UN-Bericht zum Umweltfußabdruck von KI
Aktuelle Stunde . 03.06.2026. 13:48 Min.. UT. Verfügbar bis 03.06.2028. WDR. Von Astrid Houben.
Ob Hausaufgaben, Urlaub oder "Welche Serie soll ich bingen?" - KI-Chatbots werden ständig befragt. Meistens geht's dabei um uns Menschen. Wir haben den Spieß mal umgedreht und ChatGPT gefragt: "Sag mal, wie sieht’s eigentlich mit deinem Umweltfußabdruck aus?"
Die Antwort: "Mein Umweltfußabdruck besteht vor allem aus dem Strom- und Wasserverbrauch der Rechenzentren, die mich betreiben, sowie aus der Herstellung der dafür benötigten Hardware."
Und genau darum geht es in einem neuen Bericht der Vereinten Nationen. Deren Forscher sagen: Je mehr KI genutzt wird und Rechenzentren gebaut werden, desto größer wird ihr ökologischer Fußabdruck. Rechenzentren weltweit seien schon heute echte Stromfresser.
Wären sie ein eigenes Land, lägen sie beim Stromverbrauch weltweit auf Platz 11 - noch vor Saudi-Arabien. Bis 2030 könnte sich der Bedarf fast verdoppeln. Hinzu käme der große Verbrauch von Wasser und Flächen. Dabei seien die Ressourcen endlich.
Die Warnungen aus dem Bericht sind auch für NRW wichtig. Hier entstehen gerade mehrere Rechenzentren, unter anderem in Bergheim, Bedburg und Elsdorf. Dort baut Microsoft drei sogenannte Hyperscaler. Es ist eines der größten Projekte bundesweit. Viele hoffen auf Jobs, Start-ups und einen Wirtschaftsboom. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie passt so ein Mega-Rechenzentrum zum Klimaschutz?
Microsoft setzt auf "grünen" Strom
Agnes Heftberger ist Chefin von Microsoft Deutschland und sagt im WDR-Interview: "Wir wollen den gesamten Stromverbrauch, den wir als Microsoft haben, durch erneuerbaren Strom abdecken. Für die gleiche Menge an Strom, die wir verbrauchen, bringen wir neuen grünen Strom in die Netze." Dirk Jansen vom BUND NRW glaubt noch nicht wirklich daran.
"Die Frage ist, wo kommt der ganze grüne Strom her? Werden dafür tatsächlich neue Erneuerbare-Energie-Anlagen gebaut für die Versorgung der Rechenzentren oder wird sich das bilanziell schön gerechnet?" Dirk Jansen vom BUND NRW
KI braucht viel Strom
Bereits jetzt seien mehr als vier Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland auf Rechenzentren zurückzuführen. Dieser Strombedarf werde massiv steigen, sagte Jansen im März bei WDR 5.
Zur Wahrheit gehört auch, dass das deutsche Energieeffizienzgesetz von 2027 ohnehin verlangt, dass große Rechenzentren bilanziell 100 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen decken. Microsoft muss das also umsetzen.
Der Mann, der sich in Bedburg damit auseinandersetzt, ist Bürgermeister Sascha Solbach (SPD): "Uns hat überzeugt, dass die Hyperscaler, die hier entstehen, am Ende CO2-negativ sein sollen. Es sollen global die ersten beiden Hyperscaler der Welt sein. Heißt auch, man hat sich hier darauf verständigt, dass man hier einmalig Wasser entnimmt und danach in einem geschlossen Kreislauf operiert."
Das sei aber in der Region ohnehin weniger ein Problem, weil im Rheinischen Revier die Sümpfung aus dem Tagebau Anfang der 1930er-Jahre ausgesetzt werde. "Das führt hier dazu, dass wir in den nächsten 120 Jahren deutlich höhere Wasserverfügbarkeiten haben als das bisher der Fall ist", sagt Solbach. Bei der Sümpfung wird in einem Tagebau kontinuierlich Grundwasser abgepumpt, um die Grube trocken zu halten.
KI braucht viel Wasser
Agnes Heftberger, CEO von Microsoft Deutschland & Österreich, in Bergheim
Auch Agnes Heftberger erklärt im WDR-Interview, warum Microsoft weniger Wasser verbrauche: "Man kann sich das so vorstellen, dass die KI-Chips gekühlt werden mit Wasser in einer winzigen Röhre und dieses Wasser wiederum im Kreislauf zirkuliert. Wir kennen das aus einem Auto, da wird zu Kühlung auch Wasser verwendet und da muss man nur manchmal ein bisschen Wasser nachfüllen. Genauso funktioniert das in unseren Rechenzentren auch."
Zum Vergleich: Microsofts größtes europäisches Rechenzentrum in Dublin verbraucht pro Jahr so viel Wasser wie 40 Haushalte, sagt Heftberger.
Klingt also wie ein Schritt in die richtige Richtung. Denn laut UN-Bericht bislang sind KI-Server weltweit offenbar extrem durstig: Schätzungen zufolge könnten Rechenzentren bis 2030 etwa 9,3 Billionen Liter Wasser benötigen. Das entspricht dem Trinkwasserbedarf der Bevölkerung in Subsahara-Afrika für ein Jahr.
Wasserdampf kühlt Server
Das liegt auch daran, dass viele Rechenzentren - auch in den USA - noch mit Wasserdampf kühlen, sagt der Physiker Ludger Ackermann. Er ist Geschäftsführer einer Beratungsfirma für Menschen, die ein Rechenzentrum aufbauen wollen. In Deutschland sei diese Formen der Kühlung nicht sehr verbreitet. "Es gibt immer noch ältere Rechenzentren, die so eine Kühlung haben, aber die meisten Neueren haben das inzwischen nicht mehr."
Auch in Bedburg wird der Wasserverbrauch durch den geschlossenen Kühlkreislauf geringer sein. Doch funktioniert das? Wirtschaftsinformatiker Wolfgang Maaß vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz sagt "Ja".
"Aber Microsoft wird auch die Abwärme irgendwie abführen müssen und sie werden keine großen Kühltürme haben, sondern werden dieses Wasser über Sekundärkreisläufe abführen müssen. So dass es zu einer Erhitzung in Flüssen, Bächen kommen wird. Das wird in der Berechnung von Microsoft nicht im Vordergrund stehen."
Microsoft-Chefin Herzberger betont, dass die innovatiste Technik verbaut werden soll, die am Markt verfügbar sei. Damit nicht so etwas wie in Frankreich passiert: Da sind im Sommer bereits Flüsse zu warm, weil warmes Kühlwasser aus Atomkraftwerken eingeleitet werden darf.
Bürgermeister will Nah- und Fernwärme-Netz für Bergheim bauen
Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach übergibt heute die Baugenehmigung für ein weiteres Microsoft Rechenzentrum
Auch Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach versucht, Lösungen zu finden. Zum Beispiel mit einem Nah- und Fernwärmenetz, das er bauen möchte. So könnte die Abwärme der Rechenzentren den Landwirten zur Verfügung gestellt werden, damit beispielsweise Spargelfelder früher erwärmt werden können - quasi per Fußbodenheizung.
"Und wir sprechen mit industriellen Abnehmern, wo man heute noch mit kleinen Braunkohlewerken arbeitet im Bereich der Chemie. Aber das ist nicht vor der Haustür. Das wird die große Herausforderung der nächsten zehn Jahre sein, die Wärme aus der Region hinzulenken, wo sie benötigt wird."
Ob Microsoft sich daran finanziell beteiligen würde, ist unklar. Schon jetzt würden aber weitere Firmen bei ihm anfragen, die sich rund um die neue KI-Zentren ansiedeln wollen, sagt Solbach. Und: Microsoft werde vor Ort Steuern zahlen, weil die Hyperscaler von einem deutschen Arm von Microsoft betrieben werden.
"Am Ende wird das gesamte Rheinische Revier davon profitieren." Sascha Solbach
Unsere Quellen:
- Interview mit Agnes Heftberger
- Interview mit Sascha Solbad
- Interview mit Prof. Wolfgang Maaß
- Interview mit Dirk Jansen bei WDR 5
- Bericht der UN zu KI-Umweltfolgen
- Bericht der Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.06.2026, 18:45 Uhr