Tilly-Prozess in Russland: Wagenbauer jetzt auf "Fahndungsliste"

03:07 Min. Verfügbar bis 28.01.2028

Vor dem Tilly-Prozess in Russland: Unterstützung von NRW-Politikern

Stand:

Der Prozess gegen den Düsseldorfer Künstler wurde am Mittwoch erneut verschoben. Weiter gehen soll es Ende Februar.

Der Prozess gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Moskau ist am Mittwoch erneut verschoben worden. Tilly wird Verunglimpfung der russischen Armee durch seine satirischen Motivwagen vorgeworfen.

Die Staatsanwältin hat nach WDR-Informationen die erneute Verschiebung beantragt, damit Zeugen befragt werden könnten. Fortgesetzt werden soll der Prozess am 26. Februar.

Tilly steht jetzt auf "internationaler Fahndungsliste"

Darüber hinaus soll der Künstler jetzt auch auf einer "internationalen Fahndungsliste" stehen. Ersten Einschätzungen zufolge könnte das ein Schritt der russischen Justiz sein, den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren - der Angeklagte soll vor Gericht erscheinen.

Die praktischen Folgen für Tilly dürften sich vermutlich erstmal kaum ändern. Das Auswärtige Amt hatte dem Künstler bereits empfohlen, Reisen in Länder besser zu unterlassen, die mit dem Putin-Regime befreundet sind oder gar Auslieferungsabkommen haben.

Solidarität aus der Politik weiter groß

Eine Zeichnung mit zwei Männern, einer wird in einem Panzer von dem anderen mit Wasser bespritzt

Solidaritätsposter der SPD für Tilly

Aus der Landespolitik in NRW gibt es weiter große Unterstützung für Tilly. SPD-Fraktionschef und Spitzenkandidat Jochen Ott übergab am Donnerstag in der Wagenbauhalle ein Solidaritätsposter an Tilly. "Dieses Solidaritätsposter ist ein wichtiges Signal, weil es zeigt: Wir lassen uns von Einschüchterung nicht mundtot machen. Humor, Satire und Freiheit sind keine Schwäche – sie sind die eindeutig bessere Waffe", erklärte Ott.

Auch die anderen Parteien im NRW-Landtag zeigen sich solidarisch mit dem Wagenbauer. "Wir stehen fest an der Seite von Jacques Tilly und aller Künstlerinnen und Künstler, die sich von Einschüchterung, Propaganda und Drohgebärden aus Moskau nicht den Mund verbieten lassen", so Yvonne Gebauer von der FDP.

Auch die Grünen verurteilen den Prozess als fundamentalen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Abgeordnete der CDU hatten den Künstler bereits vor Weihnachten einen Solidaritätsbesuch abgestattet.

Tilly droht Freiheitsstrafe

Gefängniszeichnung von Jacques Tilly

Zeichnung von Tillys Team als Clown im Gefängnis

Nach russischen Gesetzen drohen dem Wagenbauer bei einer Verurteilung eine Geldstrafe oder bis zu zehn Jahre Haft. Eingereicht wurde der Fall nach Gerichtsangaben am 15. Dezember vergangenen Jahres. Beim ersten Gerichtstermin war die Staatsanwältin erst mit anderthalb Stunden Verspätung erschienen, Tillys Pflichtverteidigerin gar nicht.

Unklar ist daher weiter, wegen was konkret der Künstler strafrechtlich verfolgt wird. Russische Medien berichten, dass ihm die Anklage vorwirft, Fakes über die russische Armee verbreitet zu haben, weil seine Werke eine Beleidigung für Putin als Oberbefehlshaber in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine seien.

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00:42 Min. Verfügbar bis 29.01.2028

Künstler sieht Prozess gelassen

Tilly selbst schaut weiterhin gelassen auf den "Schauprozess" in Moskau: "Ich habe mich dran gewöhnt, Staatsfeind Russlands zu sein. Das jetzt mit der Fahndungsliste ist nochmal ein höherer Grad an Absurdität. Sollen sie machen, was sie wollen", reagierte der Künstler auf die Geschehnisse am Mittwoch.

Karnevalswagen mit dem Gesicht von Putin

Wladimir Putin ist regelmäßig Thema in Tillys Werken

Der Vorgehen der russischen Justiz zeige, dass seine Satire als humane Waffe ganz offensichtlich Wirkung zeige, so Tilly. "Wir werden jetzt natürlich nicht kuschen und weiter unsere gewohnte Arbeit machen bis Rosenmontag."

Mottowagen für Rosenmontag gesetzt

Dass der Prozess gegen ihn auch Thema auf seinen sonst streng geheimen Mottowagen im diesjährigen Rosenmontagszug sein wird, darf als sicher gelten. "Irgendwie werden wir das Thema natürlich verwursten", sagt Tilly.

Konkret verraten will der Künstler aber noch nichts. Denn traditionell bleiben die Düsseldorfer Mottowagen bis zum Rosenmontag geheim.

Wie lange das Verfahren gegen Tilly dauern soll, wann mit einer Entscheidung bzw. einem Urteil zu rechnen ist, darüber gibt es von Seiten des Gerichts bisher keine näheren Angaben.

Unsere Quellen:

  • Moskauer Gericht
  • WDR-Gespräch mit Jacques Tilly
  • ARD-Studio Moskau

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 28.01.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Tilly-Prozess in Moskau wieder verschoben, 28.01.2026, 14:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Neuer Anlauf für Tilly-Prozess in Russland, 28.01.2026, 14.56 Uhr

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