Spatenstich für Microsoft Rechenzentrum mit Bagern

Spatenstich für Microsoft Rechenzentrum

Bergheim: Spatenstich für Microsoft-Rechenzentren

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In Bergheim ist der Bau eines Rechenzentrums des US-Konzerns Microsoft gestartet. Die Stadt rechnet mit 2.500 neuen Jobs.

Von Stephan Pesch und Martin Henning

Schon seit Wochen dröhnt Baulärm über die Felder und Ackerflächen von Bergheim-Paffendorf. Auf einer Fläche, so groß wie etwa 30 Fußballplätze, schaufeln Bagger den Lössboden ab. Die fruchtbare Erde wird von Lkw abtransportiert. Genau hier wird der US-amerikanische Tech-Konzern Microsoft sein erstes Rechenzentrum im Rheinischen Revier bauen.

3,2 Milliarden Euro will Microsoft in der Region investieren - und die Städte sind elektrisiert. Sie hoffen, dass Microsoft Unternehmen der digitalen Wirtschaft ins Revier lockt, die dann wiederum neue Arbeitsplätze schaffen.

Hoffen auf weitere Investitionen

Am Donnerstagvormittag fand der symbolische, erste Spatenstich statt. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen) nannte die Microsoft-Ansiedlung einen Startschuss für das Rheinische Revier. Weitere Akteure sollen sich demnach in Zukunft in der Region ansiedeln.

Das neue Rechenzentrum von Microsoft soll dabei auch nachhaltig sein: So wird es mit einem geschlossenen Wasserkreislauf zur Kühlung ausgestattet. Für den Strom soll ausschließlich grüne Windenenergie verwendet werden. Die Ministerin appellierte an den Bund, den Ausbau der sogenannten Windader West, einem Stromnetz-Projekt, voranzutreiben. Mit ihm soll mit Windkraft erzeugter Strom von der Nordsee ins Rheinische Revier transportiert werden.

Kritik von Naturschützern

Nachhaltigkeit, die zwar angekündigt, aber von Naturschützern bezweifelt wird. Dirk Jansen, Landesbeauftragter beim Umweltverband BUND, sagte im WDR 5 Mittagsecho: "Bislang wurden beim Bau von Rechenzentren keine geschlossenen Wasserkreislaufsysteme eingesetzt." Der Bedarf für die Kühlung der Prozessoren sei enorm, so verbrauchten Rechenzentren in den USA bis zu fünf Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Hier brauche es wassersparende Lösungen, so Jansen.

Der Umweltexperte kritisiert, dass für den Bau des Zentrums 25 Hektar wertvollen Ackerlands zerstört würden. Dazu käme noch der enorme Energieverbrauch. "Bereits jetzt sind mehr als vier Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland auf Rechenzentren zurückzuführen. Und der Bedarf wird massiv steigen." Das könne man nicht ohne Weiteres mit Grünem Strom bedienen.

Außerdem gebe es laut Jansen viele andere Umwelteinwirkungen. "Wir müssen leider feststellen, dass die Planungen in vielen Punkten eine 'Black Box' sind. Wir wissen gar nicht genau, was die Auswirkungen sind und Microsoft ist da wenig transparent."

Zweifel bei Digitalisierungsexpertin

Auch Digitalisierungsforscherin Anne Mollen wirft Microsoft fehlende Transparenz vor. "Man weiß gar nicht so genau, was mit den 3,2 Milliarden Euro eigentlich passieren soll", sagte Mollen im WDR 5 Morgenecho.

Beispiele von Rechenzentren in Irland und Schweden hätten bereits gezeigt, dass die Riesensummen oft gar nicht in den Kommunen oder den Regionen landeten. "Denn ein Großteil muss in die Hardware gesteckt werden. Und diese wird nicht in der Region, sondern im Ausland produziert."

Nur durch Ansiedlung eines Rechenzentrums entstehe nicht automatisch ein "KI-Ökosystem", das im Einklang mit der lokalen Wirtschaft bestehe. In manchen Fällen passiere sogar das Gegenteil, sagte Mollen: "Durch den hohen Energiebedarf der Rechenzentren wurden andere Unternehmen aus diesem Wirtschaftsbereich herausgedrängt, weil sie ihren eigenen Energiebedarf nicht mehr decken konnten."

Kommunen im Umbruch

Bedburgs Bürgermeister

Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach

Doch viele Gemeinden der Region dürften vor allem Chancen in den Plänen sehen. Sascha Solbach, Bürgermeister von Bergheims Nachbarstadt Bedburg, ist Sprecher der Revierkommunen. Jede von ihnen befindet sich aufgrund des vorgezogenen Kohleausstiegs mitten im Umbruch.

"Seit Jahren sucht das Rheinische Revier nach einer neuen Identität und wir haben ganz viele Projekte angestoßen. Land auf, Land ab. Aber diese Ansiedlung hier - die übrigens nichts mit einem Förderprogramm zu tun hat - löst einen ganz anderen Impuls aus", sagt der 46-Jährige.

Datenleitungen mitten durchs Revier

Bagger schaufelt

Lössboden wird abtransportiert

Mitten durch das Rheinische Revier verlaufen wichtige Glasfaserleitungen. Eine von ihnen verbindet die europäischen Internetknotenpunkte Frankfurt am Main und Amsterdam. Deshalb sei die Datacenter-Community auf das Revier aufmerksam geworden, erläutert Sascha Solbach.

"Die sehen im Moment: Hier geht was, hier ist Energie vorhanden, hier sind die Datenleitungen vorhanden", sagt Solbach. "Und jetzt kommen ganz viele Unternehmen, die auf diese Infrastruktur angewiesen sind, die in die Nähe möchten mit ihren Anwendungen."

Bergheim lockt mit Innovationspark

Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler

Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler

Nur wenige Kilometer von der Microsoft-Baustelle in Paffendorf entfernt hat die Stadt Bergheim am Braunkohlekraftwerk Niederaußem eine rund 15 Hektar große Fläche als neuen Innovationspark ausgewiesen. Eigentlich war hier ein weiteres Kraftwerk geplant. Nun rechnet Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler mit bis zu 2.500 neuen Arbeitsplätzen bei Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft.

Das sind Unternehmen, die im Zweifel niemals gedacht hätten, dass sie irgendwann in Bergheim anklopfen, um sich dort anzusiedeln. Volker Mießeler, Bürgermeister Stadt Bergheim

Mit dem Baustart in Bergheim erhält Microsoft auch eine Baugenehmigung für ein großes Rechenzentrum in Bedburg. Danach soll der Standort Elsdorf-Heppendorf folgen. 2028 soll das erste Microsoft-Rechenzentrum im Rheinischen Revier fertiggestellt sein.

Spatenstich für Microsoft-Rechenzentren im Rheinischen Revier

WDR Studios NRW 11.03.2026 00:57 Min. Verfügbar bis 10.03.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Microsoft
  • Sascha Solbach, Bürgermeister Stadt Bedburg
  • Volker Mießeler, Bürgermeister Stadt Bergheim
  • Land NRW
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Bergheim: Spatenstich für Microsoft-Rechenzentren im Rheinischen Revier, 12.03.2026, 06.00 Uhr

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