Der Prozess gegen den Düsseldorfer Wagenbaukünstler Jacques Tilly in Russland ist am Montagmittag vertagt worden. Ursprünglich waren eigentlich die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und die von der von russischer Seite eingesetzten Pflichtverteidigerin Tillys erwartet worden.
Das Gericht in Moskau
Da der Vertreter der Staatsanwaltschaft ausgetauscht wurde, müsse dieser für sein Plädoyer erst die Audio-Protokolle der Zeugenaussagen prüfen, hieß es vom Gericht. Der Prozess soll am 2. April mit den Plädoyers weitergehen.
Düsseldorfer Wagenbauer Tilly selbst ist weiter entspannt
Jacques Tilly vor seinem zum Prozess gebauten Putin-Wagen
Jacques Tilly verfolgt das Verfahren weiterhin entspannt bis amüsiert: "Die russische Justiz und der ganze Prozess sind einfach lächerlich." Wegen wiederholter Putin-Motive auf seinen bekannten Mottowagen zu den Rosenmontagszügen wurde der Künstler Ende vergangenen Jahres angeklagt. Tilly selbst erwartet, dass die Ankläger ein hohes Strafmaß fordern werden.
Konkret wird dem Künstler die Verunglimpfung der russischen Armee und zuletzt auch die Verletzung der Gefühle religiöser Gläubiger vorgeworfen. Dazu wurden beim jüngsten Prozesstag mehrere schriftliche Zeugenaussagen vorgelesen, ebenso die Einschätzung eines russischen Religionswissenschaftlers, die Tillys Schuld beweisen sollen.
Lange Haftstrafe droht vom russischen Gericht
Tillys Wagen mit blutverschmierten Putin-Händen
Bei einer Verurteilung droht Tilly eine Geldstrafe oder bis zu zehn Jahren Haft beziehungsweise Straflager in Russland. Solche, teils noch weit höhere Strafen sind laut dem Verein Freies Russland NRW auch schon gegen andere russische Oppositionelle gefällt worden, die im Ausland leben.
Konkrete Folgen hatten diese Urteile für die Betroffenen im Alltag bisher nicht. Jacques Tilly ist jedoch vom Auswärtigen Amt empfohlen worden, nicht mehr in Länder zu reisen, die mit Russland befreundet sind oder Auslieferungsabkommen mit dem Putin-Regime abgeschlossen haben.
Unsere Quellen:
- Wagenbauer Jacques Tilly
- ARD-Studio Moskau
Sendung: WDR.de, "Prozess gegen Wagenbauer Tilly in Russland geht auf die Zielgerade", 16.03.2026, 6:11 Uhr
