In Moskau soll am Donnerstagvormittag der Prozess gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly weitergehen. Der Künstler sieht sich seit Dezember dem Verfahren ausgesetzt.
Tilly wird vorgeworfen, mit seinen bekannten satirischen Mottowagen die russische Armee verunglimpft zu haben. Nun kommt offenbar mit der angeblichen Verletzung religiöser Gefühle ein weiterer Vorwurf als Klage hinzu.
Staatsanwältin will angeblich Zeugen befragen
Putin ist ein beliebtes Satire-Motiv bei Tilly
Am bislang letzten Prozesstag Ende Januar hatte die Staatsanwältin eine Verschiebung beantragt, um in der Sache Zeugen befragen bzw einladen zu können. Darüber hinaus hieß es, dass Tilly nun auf einer "internationalen Fahndungsliste" stehe.
Ob und wann mit einem Urteil gerechnet werden kann, ist unklar. Dem Düsseldorfer Künstler Tilly drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft bzw. Straflager oder eine Geldstrafe.
Tilly: Amüsiere mich über lächerlichen Prozess
Der Wagenbauer will sich nicht einschüchtern lassen
Tilly selbst schaut nach eigener Aussage weiterhin recht gelassen auf den Prozess: "Teilweise amüsiert mich das Ganze auch. Pappfiguren zum Staatsverbrechen zu erklären ist einfach lächerlich und eine Farce."
Nach wie vor habe er keinerlei offizielle Infos zu dem Prozess erhalten, so Tilly, ebenso habe er bisher keinen Kontakt zu seiner bestellten Pflichtverteidigerin gehabt.
Tilly: Entscheidung für Putin-Wagen war richtig
Mehrere Wagen thematisierten Putin am Rosenmontag in Düsseldorf
Seinen Umgang mit dem Prozess hält er noch wie vor für richtig: "Die Putin-Wagen waren richtig, das ist unsere Aufgabe im Düsseldorfer Karneval, die Herrscher dieser Welt lächerlich zu machen." Der Künstler hatte im Rosenmontagszug insgesamt vier Mottowagen mit Russland- bzw. Putin-Bezug präsentiert, darunter einen, der auch Tillys Prozess in Moskau thematisiert.
Dass diese ihm im Moskauer Prozess nun nochmal zusätzlich negativ zur Last gelegt werden könnten, will Tilly nicht ausschließen. Er könne aber nun eh nichts mehr machen, sondern nur beobachten, betont der Künstler. Die Wagen seien am Rosenmontag gefahren, das sei nicht mehr rückgängig zu machen. "Ich lasse mir keine Angst machen, das ist meine Freiheit diesem Prozess gegenüber."
Positives Feedback auf Putin-Satire
Er habe viel positive Reaktionen auf seine Putin-Mottowagen erhalten, berichtet Tilly – teilweise mit Szenenapplaus während des Rosenmontagszugs, aber auch in den Tagen danach, etwa über Mails aus ganz Deutschland.
Viel Zuspruch für den Putin-Satire-Wagen
"Manche haben auch Kritik geübt, dass die Wagen ruhig noch etwas härter hätten ausfallen dürfen", so Tilly. In den vergangenen Wochen hatten sich viele Vertreter aus Politik, Karneval und Gesellschaft aus Düsseldorf und darüber hinaus öffentlich hinter Tilly gestellt.
Am Rosenmontag hatte sich auch noch einmal der Präsident des NRW-Landtags, André Kuper, geäußert: "Das Strafverfahren in Russland wegen Verunglimpfung durch seine Karikaturen zeigt: Nur Demokratien garantieren Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Wir stehen hinter Jacques Tilly."
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Wagenbauer Jacques Tilly
- Landtag NRW
- ARD-Studio Moskau
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