"Passt auf": Trockener Alkoholiker will Kinder vor Sucht bewahren
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Günter Döker aus Gescher ist jahrelang alkoholabhängig. Nach einem einschneidenden Erlebnis wird er trocken. Heute will er Kinder davor bewahren, süchtig zu werden. Mit einem besonderen Theaterstück.
Von Stefan Weisemann (Text) und Markus Wollnik (Multimedia)
Eine Besprechung mit den Arbeitskollegen bei der Polizei. Günter Döker hat unzählige davon mitgemacht. Es ist Routine. Doch plötzlich passiert es: Dökers ganzer Körper krampft sich während der Besprechung heftig zusammen, er fällt wie gelähmt auf den Boden. Auf seine Kollegen wirkt es wie ein epileptischer Anfall.
Döker kommt ins Krankenhaus. Dort spricht der behandelnde Arzt Klartext. Er sagt Döker, dass er ein Alkoholproblem hat. Heute weiß der 70-Jährige in der Rückschau: "An dem Tag war es nicht möglich, den Alkoholpegel so aufzumotzen, dass mir nichts passiert." Die Folge: der Zusammenbruch vor den Augen der anderen.
Ex-Alkoholiker aus Gescher: Aufklärung über Alkoholmissbrauch
Lokalzeit Münsterland. 12.01.2026. 03:14 Min.. Verfügbar bis 12.01.2028. WDR. Von Markus Wollnik.
Es ist ein Neuanfang. Denn der Arzt sagt damals auch noch etwas ganz Entscheidendes: "Das kann jederzeit wieder passieren, wenn Sie nicht aufhören zu trinken." "Das wollte ich absolut nicht", sagt Döker. Er findet eine Selbsthilfegruppe, besucht sie einmal pro Woche. Aus eigener Kraft schafft er es, keinen Alkohol mehr anzurühren. Heute ist er trockener Alkoholiker.
Sucht wird oft weitervererbt
Mindestens zwei Millionen Menschen in NRW haben ein Alkoholproblem, sagt das NRW-Gesundheitsministerium. Jeder fünfte von ihnen gilt als alkoholabhängig. Das Problem: Unter der Alkoholsucht leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr Umfeld. Partner, Freunde und vor allem Kinder.
Laut Bundesgesundheitsministerium wächst jedes sechste Kind in Deutschland mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. Kinder aus solchen suchtbelasteten Familien haben ein deutlich höheres Risiko, später selbst süchtig zu werden.
So war es auch bei Döker. Großvater, Vater, Sohn - alle alkoholkrank. "Meine Großeltern väterlicherseits hatten jeden Tag Frühschoppen und Dämmerschoppen und haben sich den Tag mit Korn versüßt." Dökers Vater erbt die Sucht und gibt sie schließlich an seinen Sohn weiter. "Mit 15 Jahren sollte ich dann ein Bier mittrinken, da hieß es: 'Jetzt wird es an der Zeit, dass er das mal probiert'", erinnert sich Döker.
Blick ins Familienalbum von Döker: Alkohol alltäglich
Alkohol wird bald sein ständiger Begleiter und schließlich zur Sucht. Mit den Kollegen auf der Arbeit finden sich immer Anlässe, ein Bier zu trinken. Und nach Feierabend sowieso. Döker muss zunehmend gucken, wie er seinen Pegel aufrechterhält. Seine Sucht vor den Kollegen und vor allem vor seinen drei Töchtern geheimzuhalten, wird immer schwieriger.
Weg vom Alkohol
Nach dem Zusammenbruch gibt Döker seinen Beruf als Polizist auf. Er wird Therapeut mit eigener Praxis. Außerdem gründet er den Verein "Große Freiheit" in Gescher, mit dem Ziel, Kinder vor Suchtkrankheiten zu schützen. Und damit vor einem Leben, wie Döker es selbst durchgemacht hat. Mit seinem Verein setzt er dabei auf Theaterstücke.
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Döker tourt unter anderem zusammen mit der Schauspielerin Stefanie Schäfer durch Schulen im Westmünsterland. Sie spielt das Ein-Personen-Stück "Machtlos". Geschrieben von einem Autor, inspiriert von Dökers Lebensgeschichte. "Das Stück beschreibt zu 90 Prozent mein eigenes Leben", sagt er.
Theaterstück klärt Kinder über Sucht auf
Schauspielerin Schäfer erzählt, schreit und weint in dem Stück vor den Schülern einer sechsten Klasse der Gesamtschule Gescher. "Wenn Alkohol das ist, was wichtiger ist, als Mann und Kinder", schreit sie eindrücklich heraus, was Döker selbst erlebt hat, und die Kinder gucken sie gebannt an. Immer wieder dürfen sie in den 45 Minuten auch selbst mitmachen. Zum Beispiel schätzen, wann Jugendliche das erste Mal einen Alkoholrausch haben.
Eindrückliche 45 Minuten: das Theaterstück "Machtlos" will Kinder sensibilisieren
"Sehr cool" und "sehr interessant" finden sie das Stück, sagen sie hinterher, und nehmen mit, "dass man auch wieder zurückkommen kann und aufhören kann". Genau das ist Döker wichtig. Er weiß, in wie vielen Familien Alkohol oder andere Süchte ein großes Thema sind. "Die Kinder müssen lernen, dass sie mit dem, was zuhause los ist, gut umgehen können, ohne dass sie selbst Gefahr laufen, abhängig zu werden."
Verbote hält Döker für den falschen Weg. Deshalb ist seine wichtigste Botschaft an die Kinder: "Ich will euch nicht madig reden, dass ihr irgendwelche Suchtmittel mal probiert, aber passt auf, dass ihr nicht abhängig werdet."
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 12.01.2026, 19.30 Uhr.