In 2025 wurden in Westfalen-Lippe mehr Arbeitnehmer wegen Alkoholkonsum krank geschrieben. Nach einer aktuellen Auswertung der AOK NordWest summierten sich die Fehltage unter AOK-Versicherten auf über 135.500 – ein leichter Anstieg gegenüber 134.121 Tagen im Vorjahr.
Hohe Dunkelziffer vermutet
Die tatsächliche Zahl der durch Alkoholprobleme ausgefallenen Arbeitstage dürfte sogar noch deutlich höher liegen, vermutet die Krankenkasse. Nicht immer reichen Arbeitnehmer einen Krankenschein ein, wenn sie wegen exessiven Alkoholkonsmus nicht zur Arbeit gehen. Oder sie lassen sich von ihrem Arzt eine andere Diagnose ausstellen.
Ob die Versicherten wegen eines akuten Katers nach einer einmalig durchzechten Nacht krank geschrieben wurden oder ob sie einen dauerhaft problematischen Umgang mit Alkohol haben, geht aus den Zahlen der AOK nicht hervor. Die möglichen Diagnosen umfassen aktue Alkoholvergiftungen, einen problematischen Umgang, Abhängigkeit oder psychische Störungen.
AOK ruft zum Fasten auf
Angesichts dieser Entwicklung ruft die Krankenkasse dazu auf, in der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern auf Bier, Wein und Schnaps zu verzichten und seine eigenen Trinkgewohnheiten zu reflektieren. "Der regelmäßige Konsum von Alkohol wird gesellschaftlich oft verharmlost, ist aber Risikofaktor für zahlreiche chronische Krankheiten", warnt Vorstandschef Tom Ackermann.
Schon wenige Wochen ohne Alkohol könnten Körper und Psyche spürbar entlasten, so Ackermann:
"Eine Weile keinen Alkohol zu trinken, tut Körper und Seele gut und kann zu einem langfristigen veränderten Umgang mit Alkohol beitragen." Tom Ackermann
Vorstandsvorsitzender AOK Nordwest
Risikotrinken weit verbreitet
Wie verbreitet problematischer Konsum ist, zeigt eine Erhebung des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2024: 30,6 Prozent der Erwachsenen in NRW gelten als Rauschtrinker. Sie gaben an, mindestens einmal im Monat sechs oder mehr alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Männer sind mit 41,3 Prozent deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 20,8 Prozent.
Gesundheitliche Risiken ab dem ersten Glas
Medizinisch ist die Lage eindeutig: Alkohol wirkt als Zellgift und kann jedes Organ schädigen. Besonders kritisch ist der Konsum bei jungen Menschen, da sich das Gehirn noch bis zum 25. Lebensjahr entwickelt. "Was viele als harmlosen Genuss abtun, kann gefährlich werden", betont Ackermann und verweist auf die langfristigen Folgen.
Neben Unfällen und Verletzungen erhöht Alkohol das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Leberschäden. Fachgesellschaften empfehlen deshalb möglichst vollständigen Verzicht. Eine risikofreie Menge gebe es nicht. Wer dennoch nicht verzichten wolle, solle maximal ein bis zwei Gläser Wein oder zwei kleine Flaschen Bier pro Woche trinken..
Unsere Quellen:
- AOK Nordwest
Sendung: wdr.de, AOK meldet mehr Arbeitsausfälle wegen Alkohol in Westfalen-Lippe, 16.02.2026, 06:01 Uhr